Aktuelles

  1. Statement der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kassel e.V. zum 7. Oktober 2026

    Liebe Mitglieder, liebe Interessierte,

    der 7. Oktober 2023 markierte den Tag des schlimmsten Massenmordes an Jüdinnen und Juden seit der Shoa. Die islamistische Terror-Organisation Hamas wüteten mit großer Brutalität in 22 Grenzortschaften und im Süden Israels. Sie töteten wahllos 1300 Menschen, vergewaltigten und entführten Israelis und ausländische Bürger, die dort lebten, arbeiteten oder zu Besuch waren. Wir gedenken der Opfer und des Leids ihrer Familien.

    Diese Verbrechen haben tief verwundet – die Opfer und ihre Familien, die israelische Gesellschaft und Jüdinnen und Juden weltweit. Dass heute Jüdinnen und Juden in Deutschland und weltweit einen tiefen Riss im Alltag spüren, persönliche Verletzungen erleben und offenem Antisemitismus begegnen, darf nicht sein und braucht unser aller Engagement.

    Wenn wir heute, drei Jahre später, auf die Situation in Israel und den palästinensischen Gebieten blicken, ist diese noch immer von Gewalt, Übergriffen und Zerstörung geprägt: durch fortdauernde Angriffe auf Israel, durch den Gaza-Krieg, die über 70.000 zivilen Opfer, überwiegend Frauen und Kinder, und die Zerstörung der Lebensgrundlage im Gazastreifen, durch den illegalen Siedlungsbau in der Westbank. Traumatisierung und Leid auf beiden Seiten – bei der israelischen und der palästinensischen Bevölkerung.

    Wir halten an der Hoffnung fest, dass – trotz allem, was wir derzeit erleben, – gegenseitiges Vertrauen aufgebaut und Wunden geheilt werden können und dass ein gerechter, dauerhafter Friede unter uns, im Nahen Osten und in der Welt möglich ist.

    Beatrix Ahr – Renate Pfromm – Eveline Valtink

  2. Es geht voran in Harmuthsachsen

    Der „Himmel über der Thora“ ist wieder eingebaut, auch eine im Original erhalten Buchablage wurde bereits restauriert. Weitere originale Holzeinbauten sollen folgen. Manfred Heiting aus Los Angeles, der dem Projekt sehr verbunden ist, zeigte sich begeistert: „Es ist großartig und sehr unterstützenswert, was hier geschieht.“ Restaurator Wolfgang Petzholdt aus Eisenach erläuterte Heiting und auch dem Waldkappeler Bürgermeister Niklas Gries seine zuweilen filigrane Arbeit: „Durch den Wiedereinbau der originalen Holzteile wird immer deutlicher, dass der Raum eine Synagoge ist.“ Ludger Arnold und Dr. Martin Arnold erläuterten den Gästen auch die aktuellen Arbeiten im Außenbereich. Das Sockelmauerwerk an der Westwand der Synagoge wird abgedichtet, damit nicht weiter Feuchtigkeit eindringen kann. Auch die Ableitung des Regenwassers wird erneuert. „Danach soll die Synagoge innen neu gestrichen werden, natürlich in dem ursprünglichen Farbton“, erläuterte Ludger Arnold. „Es ist toll zu erleben, dass wir Schritt für Schritt vorankommen“, sagte Martin Arnold, der Manfred Heiting für seine Unterstützung dankte.

     

  3. Juden und Christen haben eine gemeinsame Wurzel

    50 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Eschwege erkundeten einen ganzen Tag lang das jüdische Leben in Abterode und Eschwege. Dabei konnten sie entdecken, dass Christen und Juden vieles gemeinsam haben. Sie glauben an einen Gott, sie sehen in der Thora, in den Propheten und in den Psalmen heilige Schriften, sie richten ihr Leben an den 10 Geboten aus. Auch in der Art und Weise, wie sie Gottesdienst feiern, ist vieles gemeinsam. Leider haben die christlichen Kirchen in der Vergangenheit oft das Trennende hervorgehoben und sogar zur Feindschaft gegenüber Juden beigetragen. Inzwischen wird vielen bewusst, dass Juden und Christen eine gemeinsame Wurzel haben. Schon der Apostel Paulus schrieb an die christliche Gemeinde in Rom: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich“ (Römer 11,18b). In der Synagoge und auf dem jüdischen Friedhof in Abterode konnten die Jugendlichen Spuren jüdischen Lebens in Abterode entdecken. Mit Erschrecken hörten sie, wie der entfesselte Hass auf Juden – der Antisemitismus – zur Auslöschung der jüdischen Gemeinde führte. „Gott sei Dank gibt es heute wieder jüdisches Leben in Deutschland“, sagte Dr. Martin Arnold, der Vorsitzende der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis. Die Pfarrerinnen Anne Rudolph und Sieglinde Repp-Jost stellten den Jugendlichen die bleibende Verbundenheit von Christen und Juden vor Augen.

  4. Klezmer-Feuerwerk in Harmuthsachsen!

    In der „wie sonst nur Weihnachten“ gefüllten Evangelischen Kirche zu Harmuthsachsen erlebten die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer in einem Konzert der Reihe „Hörmal im Denkmal“ ein wahres Feuerwerk der Emotionen. Das Trio „Helmut Eisel & JEM“ aus dem Saarland spielte sein aktuelles Programm „KlezFire“.

    Wie wohl kein anderer setzt sich Helmut Eisel mit seiner „sprechenden Klarinette“ seit nunmehr 40 Jahren für die Verbreitung dieser Musik ein und schafft damit eine lebendige Verbindung mit der Kultur, die einst in Europa weit verbreitet war.

    So wurde das Geschehen einer traditionellen jüdischen Hochzeit dargestellt, schnelle und langsame Tänze wechselten sich mit der feierlichen Prozession der Festgesellschaft ab. Es gab Stücke für den Frieden, die Schönheit der anwesenden Frauen, feurige Lebensfreude in den „Freilachs“ und sehr intime Schilderungen von Freunden und Familienangehörigen.

    Die in allen Tonlagen und Stimmungen flüsternde oder bis ins Mark dringende Klarinette wurde gestützt von Stefan Engelmanns groovendem Kontrabass und reflektiert von Juan Pablo Gonzáles Tobóns temperamentvollem Gitarrenspiel.

    Mehr und mehr gerieten die Zuhörer in den Bann dieser ausdrucksstarken Musik, und nur die Rücksicht die weite Rückfahrt, die zwei der Musiker den Abend noch anzutreten hatten, konnte das Verlangen nach weiteren Zugaben schließlich bremsen.

    Ermöglicht wurde den „Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ dieses Konzert durch die großzügige Unterstützung der Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

    Nach dem Konzert in der Kirche stimmte Helmut Eisel zum Abschluss des Abends in der Synagoge noch ein Abendgebet an.

    Andreas Höch

     

  5. Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens ziehen positive Zwischenbilanz

    Bei ihrer Mitgliederversammlung in der Synagoge Abterode konnten sich die „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ über eine gute Entwicklung des Vereins freuen. Die Bildungsarbeit des Vereins wurde erfolgreich weitergeführt, neue Mitglieder konnten gewonnen werden und erstmals fanden auch zahlreiche Kulturveranstaltungen statt. Ludger Arnold informierte über die Fortschritte beim Erhalt der Synagoge in Harmuthsachsen. Er stellte die Pläne vor für den Ausbau des jüdischen Ensembles in Harmuthsachsen. Rabbi Prof. Dr. Joseph Edelheit, der den Verein in jüdischen Fragen berät, übermittelte Grüße aus Rio de Janeiro: „Ich bin besonders stolz darauf, dass ihr in einer Zeit zunehmend polarisierender Politik weiterhin der Angst und der Spaltung widersteht, indem ihr zu Kunst, Musik, Literatur und dem Gedenken an das jüdische Leben in Deutschland einladet und versammelt.“ Das Ehrenmitglied Edward Stein (Boston / USA) rief die Vereinsmitglieder dazu auf, auch weiterhin die Demokratie zu verteidigen: „Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt ist eine Warnung an uns alle. Doch statt Verzweiflung sollte dies ein Weckruf zum Handeln sein.“

  6. Lernen und arbeiten in der Synagoge in Harmuthsachsen

    Sieben Jungen der Jahrgangsstufe 9 der Anne – Frank – Schule Eschwege brachten sich an drei Projekttagen gemeinsam mit ihrem Betreuungslehrer Hendrik Vogt aktiv in die Arbeiten an der ehemaligen Synagoge in Harmuthsachsen ein. Mit handwerklichem Geschick und ihrer Arbeitsbereitschaft halfen sie mit, vor allem das Gelände um die Synagoge positiv zu gestalten. So wurde Unkraut gejätet, Hecke geschnitten, im Eingangsbereich gepflastert und weiter aufgeräumt. Zur Vorbereitung des „Tages des offenen Denkmals“ am 13. September wurden Pflanzgefäße mit neuen Blumen bepflanzt. Daneben informierten sich die Jugendlichen aber auch intensiv über die Geschichte des Gebäudeensembles und der jüdischen Gemeinde in Harmuthsachsen, besuchten auch den jüdischen Friedhof im Ort. Die ganze Arbeit steht im Zusammenhang mit der Probeprojektprüfung der Jugendlichen.

    „Dies ist ein wirklich nachhaltiges Projekt, das aus der Kooperation des Vereins und der Anne – Frank – Schule erwachsen ist“, freute sich Ludger Arnold, der vom Verein die Arbeiten begleitete und koordinierte.

  7. Jazz und Swing in der Synagoge Harmuthsachsen

    Zu einem weiteren Konzert unter dem Titel „Verbotene Klänge“ hatten die Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis in die Synagoge nach Harmuthsachsen eingeladen. Etwa 70 Personen waren der Einladung gefolgt. Anders als angekündigt genossen sie dabei jedoch nicht die wundervolle Stimme von Nicole Jucik, denn die Sängerin war kurzfristig erkrankt.

    Davon ließen sich Frank Sommerfeld (Gitarre) und der kurzfristig eingesprungene Helmut Schäfer (Saxofon) jedoch nicht entmutigten und sorgten für ein außergewöhnliches und einzigartiges Musikerlebnis. Sie spielten Stücke aus den 1930iger Jahren, die vom nationalsozialistischen Regime als „entartete Musik“ diffamiert wurden. Besonders die Musik des jüdischen Jazzmusikers George Gershwin wurden beispielsweise als „Judenjazz“ verunglimpft. Verboten und ausgegrenzt wurde alles, was nicht in das ideologische Weltbild der Nationalsozialisten passte. Besonders betroffen waren jüdische Komponisten und Musiker sowie die Jazzmusik, darunter neben Gershwin auch die „Comedian Harmonists“ und Kurt Weill. In der Synagoge Harmuthsachsen jedoch begeisterten sie das Publikum. Frank Sommerfeld las unter anderem auch aus den Lebenserinnerungen der Jazzlegende Coco Schumann, der nach seiner Deportation nach in das Konzentrationslager Theresienstadt auch dank seiner Musik überlebte. Er wurde dort Mitglied einer der besten Jazz-Combos des Dritten Reichs, den »Ghetto-Swingers«. Später spielte er in Auschwitz zur Unterhaltung der Lagerältesten und SS um sein Leben. Frank Sommerfeld warnte vor dem neu entstehenden Antisemitismus und rief dazu auf, die Freiheit der Musik zu verteidigen.

    Die Synagoge, in der zurzeit der „Himmel über der Thora“ restauriert wird, war bis auf den letzten Platz besetzt. Marie-Christin Krüger dankte den beiden Musikern stellvertretend für die Kulturgruppe des Vereins . Am 13. September um 18.00 Uhr werden Helmut Eisel & JEM unter dem Motto „KlezFire“ die Reihe der Kulturveranstaltungen in Harmuthsachsen fortsetzen mit einem Konzert in der Evangelischen Kirche (Meißnerstraße 10).

  8. Amerikanische Familie sucht nach Spuren ihrer jüdischen Vorfahren

    Susan und Allan, die in Boston (USA) wohnen, kamen mit ihrer Tochter Lauren, ihrem Schwiegersohn Ryan sowie ihren Enkeln Brennan (13 Jahre) und Audrey (11 Jahre) nach Eschwege und Diemerode bei Sontra, um nach den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren zu suchen. „In diesem Land lebte meine Familie jahrhundertelang. Ich war schon immer neugierig, wie dieses Land aussieht und wie die Menschen dort sind“, sagt Susan Cantos. Susan ist die Tochter von Ingrid Löwenstein, die im Jahr 1929 in Eschwege geboren wurde. Ingrids Vater Willy war ein Kaufmann aus Diemerode, ihre Mutter Paula war Kindergärtnerin und Tochter des jüdischen Kantors Levi Bacharach in Eschwege. Ingrid konnte 1939 mit einem „Kindertransport“ nach Schweden aus Deutschland gerettet werden. Sie kam zunächst nach Stockholm und übersiedelte im August 1946 in die USA. Ihre Eltern wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz umgebracht. Ihr Großvater Levi Bacharach nahm sich im Jahr 1942, kurz bevor er deportiert werden sollte, das Leben.

    „Meine Mutter“, so Susan, „fragte sich immer, wenn sie jemand Deutsch sprechen hörte, was der während des Krieges gemacht hat. War er ein Nazi?“ Ihr selbst wurde allmählich klar, dass es nicht fair ist, so über Deutschland zu denken: „Denn die Menschen, die heute dort leben, hatten nichts mit dem zu tun, was in den 1930er Jahren passiert ist.“ Und so beschloss sie, die Menschen selbst kennenzulernen. Sie folgte im Jahr 1989 einer Einladung der Stadt Eschwege an die Eschweger Juden, die den Holocaust überlebt hatten.

    Bei der Suche nach ihren Vorfahren wurde die Familie von Hans Isenberg unterstützt. Er fand heraus, dass die Reihe ihrer Vorfahren bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. In Diemerode zeigte ihnen Hans Isenberg die Gräber ihrer Vorfahren auf dem jüdischen Friedhof. Liane Vogel führte sie in Diemerode zu dem Haus, in dem Willy Löwenstein geboren wurde. Annamaria Zimmer führte die Familie durch die Eschweger Innenstadt und zeigte ihnen einige Häuser, in denen jüdische Familien gelebt hatten. Ein besonderer Ort war für sie das Haus im Alten Steinweg 29, in dem 1941/42 Juden zwangsweise leben mussten. Dort reinigten die Enkel Brennan und Audrey einen „Stolperstein“, der an ihren Urgroßvater Levi Bacharach erinnert. Die Familie besuchte auch die Synagoge auf dem Schulberg und die ehemalige jüdische Schule, in der Levi Bacharach fast 40 Jahre wohnte. Bürgermeister Thomas Eckardt (Sontra) und Bürgermeister Nicola-Alexander Ferl (Eschwege) empfingen die Gäste in ihren Rathäusern. Melanie Salewski lud die Familie in die Anne-Frank-Schule nach Eschwege ein, um dort auch mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.

    Die politische Entwicklung in den USA sieht Susan mit Sorge: „Ich habe große Angst vor dem, was derzeit in den Vereinigten Staaten vor sich geht. Ich beobachte, wie in den Vereinigten Staaten der Antisemitismus zunimmt, ebenso der Hass gegen andere Gruppen, die nicht amerikanisch sind.“ Für ihre Enkelkinder wünscht sie sich, dass sie Menschen aus aller Welt kennenlernen und verstehen lernen, dass die Menschen, auch wenn sie aus verschiedenen Teilen der Welt kommen, alle gleich sind.

  9. Jüdisches Leben im Meißnervorland

    Die Landfrauen aus Frankenhain besuchten die Synagoge in Abterode. Arnold Baier und Martin Arnold von den „Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens“ informierten über die Geschichte und das Leben der jüdischen Gemeinden in Frankershausen und in Abterode. Beide Gemeinden entstanden im 17. Jahrhundert und teilten sich einen gemeinsamen Friedhof. Nach jahrhundertelanger Diskriminierung erlangten sie im 19. Jahrhundert gleiche Rechte. Es entstanden öffentliche Synagogen und Schulen, Juden wurden Mitglieder in den Gemeindeparlamenten und Vereinen, waren beruflich sehr erfolgreich und konnten sich ihren Wohnort frei wählen. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich überrascht von der noch original erhaltenen Bemalung der Wände und der Decke in der prächtigen Abteröder Synagoge. Auch besondere Ausstattungsstücke wie eine Pergamentrolle, Thora-Mäntel und ein Thora-Wimpel fanden großes Interesse. Zur Sprache kam aber auch der Antisemitismus in den Dörfern, der auf die Vertreibung der Juden abzielte. Erschüttert waren die Besucherinnen und Besucher von der langen Liste der 40 Menschen aus Frankershausen, die im Holocaust ums Leben kamen. Wie konnte es dazu kommen? „Gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Menschen andere ausgrenzen, verfolgen und gegen sie hetzen, ist es uns wichtig, ein Zeichen unserer Solidarität zu setzen“, sagte die Vorsitzende Susanne Schäfer. „Nur wenn Menschen einander respektieren, vertrauen und wertschätzen, kann eine Gesellschaft sich gegenseitig bereichern.“ Mit einer Spende unterstützen die Landfrauen die Arbeit der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens.

  10. Jüdische Schicksale der kleinen Leute

    Tewje lebt als armer, aber gottesfürchtiger Milchmann mit seiner Frau Golde und ihren sieben Töchtern im Dorf Anatevka im zaristischen Russland. Er ist ein einfacher Jude ohne höhere Bildung, dennoch bewandert in Tora, Talmud und Midrasch. Er schmückt seine Erzählungen ständig – oft komisch verballhornt – mit passenden Bibelzitaten und führt ein permanentes, respektvoll-freches Zwiegespräch mit Gott, hadert mit seinem Schicksal, bleibt aber trotz aller Schicksalsschläge fest im Glauben verwurzelt.

    Tewje ist die zentrale Figur einer Serie von acht Erzählungen, die Scholem Alejchem (1859–1916) zwischen 1894 und 1916 verfasste. Ihn wählte der Pianist, Dirigent und Musikwissenschaftler Dr. Roman Salyutov als ein jüdisches Beispiel für das Schicksal der kleinen Leute im zaristischen Russland. Die Lesungen wurden vertieft durch Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Gustav Mahler und Viktor Ullmann mit Roman Salyutov am Klavier und Agnes Grube an der Oboe. Im Gespräch mit dem Publikum ergaben sich interessante Einblicke in das Leben des osteuropäischen Judentums, mit dem in Deutschland nur wenige vertraut sind. Dr. Martin Arnold dankte den beiden Musikern im Namen der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens für die gelungene Verbindung von Literatur und Musik. „Danke auch dem Werra-Meißner-Kreis, der die Veranstaltung durch das Programm ‚AllerLand‘ gefördert hat“, so Arnold. „So können wir jüdische Kultur auch wieder in Harmuthsachsen erleben.“ Mit etwa 70 Besucherinnen und Besuchern war die Synagoge bis auf den letzten Platz besetzt. Die Reihe der Konzerte in der Synagoge wird am 21. August mit einer weiteren Veranstaltung fortgesetzt.

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