Jüdische Schicksale der kleinen Leute

Tewje lebt als armer, aber gottesfürchtiger Milchmann mit seiner Frau Golde und ihren sieben Töchtern im Dorf Anatevka im zaristischen Russland. Er ist ein einfacher Jude ohne höhere Bildung, dennoch bewandert in Tora, Talmud und Midrasch. Er schmückt seine Erzählungen ständig – oft komisch verballhornt – mit passenden Bibelzitaten und führt ein permanentes, respektvoll-freches Zwiegespräch mit Gott, hadert mit seinem Schicksal, bleibt aber trotz aller Schicksalsschläge fest im Glauben verwurzelt.

Tewje ist die zentrale Figur einer Serie von acht Erzählungen, die Scholem Alejchem (1859–1916) zwischen 1894 und 1916 verfasste. Ihn wählte der Pianist, Dirigent und Musikwissenschaftler Dr. Roman Salyutov als ein jüdisches Beispiel für das Schicksal der kleinen Leute im zaristischen Russland. Die Lesungen wurden vertieft durch Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Gustav Mahler und Viktor Ullmann mit Roman Salyutov am Klavier und Agnes Grube an der Oboe. Im Gespräch mit dem Publikum ergaben sich interessante Einblicke in das Leben des osteuropäischen Judentums, mit dem in Deutschland nur wenige vertraut sind. Dr. Martin Arnold dankte den beiden Musikern im Namen der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens für die gelungene Verbindung von Literatur und Musik. „Danke auch dem Werra-Meißner-Kreis, der die Veranstaltung durch das Programm ‚AllerLand‘ gefördert hat“, so Arnold. „So können wir jüdische Kultur auch wieder in Harmuthsachsen erleben.“ Mit etwa 70 Besucherinnen und Besuchern war die Synagoge bis auf den letzten Platz besetzt. Die Reihe der Konzerte in der Synagoge wird am 21. August mit einer weiteren Veranstaltung fortgesetzt.