Jüdisches Leben im Meißnervorland
Hinterlassen Sie ein Kommentar
Die Landfrauen aus Frankenhain besuchten die Synagoge in Abterode. Arnold Baier und Martin Arnold von den „Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens“ informierten über die Geschichte und das Leben der jüdischen Gemeinden in Frankershausen und in Abterode. Beide Gemeinden entstanden im 17. Jahrhundert und teilten sich einen gemeinsamen Friedhof. Nach jahrhundertelanger Diskriminierung erlangten sie im 19. Jahrhundert gleiche Rechte. Es entstanden öffentliche Synagogen und Schulen, Juden wurden Mitglieder in den Gemeindeparlamenten und Vereinen, waren beruflich sehr erfolgreich und konnten sich ihren Wohnort frei wählen. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich überrascht von der noch original erhaltenen Bemalung der Wände und der Decke in der prächtigen Abteröder Synagoge. Auch besondere Ausstattungsstücke wie eine Pergamentrolle, Thora-Mäntel und ein Thora-Wimpel fanden großes Interesse. Zur Sprache kam aber auch der Antisemitismus in den Dörfern, der auf die Vertreibung der Juden abzielte. Erschüttert waren die Besucherinnen und Besucher von der langen Liste der 40 Menschen aus Frankershausen, die im Holocaust ums Leben kamen. Wie konnte es dazu kommen? „Gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Menschen andere ausgrenzen, verfolgen und gegen sie hetzen, ist es uns wichtig, ein Zeichen unserer Solidarität zu setzen“, sagte die Vorsitzende Susanne Schäfer. „Nur wenn Menschen einander respektieren, vertrauen und wertschätzen, kann eine Gesellschaft sich gegenseitig bereichern.“ Mit einer Spende unterstützen die Landfrauen die Arbeit der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens.
Tewje lebt als armer, aber gottesfürchtiger Milchmann mit seiner Frau Golde und ihren sieben Töchtern im Dorf Anatevka im zaristischen Russland. Er ist ein einfacher Jude ohne höhere Bildung, dennoch bewandert in Tora, Talmud und Midrasch. Er schmückt seine Erzählungen ständig – oft komisch verballhornt – mit passenden Bibelzitaten und führt ein permanentes, respektvoll-freches Zwiegespräch mit Gott, hadert mit seinem Schicksal, bleibt aber trotz aller Schicksalsschläge fest im Glauben verwurzelt.
Werner Ewald ist evangelischer Pfarrer in Niederaula und Kerspenhausen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg). Doch aufgewachsen ist er in Harmuthsachsen. Dort engagierten sich schon seine Eltern sehr früh für den Erhalt der Synagoge. Und sie pflegten Kontakte mit den Überlebenden des Holocaust.
Neueste Kommentare