Einmalig: Die Abteröder „Mikwe“ ist virtuell wiedererstanden

Von links nach rechts: Dr. Martin Arnold, Felix Münch, Friedhelm Junghans und Ludger Arnold

Die „Mikwe“ ist ein jüdisches Tauchbad, das nicht der äußeren, sondern der inneren Reinigung dient. Schon vor 2000 Jahren besuchten Juden die Mikwe, bevor sie zum Tempel zogen. Heute noch gehen fromme jüdische Männer vor den hohen jüdischen Feiertagen in die Mikwe. Und auch Thora-Schreiber besuchen die Mikwe, bevor sie die heiligen Texte abschreiben. Vor allem jüdische Frauen besuchen die Mikwe vor ihrer Hochzeit, nach einer Geburt oder nach der monatlichen Menstruation und bevor sie wieder mit ihrem Ehemann schlafen.

In jeder jüdischen Gemeinde gab es deshalb eine Mikwe, auch in Abterode. Doch nach der Vernichtung der jüdischen Gemeinde in der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch die Mikwe überflüssig. Sie wurde zunächst als Werkstatt genutzt und schließlich abgerissen. Im Jahr 2023 tauchten überraschend die Baupläne der Abteröder Mikwe aus dem Jahr 1890 auf. Auf der Grundlage dieser Pläne konnte sie nun virtuell rekonstruiert werden. Mit einer VR-Brille („virtuell reality“) kann man die Mikwe besichtigen. Es entstand dabei auch ein kleines 3D-Modell des Gebäudes.

Felix Münch testet die virtuelle Brille

Die virtuelle Rekonstruktion durch die Agentur Dorfmeyster in Kassel ist technisch sehr aufwändig. Bei der öffentlichen Vorstellung waren die Besucherinnen und Besucher, die zum Teil von weither angereist waren, begeistert: „So etwas haben wir noch nie gesehen.“ Tatsächlich ist diese virtuelle Rekonstruktion einzigartig in ganz Deutschland. Dr. Martin Arnold, der Vorsitzende des Vereins, dankte der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung und zahlreichen Einzelspendern für ihre finanzielle Unterstützung. Felix Münch von der Landeszentrale betonte würdigte die Arbeit des Vereins im Kampf gegen Antisemitismus. Die virtuelle Mikwe sei geeignet, mit modernster Technik Basiswissen über jüdische Kultur und Religion zeitgemäß zu vermitteln.