Tanztheater zum Leben Anne Franks in Harmuthsachsen

„Das ging unter die Haut“, sagte eine Besucherin nach der Aufführung des Tanztheaters „Laborinth“. Unter dem weit ausladenden Blätterdach der Linden auf dem Dorfanger in Harmuthsachsen hatten sich rund 80 Menschen versammelt, um eine außergewöhnliche Tanzperformance zu erleben. Im Mittelpunkt stand das Schicksal des jungen jüdischen Mädchens Anne Frank – eine Darbietung, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer tief berührte und noch lange nachwirken wird.

Anne Frank, 1929 in Frankfurt am Main geboren, floh 1933 mit ihrer Familie vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Amsterdam. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande lebte die Familie ab 1942 im Versteck eines Hinterhauses an der Prinsengracht. Dort entstand ihr weltberühmtes Tagebuch, in dem Anne ihre Gedanken, Ängste, Hoffnungen und Erlebnisse im Untergrund festhielt. Im August 1944 wurde das Versteck entdeckt; die Familie wurde deportiert. Anne Frank starb Anfang 1945 im Alter von nur 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihr Tagebuch, nach dem Krieg von ihrem Vater veröffentlicht, wurde zu einem der eindringlichsten Zeugnisse der nationalsozialistischen Judenverfolgung.

Dieser bewegenden Lebensgeschichte widmete sich das Tanztheater „Laborinth“ in einer ebenso sensiblen wie eindrucksvollen Inszenierung. Jugendliche und Erwachsene hatten das anspruchsvolle Stück gemeinsam unter der Leitung der Tanzpädagogin Christina Aehle entwickelt. „Wir möchten Anne Frank als Menschen zeigen“, erklärte sie. „Uns Heutigen stellt sich die Frage: Was für ein Mensch will ich sein?“

Mit ausdrucksstarken Choreografien, berührenden Textpassagen, stimmungsvoller Musik, Puppenspiel (Steven Ritz-Barr) und eindrucksvollen Bildsequenzen schuf die Gruppe ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk. Besonders die junge Mathilda verlieh der kindlichen Anne Frank eine beeindruckende Präsenz und ließ ihre Lebensfreude, Neugier und Verletzlichkeit auf bewegende Weise sichtbar werden.

Zum Abschluss dankte Dr. Martin Arnold von den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens der Tanzgruppe für ihren eindrucksvollen Auftritt. Sein Dank galt ebenso dem Heimatverein sowie der Kirchengemeinde Harmuthsachsen, die die Veranstaltung organisatorisch und logistisch unterstützt hatten. So wurde der Dorfanger an diesem Abend zu einem Ort des Erinnerns, des Nachdenkens und der Begegnung.