Gemeinsamer Einsatz für historisches Erbe

In Harmuthsachsen waren beim „Tag des offenen Denkmals“ gleich zwei benachbarte Denkmale geöffnet, die Evangelische Kirche und die ehemalige Synagoge. Beide hatten sich zusammengetan, um den Tag gemeinsam zu gestalten. Neben der Kirchengemeinde und den „Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens“ wirkte auch der Heimatverein Harmuthsachsen mit.

Der Tag begann mit einem Gottesdienst in der Kirche, der von Pfarrerin Ursula Breul und Ludger Arnold gemeinsam gestaltet wurde. Dabei wurde besonders an Torsten Mengel gedacht, der kurz zuvor plötzlich verstorben war. Torsten Mengel war eine Persönlichkeit, die sich sehr eingebracht hat in das Leben des Dorfes und dessen Tod den Tag für die Dorfgemeinschaft überschattete. Die Gottesdienstgemeinde zog anschließend weiter zum Backhaus vor der Kirche und dann weiter zur Synagoge, wo der Gottesdienst mit dem Segen seinen Abschluss fand.

In der Synagoge begrüßte Luder Arnold im Namen der „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens“ die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, unter anderem auch den Bürgermeister der Stadt Waldkappel Frank Koch. Arnold erläuterte den aktuellen Stand bei der Erhaltung des jüdischen Ensembles in Harmuthsachsen. Besonders freute er sich, dass nun auch die Ausstellung „Bauliche Spuren jüdischen Lebens in Harmuthsachsen“ in der Synagoge zu sehen ist. Sie informiert über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Harmuthsachsen, vor allem auch der Synagoge. Georgios Varelis, Dozent am Fachbereich Architektur und Entwerfen der Universität Kassel, erläuterte, wie die Ausstellung entstanden ist. Mit einem Praxisprojekt haben Studierende den Verein der Freundinnen und Freunde unterstützt und dabei ihre fachlichen Kenntnisse eingesetzt und erweitert. Rolf Hocke, der ehemalige Pfarrer von Waldkappel und Harmuthsachsen, informierte über das Gedenkbuch für die Harmuthsächser Opfer der Schoa, das er demnächst in einer Neubearbeitung vorlegen wird. Gemeinsam mit der Organistin Beate Stahlhut sang er Lieder des jüdischen Musikers Joseph Jacobsen (1897-1943).

Im Laufe des Tages kamen viele Besucherinnen und Besucher in die Synagoge und in die Kirche. Man konnte die neue Ausstellung studieren und mit den Verantwortlichen ins Gespräch kommen. Auch das „Kirchencafe“, in dem man sich mit Kaffee und Kuchen stärken konnte, wurde gut angenommen. Die Kirchenführungen durch Andre Urbach-Range fanden großes Interesse. Schließlich kam auch noch eine große Gruppe von Radfahrerinnen und Radfahrern aus Hessisch Lichtenau nach Harmuthsachsen, um beide Denkmale kennen zu lernen.