Archiv: März 2026

  1. Jüdische Kultur und Geschichte lernen – Friedrich-Wilhelm-Schule und Verein vereinbaren intensive Kooperation

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    Das Foto zeigt (von links) den Vorsitzenden des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis, FWS-Schulleiterin Andrea Herzog mit der Kooperationsvereinbarung und Vereinsvorstandsmitglied Arnold Baier vor dem Gedenkstein für die jüdischen Angehörigen der FWS-Schulgemeinde, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen.

    Die Friedrich-Wilhelm-Schule und der Verein Freundinnen und Freunde des jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis wollen künftig intensiv und regelmäßig zusammenarbeiten. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichneten jetzt Andrea Herzog, die Schulleiterin des Eschweger Gymnasiums, und Dr. Martin Arnold, der Vorsitzende des Vereins. Gemeinsames Ziel ist es, Schülerinnen  und  Schülern  aller Jahrgänge  eine Begegnung  mit dem  Judentum,   vor allem der lokalen jüdischen  Geschichte und  Kultur,  zu ermöglichen.

    Der Verein lädt alle Klassen der FWS im Rahmen des Geschichts-, Religions-, Ethik- und auch Deutschunterrichts ein. Die Angebote bestehen aus dem Besuch des Lern- und Gedenkorts Synagoge Abterode und des jüdischen Friedhofs Abterode als außerschulischen Lernorten. In der Synagoge können Schülerinnen und Schüler über eine App und Tablets Originaldokumente, Interviews und weitere Informationen bekommen, die sich auf Orte und Geschehnisse im Werra-Meißner-Kreis beziehen. Über virtuelle Rekonstruktionen und VR-Brillen können auch die Abteröder Mikwe und die Eschweger Synagoge wieder sichtbar und erlebbar werden. „Das ist sehr gut und wegweisend für die Schule“, würdigt FWS-Chefin Andrea Herzog das Angebot und die Möglichkeit zu Schärfung des Schulprofils des FWS als Schule ohne Rassismus. Die Schule wird die Lernangebote des Vereins mit den Lehrplänen verschiedener Fächer verknüpfen. Der Verein will seine Lernangebote gemeinsam mit den Lehrkräften der FWS planen und abstimmen.

    Vereinsvorsitzender Dr. Martin Arnold gab anlässlich der Unterzeichnung der Vereinbarung seiner Hoffnung Ausdruck, dass die punktuell schon gute Zusammenarbeit mit der FWS jetzt kontinuierlich und vertiefend ausgebaut wird. Ziel sei es, durch die Vermittlung jüdischer Kultur und Geschichte gerade auch in ihren lokalen Bezügen nachhaltige Wirkung in der Antisemitismus-Prävention und der Demokratie-Bildung zu erzielen.

    Dafür hat der Lern- und Gedenkort Synagoge Abterode nach Auskunft von Dr. Arnold mittlerweile eine große Datenbank zum jüdischen Leben im Werra-Meißner-Kreis aufgebaut. Mehr als 360 Beiträge in Form von Schrift-, Bild- und Filmdokumenten sowie Audiodateien stehen für Forschungs- und Unterrichtszwecke zur Verfügung. Das Gymnasium und der Verein benennen jeweils eine Kontaktperson, um eine dauerhafte und zielgerichtete Kommunikation zwischen beiden Einrichtungen zu gestalten. Die Kontaktpersonen treffen sich mindestens einmal im Schuljahr, um die weitere Zusammenarbeit für das kommende Jahr zu planen und bisherige Maßnahmen weiterzuentwickeln.

    Seit ihrer Gründung 1840 gab es immer einen großen Anteil jüdischer Kinder und Jugendlicher in der Schülerschaft der FWS, bis in der nationalsozialistischen Zeit im Schuljahr 1935/36 die die letzten jüdischen Schüler gehen mussten. Deshalb suchten Schul- und Vereinsleitung im Anschluss an die Unterzeichnung den Gedenkstein im Eingangsbereich der FWS auf. Ein vom ehemaligen FWS-Kunstlehrer Volker Bachmann gestaltetes Mahnmal, ein Basaltblock, aus dem ein tiefer Keil herausgefräst ist, erinnert mit den Worten „Den jüdischen Opfern, die an der FWS gelernt und gelehrt haben“ an diesen Teil der Schulgeschichte.

  2. Esther – eine kluge und mutige jüdische Frau

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    Arnold Baier zeigt zwei Schülern das Faksimile einer Thora-Rolle (für Unterrichtszwecke)

    Zwei vierte Klassen der Frau-Holle-Schule in Abterode besuchten mit ihrer Lehrerin Petra Zuter-Koch die Synagoge in Abterode. Die Schülerinnen und Schüler tauchten zunächst ein in die Geschichte der Synagoge und der jüdischen Gemeinde. Was ist eine „Mesusa“, eine „Kippa“, eine „Thora-Rolle“? Im Mittelpunkt stand jedoch das jüdische Purim-Fest, das weltweit Anfang März gefeiert wurde. Dabei wird in der Synagoge das Buch Esther vorgelesen. Erzählt wird die Geschichte, wie vor langer Zeit in Persien die jüdische Gemeinschaft vor einem Pogrom gerettet wurde. Dies verdankte sie vor allem Esther, einer klugen und mutigen Frau. Die im Original erhaltene Esther-Rolle aus Abterode faszinierte die Kinder ebenso wie die Aufforderung, bei der Nennung des Bösewichts Haman möglichst viel Krach zu machen. Da nicht mehr genug Zeit blieb, um mit Hilfe der VR-Brillen die rekonstruierte Synagoge Eschwege und die Mikwe Abterode zu besuchen, baten die Kids um einen weiteren Besuch, der auch sogleich verabredet wurde. Die Frau-Holle-Schule ist regelmäßiger Gast in der Synagoge Abterode.

    Arnold Baier zeigt einem Schüler, wie er die VR-Brille bedienen kann

  3. Jüdisches Leben als Lernfeld für Schulen

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    In den letzten Jahren haben viele Schulklassen aus dem ganzen Werra-Meißner-Kreis den Lern- und Gedenkort in der Synagoge Abterode besucht. Verschiedentlich wirkten Schulen auch bei örtlichen Gedenkveranstaltungen mit. Neuerdings besuchen Schülerinnen und Schüler auch die Synagoge in Harmuthsachsen. Diese gewachsene Zusammenarbeit soll nun nachhaltig ausgestaltet werden. Zunächst hat die Frau-Holle-Grundschule in Abterode eine Kooperationsvereinbarung mit den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens abgeschlossen. Darin werden unter anderem regelmäßige Besuche, Ansprechpersonen auf beiden Seiten und eine Verankerung im Schulcurriculum vereinbart. Nun haben auch die Adam-von-Trott-Schule in Sontra und die Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

    Von links nach rechts: Lehrer Dominik Rudolf, Schulleiter Oliver Methe (beide Adam-von-Trott-Schule), Dr. Martin Arnold und Ludger Arnold von den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens

    Von links nach rechts: Dr. Martin Arnold, Schulleiterin Andrea Herzog von der Friedrich-Wilhelm-Schule und Arnold Baier

    „Wir sind offen für weitere Kooperationen“, betont Dr. Martin Arnold vom Verein, „denn Bildung ist eine gute Möglichkeit, um Demokratie zu fördern und dem Antisemitismus zu begegnen.“ Über die Lernmöglichkeiten, die der Verein anbietet, informiert er unter https://www.synagoge-abterode.de/erste-lernmoeglichkeiten-2/.

  4. Spuren jüdischen Lebens interaktiv erkunden

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    Spuren-App-Inhaltsverzeichnis öffnen

    Seit seiner Gründung im Jahr 2019 dokumentiert unser Verein alle Spuren jüdischen Lebens aus dem Gebiet des heutigen Werra-Meißner-Kreises. Insgesamt wurden bisher 381 Beiträge über jüdisches Alltagsleben, Feste, Schulen, Persönlichkeiten, Orte, Emanzipation, Zusammenleben, Antisemitismus, Gedenken und Perspektiven erarbeitet, darunter viele Zeitzeugen-Videos, Fotografien und historische Dokumente. Einen Eindruck über die große Themenvielfalt vermitteln nun drei Register, die online zugänglich sind:

    https://www.synagoge-abterode.de/welche-beitraege-finde-ich-in-der-datenbank-zum-juedischen-leben-in-der-region-werra-meissner/. Stöbern Sie in diesem großen Fundus, der im Lern- und Gedenkort Synagoge Abterode zugänglich ist!

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