Jazz und Swing in der Synagoge Harmuthsachsen
Zu einem weiteren Konzert unter dem Titel „Verbotene Klänge“ hatten die Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis in die Synagoge nach Harmuthsachsen eingeladen. Etwa 70 Personen waren der Einladung gefolgt. Anders als angekündigt genossen sie dabei jedoch nicht die wundervolle Stimme von Nicole Jucik, denn die Sängerin war kurzfristig erkrankt.
Davon ließen sich Frank Sommerfeld (Gitarre) und der kurzfristig eingesprungene Helmut Schäfer (Saxofon) jedoch nicht entmutigten und sorgten für ein außergewöhnliches und einzigartiges Musikerlebnis. Sie spielten Stücke aus den 1930iger Jahren, die vom nationalsozialistischen Regime als „entartete Musik“ diffamiert wurden. Besonders die Musik des jüdischen Jazzmusikers George Gershwin wurden beispielsweise als „Judenjazz“ verunglimpft. Verboten und ausgegrenzt wurde alles, was nicht in das ideologische Weltbild der Nationalsozialisten passte. Besonders betroffen waren jüdische Komponisten und Musiker sowie die Jazzmusik, darunter neben Gershwin auch die „Comedian Harmonists“ und Kurt Weill. In der Synagoge Harmuthsachsen jedoch begeisterten sie das Publikum. Frank Sommerfeld las unter anderem auch aus den Lebenserinnerungen der Jazzlegende Coco Schumann, der nach seiner Deportation nach in das Konzentrationslager Theresienstadt auch dank seiner Musik überlebte. Er wurde dort Mitglied einer der besten Jazz-Combos des Dritten Reichs, den »Ghetto-Swingers«. Später spielte er in Auschwitz zur Unterhaltung der Lagerältesten und SS um sein Leben. Frank Sommerfeld warnte vor dem neu entstehenden Antisemitismus und rief dazu auf, die Freiheit der Musik zu verteidigen.
Die Synagoge, in der zurzeit der „Himmel über der Thora“ restauriert wird, war bis auf den letzten Platz besetzt. Marie-Christin Krüger dankte den beiden Musikern stellvertretend für die Kulturgruppe des Vereins . Am 13. September um 18.00 Uhr werden Helmut Eisel & JEM unter dem Motto „KlezFire“ die Reihe der Kulturveranstaltungen in Harmuthsachsen fortsetzen mit einem Konzert in der Evangelischen Kirche (Meißnerstraße 10).
