Archiv: Juli 2026

  1. Jüdisches Leben im Meißnervorland

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    Die Landfrauen aus Frankenhain besuchten die Synagoge in Abterode. Arnold Baier und Martin Arnold von den „Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens“ informierten über die Geschichte und das Leben der jüdischen Gemeinden in Frankershausen und in Abterode. Beide Gemeinden entstanden im 17. Jahrhundert und teilten sich einen gemeinsamen Friedhof. Nach jahrhundertelanger Diskriminierung erlangten sie im 19. Jahrhundert gleiche Rechte. Es entstanden öffentliche Synagogen und Schulen, Juden wurden Mitglieder in den Gemeindeparlamenten und Vereinen, waren beruflich sehr erfolgreich und konnten sich ihren Wohnort frei wählen. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich überrascht von der noch original erhaltenen Bemalung der Wände und der Decke in der prächtigen Abteröder Synagoge. Auch besondere Ausstattungsstücke wie eine Pergamentrolle, Thora-Mäntel und ein Thora-Wimpel fanden großes Interesse. Zur Sprache kam aber auch der Antisemitismus in den Dörfern, der auf die Vertreibung der Juden abzielte. Erschüttert waren die Besucherinnen und Besucher von der langen Liste der 40 Menschen aus Frankershausen, die im Holocaust ums Leben kamen. Wie konnte es dazu kommen? „Gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Menschen andere ausgrenzen, verfolgen und gegen sie hetzen, ist es uns wichtig, ein Zeichen unserer Solidarität zu setzen“, sagte die Vorsitzende Susanne Schäfer. „Nur wenn Menschen einander respektieren, vertrauen und wertschätzen, kann eine Gesellschaft sich gegenseitig bereichern.“ Mit einer Spende unterstützen die Landfrauen die Arbeit der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens.

  2. Jüdische Schicksale der kleinen Leute

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    Tewje lebt als armer, aber gottesfürchtiger Milchmann mit seiner Frau Golde und ihren sieben Töchtern im Dorf Anatevka im zaristischen Russland. Er ist ein einfacher Jude ohne höhere Bildung, dennoch bewandert in Tora, Talmud und Midrasch. Er schmückt seine Erzählungen ständig – oft komisch verballhornt – mit passenden Bibelzitaten und führt ein permanentes, respektvoll-freches Zwiegespräch mit Gott, hadert mit seinem Schicksal, bleibt aber trotz aller Schicksalsschläge fest im Glauben verwurzelt.

    Tewje ist die zentrale Figur einer Serie von acht Erzählungen, die Scholem Alejchem (1859–1916) zwischen 1894 und 1916 verfasste. Ihn wählte der Pianist, Dirigent und Musikwissenschaftler Dr. Roman Salyutov als ein jüdisches Beispiel für das Schicksal der kleinen Leute im zaristischen Russland. Die Lesungen wurden vertieft durch Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Gustav Mahler und Viktor Ullmann mit Roman Salyutov am Klavier und Agnes Grube an der Oboe. Im Gespräch mit dem Publikum ergaben sich interessante Einblicke in das Leben des osteuropäischen Judentums, mit dem in Deutschland nur wenige vertraut sind. Dr. Martin Arnold dankte den beiden Musikern im Namen der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens für die gelungene Verbindung von Literatur und Musik. „Danke auch dem Werra-Meißner-Kreis, der die Veranstaltung durch das Programm ‚AllerLand‘ gefördert hat“, so Arnold. „So können wir jüdische Kultur auch wieder in Harmuthsachsen erleben.“ Mit etwa 70 Besucherinnen und Besuchern war die Synagoge bis auf den letzten Platz besetzt. Die Reihe der Konzerte in der Synagoge wird am 21. August mit einer weiteren Veranstaltung fortgesetzt.

  3. Erst Synagoge, dann Mohnblüte

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    Werner Ewald ist evangelischer Pfarrer in Niederaula und Kerspenhausen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg). Doch aufgewachsen ist er in Harmuthsachsen. Dort engagierten sich schon seine Eltern sehr früh für den Erhalt der Synagoge. Und sie pflegten Kontakte mit den Überlebenden des Holocaust.

    Jetzt war Ewald mit einer großen Gemeindegruppe zu Besuch in Harmuthsachsen. Dr. Martin Arnold, Ludger Arnold und Arnold Baier informierten die Besucherinnen und Besucher über die jüdische Geschichte Harmuthsachsens und die Bemühungen um den Erhalt der Synagoge und ihrer Nebengebäude. Die Gäste zeigten sich beeindruckt von der Initiative und von der neuen Innengestaltung der Synagoge. Ludger Arnold erläuterte die gerade neu erfolgte Rekonstruktion des Fußbodens im Tora-Bereich der Synagoge.

    Der Besuchergruppe angeschlossen hatte sich auch Ruth Bar-Ilan aus Israel, deren Vorfahren aus Eschwege stammen. Sie ist gerade zu Besuch in Deutschland und verfolgt die Arbeit der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens mit großem Interesse. Nach dem Besuch der Synagoge ging es weiter zu den Mohnfeldern nach Germerode.

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