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Themenschwerpunkte im
Lern- und Gedenkort

Alltagsleben

Das Alltagsleben in den jüdischen Gemeinden unterschied sich zunächst stark von dem der Mehrheitsgesellschaft. Durch weltliche Gesetze waren Juden in ihren Bürgerrechten und ihren wirtschaftlichen Betätigungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Auch durch jüdische Gesetze waren das Essen, die Feste im Jahreslauf und im Lebenslauf besonderen Regeln unterworfen. Über Jahrhunderte hinweg gab es auch deshalb kaum jüdisch-christlichen Mischehen. Erst im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts glichen sich die Lebensverhältnisse immer mehr an.

Jüdische Feste

Der jüdische Wochenfesttag ist der Sabbat. Er beginnt am Freitagabend bei Sonnenuntergang und endet am Samstagabend. Auch im Jahreslauf hatten Juden einen eigenen Festkalender. Und sie feierten besondere eigene Feste zu den Übergängen im Lebenslauf.

Schulen und Bildungswesen

Das Lernen ist im Judentum von großer Bedeutung. Im Judentum gab es schon lange keine Analphabeten mehr. Das Recht zu lernen war und ist etwas ganz Selbstverständliches, und das nicht nur für Kinder. Das ganze Leben ist ein Lernen. Die Bibel ist die Grundlage für dieses Lernen und Studieren. Die sogenannte mündliche Thora, die in Talmud und Midrasch aufgeschrieben ist, hilft beim Verständnis. In diesen Büchern sind Geschichten von Rabbinern, Versuche, die Bibel auszulegen, aufgeschrieben. Beim Studium der Thora wird gelesen und diskutiert, Geschichten werden erzählt. Und das klingt dann so „wie in der Judenschul“. Christiane Hilmes

Lebensbilder

Es gibt weder "das Judentum" noch "die Juden". Allerdings gibt es viele Facetten jüdischen Lebens aus unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Kontexten. Hier dokumentieren wir zahlreiche Lebensbilder aus der Region Werra-Meißner.

Orte jüdischen Lebens

Im Gebiet des heutigen Werra-Meißner-Kreises gab es an 14 Orten jüdische Gemeinden. An einigen weiteren Orten lebten einige jüdische Familien, ohne eine eigene Gemeinde zu bilden. Eine jüdische Gemeinde benötigte für ihr Gemeinschaftsleben eine Synagoge, eine Schule, eine "Mikwe" (rituelles Tauchbad) und einen Friedhof.

Emanzipation

Über Jahrhunderte hinweg waren Juden auch in unserer Region rechtlich, politisch, wirtschaftlich und religiös diskriminiert. Erst im 19. Jahrhundert erlangten sie mehr und mehr gleiche Rechte. In der "Weimarer Republik" schien die Gleichberechtigung erreicht. Viele jüdische Männer und Frauen kamen in bedeutende gesellschaftliche Positionen. Doch all diese Erfolge wurden durch den Nationalsozialismus zunichte gemacht. Es folgte eine neue Entrechtung und Diskriminierung, ja die Vertreibung und Vernichtung der Juden.

Zusammenleben

In gewisser Weise lebten Juden und Christen über lange Zeiten hinweg in Parallelgesellschaften. Ein Zeichen dafür ist etwa, dass man nicht untereinander heiratete. Dennoch gab es auch zahlreiche Begegnungen. Jüdische Händler verkauften ihre Waren an Christen. Christliche Frauen halfen als Haushaltshilfen jüdischen Familien, die Sabbatregeln zu beachten. Kinder spielten miteinander. Man nahm gegenseitig an den Trauerfeiern teil. Doch neben guter Nachbarschaft gab es immer wieder auch Konflikte.

Antijudaismus und Antisemitismus

„Antisemitismus“ ist ein missverständlicher Begriff. Eigentlich ist damit nicht die Feindschaft gegen „Semiten“, sondern gegenüber Juden gemeint. Die Diskriminierung und Ausgrenzung von Juden hat in vielen europäischen Gesellschaften eine lange Tradition. Schon im Mittelalter kam es immer wieder zu Pogromen und Vertreibungen. Die Herrschaft Napoleons bzw. seines Bruders Jerome im „Königreich Westfalen“ (1807 – 1813) verordneten zwar eine rechtliche Gleichstellung. Und das 19. und beginnende 20. Jahrhundert waren durch eine zunehmende Emanzipation der Juden gekennzeichnet. Im Nationalsozialismus (1933 – 1945) lebte der Antisemitismus jedoch erneut auf und fand seinen Niederschlag in einem umfassenden Vernichtungsprogramm. Auch heute ist der Antisemitismus in Teilen der Gesellschaft verbreitet.

Erinnerungskultur

Die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war zunächst durch Verdrängung und Selbstrechtfertigung geprägt. Erst mit den "Auschwitz-Prozessen" und dem "Holocaust-Film" von 1978 kam eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Verbrechen des Nationalsozialismus gegenüber den Juden in Gang. Für die Region Werra-Meißner war das Buch von Anna Maria Zimmer über "Die Juden in Eschwege" (1993) ein Meilenstein. Viele weitere Veröffentlichungen folgten, vor allem in den "Eschweger Geschichtsblättern". Ein besonderes Zeichen ist die Verlegung von sogenannten "Stolpersteinen", mit denen in Eschwege, Herleshausen und Nesselröden an die Menschen erinnert wird, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden.

Perspektiven für Juden in Deutschland

Juden kommen wieder nach Eschwege: Ein befreiendes Treffen im Jahr 1989

Zeitzeugen

Es gibt nicht mehr viele Menschen, die jüdisches Leben in der Region Werra-Meißner selbst erlebt haben. Einige wenige haben wir noch befragen können. Diese Interviews sind besonders interessant, zeigen aber auch, wie die eigene Erfahrung im Rückblick gedeutet und eingeordnet wurde.

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