Adelheit Rothschild – Eine Jüdin überlebt das KZ Bergen-Belsen

Ernst Klein

Ernst Klein, einer der besten Kenner der jüngeren jüdischen Geschichte in Nordhessen, war zu Gast in der Synagoge Abterode. Im Mittelpunkt seines Vortrages stand der Lebensweg von Adelheit Rothschild. Sie wuchs in Volkmarsen (nordwestlich von Kassel) auf und ließ sich nach der Schule zur Hauswirtschaftsmeisterin ausbilden. Im Jahr 1938 hatte sie eine Stelle als Küchenleiterin im Jüdischen Waisenhaus in Dinslaken inne. Nach den NS-Terroraktionen im November 1938 flüchtete sie nach Holland, um der Verfolgung zu entkommen. Doch wie viele andere Jüdinnen und Juden wurde sie nach dem Einmarsch der deutschen Truppen verhaftet und in das Sammellager Westerbork gebracht, in dem auch Anne Frank inhaftiert war. Im November 1943 sollte sie in das Vernichtungslager Ausschwitz deportiert werden. Durch eine „Blitzheirat“ mit einem befreundeten Lagergefährten wurde sie von der Transportliste gestrichen. Doch im Januar 1944, als schon die alliierten Truppen vorrückten, verschleppte man sie in das Konzentrationslager Bergen-Belsen bei Celle. In den letzten Kriegsmonaten herrschten dort chaotische Zustände. Tausende starben an Unterernährung und Fleckfieber. Adelheit arbeitete als Krankenschwester in einer Baracke mit über 100 Schwerstkranken.

Adelheit Rothschild 1938, im Alter von 18 Jahren

Als im April 1945 die Befreiung des Lagers unmittelbar bevorstand, sollten mehr als 8000 Häftlinge von der SS nach Osten in das Konzentrations- und Durchgangslager Theresienstadt verlegt werden. Doch ihr Eisenbahnzug wurde nach einer langen Irrfahrt am 12. April 1945 von sowjetischen Truppen gestoppt und die Häftlinge befreit. Adelheit und ihr Ehemann gelang mit vielen Hindernissen die Flucht nach Palästina. Nach Scheidung ihrer Scheinehe heiratete sie erneut und bekam zwei Söhne.

Als alte Frau folgte sie einer Einladung von Ernst Klein nach Volkmarsen und erzählte ihm ihre Lebensgeschichte. „Trotz ihrer schweren Kindheit“, sagt Ernst Klein bei seinem Vortrag in Abterode, „der für uns unvorstellbaren Leidenszeit in ihrer Jugend und dem lebenslangen mühsamen Existenzkampf war Adi uns gegenüber immer freundlich und ausgeglichen. Ihre tiefe Verbundenheit mit der jüdischen Religion war ihr ein Leben lang eine tragende Säule.“