Archiv: Apr. 2026

  1. Nebeneinander, Miteinander, Gegeneinander

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    Mit dem Verhältnis von Jüdinnen und Juden zur Mehrheitsgesellschaft beschäftigten sich 24 Schülerinnen und Schüler der Johannisbergschule, die im Rahmen des Religions- und Ethikunterrichts mit ihrer Lehrerin Luisa Amlung den Lern- und Gedenkort Synagoge Abterode besuchten. Für die jüdische Minderheit war das Zusammenleben mit Nichtjuden nie unkompliziert. In manchen Zeiten lebte man in einer Art Parallelgesellschaft. Man feierte eigene Gottesdienste und Feste, heiratete nur untereinander und hatte fast nur beruflich mit Nichtjuden Kontakt. Im 19. Jahrhundert konnten Jüdinnen und Juden gleiche Rechte erlangen, fanden Aufnahme in Vereinen und wurden Mitglieder in politischen Gremien. Mit dem Nationalsozialismus wurde diese Entwicklung jedoch durch einen entfesselten Antisemitismus abgelöst. Alle Jüdinnen und Juden wurden vertrieben, deportiert und viele ermordet. Das jüdische Leben in der Region Werra-Meißner wurde ausgelöscht. „Wie konnte es dazu kommen?“, fragten Arnold Baier und Martin Arnold. Eine einfache Antwort gibt es nicht. Die Schulklasse war jedoch sensibilisiert für Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus. „Es kann wieder passieren. Wir haben Verantwortung, dass es nicht wieder passiert“, so Martin Arnold.

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  2. Musik verbindet Menschen

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    Elena Padva und Attila Günaydin kommen aus ganz unterschiedlichen Kulturen. Sie ist in Kiew (Ukraine) geboren, lebt in Kassel und leitet dort das Sara-Nussbaum-Zentrum für jüdisches Leben. Er ist Musiklehrer mit türkischem Hintergrund und gehört zur alevitischen Gemeinde in Kassel, die sich selbst als Teil der muslimischen Welt sieht. Beide haben sich kennengelernt bei einem sogenannten „Trialog-Tag“. Dies ist eine Veranstaltung, bei der drei Perspektiven miteinander ins Gespräch kommen, zum Beispiel Christen, Juden und Muslime. Sie haben angefangen, zusammen zu musizieren. Daraus entstand „Selam & Schalom“, ein musikalisches Dialogprojekt. In der Synagoge Harmuthsachsen konnte man nun diesen Dialog erleben, in Liedern über Liebe, Heimat und Tod. Elena Padva führte kundig und einfühlsam in die Hintergründe der Lieder ein. Attila Günaydin spielte die Baglava, ein traditionelle Langhalslaute, die im Orient weit verbreitet ist. Sie spielten Lieder aus ihren jeweiligen Traditionen, die oftmals ineinander übergingen und zu einem neuen Ganzen wurden. Jiddisch, türkisch, russisch und deutsch verschmolzen zu einem eindrucksvollen Musikerlebnis. „Genau dafür soll die ehemalige Synagoge in Harmuthsachsen einen Raum bieten“, sagte Martin Arnold von den „Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis. In diesem Jahr sollen dort noch einige Konzerte stattfinden. Am 8. Mai geht es dort weiter mit Country-Musik von „Gert & Friends“, die den Verein mit einem Benefiz-Konzert unterstützen.

  3. Jüdisches Leben sichtbar machen

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    Im Bundesland Thüringen leben bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 2,1 Millionen Menschen nur 680 Jüdinnen und Juden. Trotz dieser geringen Zahl ist der Antisemitismus in Thüringen ein großes Problem. Nach dem sogenannten „Thüringen-Monitor“ sind antisemitische Einstellungen verbreitet und nehme nach dem 7. Oktober 2023 zu. Unter dem Stichwort „Antizionismus“ wird nicht selten das Existenzrecht des Staates Israel in Frage gestellt. Michael Panse, der Beauftragte der thüringischen Landesregierung für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus, führt dies unter anderem auf die besondere Nähe der DDR-Politik zu den arabischen Staaten zurück, in denen die Ablehnung Israels fest verankert sei. Auch das Selbstverständnis der DDR als „antifaschistischer Staat“ habe eine Aufarbeitung der NS-Verbrechen erschwert. „Wir haben bisher nicht genug gegen den Antisemitismus getan“, sagte Michael Panse. Er informierte in der Synagoge Abterode über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Thüringen nach dem Holocaust. Nur sehr wenige Jüdinnen und Juden blieben nach 1945 in Thüringen. Durch die Zuwanderung von Juden aus Russland und Osteuropa stieg die Zahl vorübergehend an, ist aber inzwischen wieder stark rückläufig. Das Bundesland Thüringen möchte dennoch jüdisches Leben sichtbar machen. Dies geschieht vor allem auf dem Weg der Kulturförderung, etwa durch die jüdisch-israelischen Kulturtage, das Achava-Festival und den „Yiddisch Summer“. In einem Vorgespräch mit dem Vorstand der Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis wurden auch Möglichkeiten einer Kooperation im Kulturbereich erörtert. Panse forderte darüber hinaus eine stärkere Antisemitismus-Prävention in den Schulen, die nicht erst mit dem 10. Schuljahr beginnen dürfe. Auch in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte müsse mehr geschehen.

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