Aktuelles

  1. Lernen und arbeiten in der Synagoge in Harmuthsachsen

    Sieben Jungen der Jahrgangsstufe 9 der Anne – Frank – Schule Eschwege brachten sich an drei Projekttagen gemeinsam mit ihrem Betreuungslehrer Hendrik Vogt aktiv in die Arbeiten an der ehemaligen Synagoge in Harmuthsachsen ein. Mit handwerklichem Geschick und ihrer Arbeitsbereitschaft halfen sie mit, vor allem das Gelände um die Synagoge positiv zu gestalten. So wurde Unkraut gejätet, Hecke geschnitten, im Eingangsbereich gepflastert und weiter aufgeräumt. Zur Vorbereitung des „Tages des offenen Denkmals“ am 13. September wurden Pflanzgefäße mit neuen Blumen bepflanzt. Daneben informierten sich die Jugendlichen aber auch intensiv über die Geschichte des Gebäudeensembles und der jüdischen Gemeinde in Harmuthsachsen, besuchten auch den jüdischen Friedhof im Ort. Die ganze Arbeit steht im Zusammenhang mit der Probeprojektprüfung der Jugendlichen.

    „Dies ist ein wirklich nachhaltiges Projekt, das aus der Kooperation des Vereins und der Anne – Frank – Schule erwachsen ist“, freute sich Ludger Arnold, der vom Verein die Arbeiten begleitete und koordinierte.

  2. Jazz und Swing in der Synagoge Harmuthsachsen

    Zu einem weiteren Konzert unter dem Titel „Verbotene Klänge“ hatten die Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis in die Synagoge nach Harmuthsachsen eingeladen. Etwa 70 Personen waren der Einladung gefolgt. Anders als angekündigt genossen sie dabei jedoch nicht die wundervolle Stimme von Nicole Jucik, denn die Sängerin war kurzfristig erkrankt.

    Davon ließen sich Frank Sommerfeld (Gitarre) und der kurzfristig eingesprungene Helmut Schäfer (Saxofon) jedoch nicht entmutigten und sorgten für ein außergewöhnliches und einzigartiges Musikerlebnis. Sie spielten Stücke aus den 1930iger Jahren, die vom nationalsozialistischen Regime als „entartete Musik“ diffamiert wurden. Besonders die Musik des jüdischen Jazzmusikers George Gershwin wurden beispielsweise als „Judenjazz“ verunglimpft. Verboten und ausgegrenzt wurde alles, was nicht in das ideologische Weltbild der Nationalsozialisten passte. Besonders betroffen waren jüdische Komponisten und Musiker sowie die Jazzmusik, darunter neben Gershwin auch die „Comedian Harmonists“ und Kurt Weill. In der Synagoge Harmuthsachsen jedoch begeisterten sie das Publikum. Frank Sommerfeld las unter anderem auch aus den Lebenserinnerungen der Jazzlegende Coco Schumann, der nach seiner Deportation nach in das Konzentrationslager Theresienstadt auch dank seiner Musik überlebte. Er wurde dort Mitglied einer der besten Jazz-Combos des Dritten Reichs, den »Ghetto-Swingers«. Später spielte er in Auschwitz zur Unterhaltung der Lagerältesten und SS um sein Leben. Frank Sommerfeld warnte vor dem neu entstehenden Antisemitismus und rief dazu auf, die Freiheit der Musik zu verteidigen.

    Die Synagoge, in der zurzeit der „Himmel über der Thora“ restauriert wird, war bis auf den letzten Platz besetzt. Marie-Christin Krüger dankte den beiden Musikern stellvertretend für die Kulturgruppe des Vereins . Am 13. September um 18.00 Uhr werden Helmut Eisel & JEM unter dem Motto „KlezFire“ die Reihe der Kulturveranstaltungen in Harmuthsachsen fortsetzen mit einem Konzert in der Evangelischen Kirche (Meißnerstraße 10).

  3. Amerikanische Familie sucht nach Spuren ihrer jüdischen Vorfahren

    Susan und Allan, die in Boston (USA) wohnen, kamen mit ihrer Tochter Lauren, ihrem Schwiegersohn Ryan sowie ihren Enkeln Brennan (13 Jahre) und Audrey (11 Jahre) nach Eschwege und Diemerode bei Sontra, um nach den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren zu suchen. „In diesem Land lebte meine Familie jahrhundertelang. Ich war schon immer neugierig, wie dieses Land aussieht und wie die Menschen dort sind“, sagt Susan Cantos. Susan ist die Tochter von Ingrid Löwenstein, die im Jahr 1929 in Eschwege geboren wurde. Ingrids Vater Willy war ein Kaufmann aus Diemerode, ihre Mutter Paula war Kindergärtnerin und Tochter des jüdischen Kantors Levi Bacharach in Eschwege. Ingrid konnte 1939 mit einem „Kindertransport“ nach Schweden aus Deutschland gerettet werden. Sie kam zunächst nach Stockholm und übersiedelte im August 1946 in die USA. Ihre Eltern wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz umgebracht. Ihr Großvater Levi Bacharach nahm sich im Jahr 1942, kurz bevor er deportiert werden sollte, das Leben.

    „Meine Mutter“, so Susan, „fragte sich immer, wenn sie jemand Deutsch sprechen hörte, was der während des Krieges gemacht hat. War er ein Nazi?“ Ihr selbst wurde allmählich klar, dass es nicht fair ist, so über Deutschland zu denken: „Denn die Menschen, die heute dort leben, hatten nichts mit dem zu tun, was in den 1930er Jahren passiert ist.“ Und so beschloss sie, die Menschen selbst kennenzulernen. Sie folgte im Jahr 1989 einer Einladung der Stadt Eschwege an die Eschweger Juden, die den Holocaust überlebt hatten.

    Bei der Suche nach ihren Vorfahren wurde die Familie von Hans Isenberg unterstützt. Er fand heraus, dass die Reihe ihrer Vorfahren bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. In Diemerode zeigte ihnen Hans Isenberg die Gräber ihrer Vorfahren auf dem jüdischen Friedhof. Liane Vogel führte sie in Diemerode zu dem Haus, in dem Willy Löwenstein geboren wurde. Annamaria Zimmer führte die Familie durch die Eschweger Innenstadt und zeigte ihnen einige Häuser, in denen jüdische Familien gelebt hatten. Ein besonderer Ort war für sie das Haus im Alten Steinweg 29, in dem 1941/42 Juden zwangsweise leben mussten. Dort reinigten die Enkel Brennan und Audrey einen „Stolperstein“, der an ihren Urgroßvater Levi Bacharach erinnert. Die Familie besuchte auch die Synagoge auf dem Schulberg und die ehemalige jüdische Schule, in der Levi Bacharach fast 40 Jahre wohnte. Bürgermeister Thomas Eckardt (Sontra) und Bürgermeister Nicola-Alexander Ferl (Eschwege) empfingen die Gäste in ihren Rathäusern. Melanie Salewski lud die Familie in die Anne-Frank-Schule nach Eschwege ein, um dort auch mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.

    Die politische Entwicklung in den USA sieht Susan mit Sorge: „Ich habe große Angst vor dem, was derzeit in den Vereinigten Staaten vor sich geht. Ich beobachte, wie in den Vereinigten Staaten der Antisemitismus zunimmt, ebenso der Hass gegen andere Gruppen, die nicht amerikanisch sind.“ Für ihre Enkelkinder wünscht sie sich, dass sie Menschen aus aller Welt kennenlernen und verstehen lernen, dass die Menschen, auch wenn sie aus verschiedenen Teilen der Welt kommen, alle gleich sind.

  4. Jüdisches Leben im Meißnervorland

    Die Landfrauen aus Frankenhain besuchten die Synagoge in Abterode. Arnold Baier und Martin Arnold von den „Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens“ informierten über die Geschichte und das Leben der jüdischen Gemeinden in Frankershausen und in Abterode. Beide Gemeinden entstanden im 17. Jahrhundert und teilten sich einen gemeinsamen Friedhof. Nach jahrhundertelanger Diskriminierung erlangten sie im 19. Jahrhundert gleiche Rechte. Es entstanden öffentliche Synagogen und Schulen, Juden wurden Mitglieder in den Gemeindeparlamenten und Vereinen, waren beruflich sehr erfolgreich und konnten sich ihren Wohnort frei wählen. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich überrascht von der noch original erhaltenen Bemalung der Wände und der Decke in der prächtigen Abteröder Synagoge. Auch besondere Ausstattungsstücke wie eine Pergamentrolle, Thora-Mäntel und ein Thora-Wimpel fanden großes Interesse. Zur Sprache kam aber auch der Antisemitismus in den Dörfern, der auf die Vertreibung der Juden abzielte. Erschüttert waren die Besucherinnen und Besucher von der langen Liste der 40 Menschen aus Frankershausen, die im Holocaust ums Leben kamen. Wie konnte es dazu kommen? „Gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Menschen andere ausgrenzen, verfolgen und gegen sie hetzen, ist es uns wichtig, ein Zeichen unserer Solidarität zu setzen“, sagte die Vorsitzende Susanne Schäfer. „Nur wenn Menschen einander respektieren, vertrauen und wertschätzen, kann eine Gesellschaft sich gegenseitig bereichern.“ Mit einer Spende unterstützen die Landfrauen die Arbeit der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens.

  5. Jüdische Schicksale der kleinen Leute

    Tewje lebt als armer, aber gottesfürchtiger Milchmann mit seiner Frau Golde und ihren sieben Töchtern im Dorf Anatevka im zaristischen Russland. Er ist ein einfacher Jude ohne höhere Bildung, dennoch bewandert in Tora, Talmud und Midrasch. Er schmückt seine Erzählungen ständig – oft komisch verballhornt – mit passenden Bibelzitaten und führt ein permanentes, respektvoll-freches Zwiegespräch mit Gott, hadert mit seinem Schicksal, bleibt aber trotz aller Schicksalsschläge fest im Glauben verwurzelt.

    Tewje ist die zentrale Figur einer Serie von acht Erzählungen, die Scholem Alejchem (1859–1916) zwischen 1894 und 1916 verfasste. Ihn wählte der Pianist, Dirigent und Musikwissenschaftler Dr. Roman Salyutov als ein jüdisches Beispiel für das Schicksal der kleinen Leute im zaristischen Russland. Die Lesungen wurden vertieft durch Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Gustav Mahler und Viktor Ullmann mit Roman Salyutov am Klavier und Agnes Grube an der Oboe. Im Gespräch mit dem Publikum ergaben sich interessante Einblicke in das Leben des osteuropäischen Judentums, mit dem in Deutschland nur wenige vertraut sind. Dr. Martin Arnold dankte den beiden Musikern im Namen der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens für die gelungene Verbindung von Literatur und Musik. „Danke auch dem Werra-Meißner-Kreis, der die Veranstaltung durch das Programm ‚AllerLand‘ gefördert hat“, so Arnold. „So können wir jüdische Kultur auch wieder in Harmuthsachsen erleben.“ Mit etwa 70 Besucherinnen und Besuchern war die Synagoge bis auf den letzten Platz besetzt. Die Reihe der Konzerte in der Synagoge wird am 21. August mit einer weiteren Veranstaltung fortgesetzt.

  6. Erst Synagoge, dann Mohnblüte

    Werner Ewald ist evangelischer Pfarrer in Niederaula und Kerspenhausen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg). Doch aufgewachsen ist er in Harmuthsachsen. Dort engagierten sich schon seine Eltern sehr früh für den Erhalt der Synagoge. Und sie pflegten Kontakte mit den Überlebenden des Holocaust.

    Jetzt war Ewald mit einer großen Gemeindegruppe zu Besuch in Harmuthsachsen. Dr. Martin Arnold, Ludger Arnold und Arnold Baier informierten die Besucherinnen und Besucher über die jüdische Geschichte Harmuthsachsens und die Bemühungen um den Erhalt der Synagoge und ihrer Nebengebäude. Die Gäste zeigten sich beeindruckt von der Initiative und von der neuen Innengestaltung der Synagoge. Ludger Arnold erläuterte die gerade neu erfolgte Rekonstruktion des Fußbodens im Tora-Bereich der Synagoge.

    Der Besuchergruppe angeschlossen hatte sich auch Ruth Bar-Ilan aus Israel, deren Vorfahren aus Eschwege stammen. Sie ist gerade zu Besuch in Deutschland und verfolgt die Arbeit der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens mit großem Interesse. Nach dem Besuch der Synagoge ging es weiter zu den Mohnfeldern nach Germerode.

  7. Klezmer-Festival in Blankenbach

  8. Jüdisches Leben heute

    Sie studieren Geschichte und möchten Lehrer werden. An diesem Tag sind sie aber nicht an der Uni, sondern in der Kleinstadt Felsberg im Schwalm-Eder-Kreis. Die Luft duftete nach Lindenblüten, nach Sommer, nach Leben und Frieden. Eine Gruppe von Studierenden der Universität Kassel besuchte mit ihren Dozenten Dr. Luigi de Ambrosia und Dr. Martin Arnold die Synagoge in Felsberg. Dort wurden sie von Annette und Christopher Willing als Gäste begrüßt. Annette Willing ist Kantorin der liberalen Gemeinde in Felsberg, Christopher Vorsitzender des Vereins zur Rettung der Synagoge Felsberg. Beide informierten die Studenten nicht nur über die wechselvolle Geschichte der Felsberger Synagoge, sondern auch über die jüdische Gemeinde, die dort heute ihre Gottesdienste feiert. Anhand zweier Thora-Rollen erläuterte Annette Willing die Praxis der Lesung aus der Thora im Gottesdienst. „Judentum hat eben nicht nur eine lange Geschichte, sondern ist auch lebendige Gegenwart“, sagte Martin Arnold. Die Studenten waren begeistert: „Solche außerschulischen Lernorte bieten besondere Lernmöglichkeiten.“

  9. Einer der ältesten jüdischen Friedhöfe in Hessen

    Trotz regnerischen Wetters waren 43 Personen zu einer Führung über den jüdischen Friedhof in Wanfried erschienen. „Es ist einer der ältesten Friedhöfe in Hessen“, erläuterte Dr. Martin Arnold von den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis. In Wanfried entstand schon um das Jahr 1600 eine jüdische Gemeinde, die zeitweise fast 7% der Wanfrieder Bevölkerung ausmachte. In dieser Zeit wurde auch der Friedhof angelegt, weit abgelegen von der Stadt. Arnold informierte über Besonderheiten der jüdischen Bestattungskultur und ihre Veränderung im 19. Jahrhundert, über Emanzipation, Assimilation und Ausgrenzung. Die letzte Bestattung fand im Jahr 1936 statt. Das jüdische Leben in Wanfried wurde durch den Nationalsozialismus ausgelöscht. „Wir können die Taten früherer Generationen nicht ungeschehen machen“, so Arnold, „doch wir müssen die Erinnerung bewahren und dafür sorgen, dass Ausgrenzung und Diskriminierung nie wieder unser Zusammenleben bestimmen.“

  10. Jugendliche arbeiten an der ehemaligen Synagoge in Harmuthsachsen

    „Man sieht, dass man was Vernünftiges gemacht hat!“, sagte ein Jugendlicher erschöpft, aber zufrieden am Ende des Vormittags. Sechs Jugendliche waren mit ihrem Lehrer Hendrik Vogt  nach Harmuthsachsen gekommen, um dort kräftig mit anzupacken.  Im Rahmen der entstehenden Kooperation zwischen der Anne-Frank-Schule in Eschwege und dem Verein der „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ bot dieser Arbeitseinsatz den Hauptschülern die Möglichkeit, Geschichtsunterricht einmal anders zu erleben.

    Ludger Arnold, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, führte die Gruppe durch die Synagoge, das ehemalige Lehrerhaus und das Vorderhaus, erläuterte die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Harmuthsachsen und gab er einen Ausblick, wie die Gebäude einmal genutzt werden sollen.

    Kraftvoll und mit Elan machten sich die Jugendlichen daran, große herumliegende Sandsteine ordentlich aufzusetzen, Gras zu mähen, eine Hecke zu schneiden und einen wuchernden Efeu deutlich zurückzuschneiden. Daneben wurde auch noch Bauschutt aus dem Vorderhaus entsorgt. Schnell war eine deutliche Veränderung zu sehen! Der Arbeitseinsatz der Jugendlichen half, die nächsten Maschineneinsätze vorzubereiten. Mit kleinen Schritten, aber kontinuierlich geht die Wiederherrichtung des gesamten Komplexes weiter.

    Mit einem kleinen Imbiss endete der Vormittag. „Das hat richtig Spaß gemacht!“, fasste einer der Jungen die Meinung der Gruppe zusammen.

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