Steine und Blumen erinnern in Herleshausen an die Opfer des Nationalsozialismus

Schülerinnen und Schüler der Südringgauschule Herleshausen legten für die 48 jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Herleshausen Steine auf dem jüdischen Friedhof ab. So wird die Trauer in der jüdischen Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht. Anschließend legten sie Nelken auf die Gräber der 1593 Kriegsgefangenen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, die auf dem Friedhof gleich nebenan begraben liegen. So entspricht es dem Brauch in Russland.

Der „Arbeitskreis Stolpersteine“ in Herleshausen und die „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ hatten gemeinsam zu dieser Gedenkveranstaltung eingeladen. Die sowjetischen Kriegsgefangenen, die 1942 bis 1945 im „Stalag IX“ (= Stammlager; es reichte von Bad Orb über Kassel bis nach Bad Sulza/Thüringen) an Tuberkulose erkrankten, wurden in ein dafür eingerichtetes „Seuchenlager“ an der Straße nach Frauenborn gebracht, wo sie durch mangelnde Versorgung gestorben sind. Sie wurden zum Teil auf dem jüdischen Friedhof in Herleshausen bestattet. „Der 9. Mai 1945 war nicht nur der Tag des Kriegsendes, sondern für Jüdinnen und Juden auch der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus“, sagte Martin Arnold von den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens. Helmut Schmidt engagiert sich mit dem Arbeitskreis Stolpersteine seit Jahren für eine Gedenkkultur sowohl hinsichtlich der jüdischen Opfer des Holocaust aus Herleshausen als auch für das Gedenken an die dort begrabenen Kriegsgefangenen, die sowohl aus Russland als auch aus der Ukraine und aus vielen anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion stammen. „Teils wurden sie übereinander begraben, damals waren das alles „Russen“, niemand hat nach der Nationalität gefragt“, so Schmidt. Sowohl für die Nachfahren der jüdischen Opfer als auch für die Nachfahren der Soldaten sind die beiden Friedhöfe ein wichtiger Gedenkort. „Unsere Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur abstraktes Wissen anhäufen, sondern durch das Miterleben und Mitgestalten solcher Gedenkveranstaltungen Geschichte mit Erlebnissen verbinden“, ergänzte Regina Nizold, die Schulleiterin der Südringgauschule. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich freiwillig zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung gemeldet. Ihr Lehrer Christian Heine sprach das „Kaddisch“, das jüdische Trauergebet. Mit dem Gesang „Hewenu Schalom alechem“ (Wir wünschen Frieden euch allen) endete die Gedenkveranstaltung.

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