Der Duft der Mutter
Hinterlassen Sie ein KommentarErinnerungen an eine Kindheit im Iran

Behjad Mehdizadeh
Zu einem interkulturellen Abend hatten die „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens“, der Ausländerbeirat Eschwege, das Evangelische Forum Werra-Meißner und die Evangelische Familienbildungsstätte Werra-Meißner eingeladen. Behjat Mehdizadeh, eine 1957 im Iran geborene Schriftstellerin, las aus ihrem Buch „Unter dem Tschador meiner Mutter“. Der Tschador ist ein großes, meist dunkles Tuch, das vor allem von Frauen im Iran als Umhang um Kopf und Körper gewunden wird und lediglich das Gesicht oder Partien des Gesichtes frei lässt. Für das Mädchen, von dem Behjad Mehdizadeh erzählt, symbolisiert er die emotionale Nähe und Geborgenheit zu ihrer Mutter. Sehr anschaulich und sinnlich beschreibt sie, wie der Tschador gewaschen wird, wie die Mutter im Tschador betet oder wie sie ihre Mutter bei der Geburt eines Geschwisterkindes zum ersten Mal ohne Tschador erblickt. Die Lesung wurde bereichert durch persisch-orientalische Musik. Samira Mamarzadeh spielte auf der Harfe und Markus Wach auf der Setar und der Kamancheh. Die etwa 55 Besucherinnen und Besucher wurden mit einem Tee zu der Veranstaltung begrüßt und hatten nach der Lesung Gelegenheit, bei einem orientalischen Imbiss miteinander ins Gespräch zu kommen.
„Ein sehr bewegender Abend, ergreifende Literatur, wunderschöne Musik“, sagte ein Besucher. Bernd Helbach von den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens ergänzte: „Auch für unseren Verein (FFJL) ist Erinnerungsarbeit und biografische Recherche von zentraler Bedeutung. Wir verstehen diese Arbeit jedoch auch interkulturell, anders ist das vielleicht heute gar nicht mehr möglich. Uns alle hier verbindet die Arbeit für ein gutes und respektvolles Zusammenleben in der Vielfalt der Kulturen.“

Bernd Helbach und Ainaz Bazanjideh


Schülerinnen und Schüler der Südringgauschule Herleshausen legten für die 48 jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Herleshausen Steine auf dem jüdischen Friedhof ab. So wird die Trauer in der jüdischen Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht. Anschließend legten sie Nelken auf die Gräber der 1593 Kriegsgefangenen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, die auf dem Friedhof gleich nebenan begraben liegen. So entspricht es dem Brauch in Russland.
Helmut Schmidt engagiert sich mit dem Arbeitskreis Stolpersteine seit Jahren für eine Gedenkkultur sowohl hinsichtlich der jüdischen Opfer des Holocaust aus Herleshausen als auch für das Gedenken an die dort begrabenen Kriegsgefangenen, die sowohl aus Russland als auch aus der Ukraine und aus vielen anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion stammen. „Teils wurden sie übereinander begraben, damals waren das alles „Russen“, niemand hat nach der Nationalität gefragt“, so Schmidt. Sowohl für die Nachfahren der jüdischen Opfer als auch für die Nachfahren der Soldaten sind die beiden Friedhöfe ein wichtiger Gedenkort. „Unsere Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur abstraktes Wissen anhäufen, sondern durch das Miterleben und Mitgestalten solcher Gedenkveranstaltungen Geschichte mit Erlebnissen verbinden“, ergänzte Regina Nizold, die Schulleiterin der Südringgauschule. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich freiwillig zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung gemeldet.
Ihr Lehrer Christian Heine sprach das „Kaddisch“, das jüdische Trauergebet. Mit dem Gesang „Hewenu Schalom alechem“ (Wir wünschen Frieden euch allen) endete die Gedenkveranstaltung.
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