Aktuelles

  1. „Ich bin aufgewacht!“ Eine junge Frau auf dem Weg in den Widerstand. Ein Gespräch über Sophie Scholl aus Anlass ihres 100. Geburtstages

  2. Reger Besuch beim „Tag des offenen Denkmals“ in der Synagoge Abterode

    Auf viel Interesse stieß die Synagoge Abterode beim „Tag des offenen Denkmals“ am 12. September. Von 11.00 bis 16.00 Uhr fanden viele Besucherinnen und Besucher aus Abterode und dem ganzen Werra-Meißner-Kreis den Weg in die Synagoge, um sich dort über Spuren jüdischen Lebens zu informieren. Einige nutzten die Gelegenheit, um in der virtuellen Datenbank des Lern- und Gedenkortes zu stöbern. Andere warfen mit eine virtuellen Brille einen Blick in den Innenraum der ehemaligen Eschweger Synagoge. Wieder andere staunten über eine alte Pergamenthandschrift oder einen Thora-Wimpel aus dem Jahr 1725. Arnold Baier und Dr. Martin Arnold informierten die Besucherinnen und Besucher über die Geschichte der Synagoge, der jüdischen Gemeinde in Abterode, den Pogrom im Jahr 1938 und über das heutige jüdische Leben in Nordhessen. Unter den Besuchern war auch der Abteröder Ortsvorsteher Ulrich Brill (siehe Foto oben), der sich selbst einen Eindruck von dem noch relativ neuen Lern- und Gedenkort verschaffen wollte. „Wir haben heute viel Neues erfahren“, sagte eine Besucherin. Für Gruppen bis zu 20 Personen bietet der Verein der Freundinnen und Freude jüdischen Lebens Führungen an, die über info@synagoge-abterode.de oder Tel. 05651-339281 vereinbart werden können.

  3. Hohe Auszeichnung für die „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens in der Region Werra-Meißner“

    Im Rahmen einer Feierstunde hat der SPD-Bezirk Hessen-Nord den zum elften Mal ausgelobten Ehrenamtspreis in Baunatal an die ausgewählten Preisträger vergeben.
    Im Gedenken an den 2018 verstorbenen Vorsitzenden des SPD-Bezirks und Initiator des Ehrenamtspreises wurde dieser in diesem Jahr umbenannt in „Manfred-Schaub-Ehrenamtspreis“.
    SPD-Bezirksvorsitzender Timon Gremmels erläuterte: “Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement ist Ausdruck gelebter Solidarität. Durch freiwillige Arbeit in Vereinen, Organisationen und Initiativen erfahren, erlernen und praktizieren Menschen Gemeinschaftsempfinden, Fairness und Toleranz – Werte und Tugenden, die für den Zusammenhalt der Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind. Soziales Handeln und solidarische Mitverantwortung im alltäglich gelebten Engagement stärken nicht nur den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern entsprechen auch den Idealen der SPD von Gerechtigkeit und Solidarität. Ohne Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. In einer Zeit, in der immer weniger bereit sind, sich zu engagieren, verdient dies besondere Anerkennung.“ Deshalb will die SPD mit dem Preis für besonders herausragendes freiwilliges Engagement das Ehrenamt würdigen und fördern.

    Im elften Jahr der Preisvergabe war es den nordhessischen Sozialdemokraten ein Anliegen, insbesondere mit Blick auf die Ermordung von Halit Yozgat und dem Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke das vielfältige ehrenamtliche Engagement gegen Rechtsextremismus in der Region unter dem Titel „Engagements gegen Rechts“ und angesichts der noch immer nicht überwundenen COVID 19-Pandemie den „Zusammenhalt in Zeiten von Corona“ zu würdigen.

    Einer dieser Preisträger ist der Verein „Freundinnen und Freunde des jüdischen Lebens in der Region Werra-Meißner“. Der Verein wurde 2019 gegründet. Ihm gehören der Werra-Meißner-Kreis, der Evangelische Kirchenkreis Werra-Meißner, zahlreiche Kommunen und Kirchengemeinden sowie zahlreiche persönliche Mitglieder an. Außerdem kooperiert er mit der jüdischen Gemeinde Felsberg. Er ist Träger des „Lern- und Gedenkortes für jüdisches Leben“. Der Verein will die Erinnerung an jüdisches Leben in der Region Werra-Meißner wachhalten, insbesondere in der jüngeren Generation. Er informiert über jüdische Geschichte, Kultur und Religion in der Region. Er wendet sich gegen jede Form von Antijudaismus und Antisemitismus. Ziel ist die Prävention gegen wiederaufkeimenden Antisemitismus.

  4. Besuch von Staatsminister Michael Roth in Abterode

    Auf seiner diesjährigen Sommertour durch seinen Wahlkreis besuchte Staatsminister Michael Roth wieder einmal den Lern – und Gedenkort in der ehemaligen Synagoge in Abterode. Er ließ sich von den Vorstandmitgliedern Dr. Martin Arnold, Friedhelm Junghans und Ludger Arnold über die aktuelle Situation informieren. Dabei war vor allem wichtig, wie die Arbeit trotz der Corona – Pandemie fortgesetzt werden konnte. Sie erschwerte die Arbeit zwar erheblich, aber während des „Lockdown“ konnten digitale Veranstaltungen angeboten und durchgeführt werden. Seit wieder persönliche Treffen möglich sind, haben auch erste Gruppen von Konfirmanden, Lehrern und Interessierten die Synagoge wieder besucht.

    Auch der Kreistagsvorsitzende und Landratskandidat Friedel Lenze war gekommen. Er brachte die Beitrittserklärung der Gemeinde Berkatal mit und zeigte sich beeindruckt von der Fülle an Informationen, die hier über das jüdische Leben in der Region bereits vorhanden ist und allen Interessierten zur Verfügung steht.

    Anschließend besuchte die Gruppe gemeinsam den jüdischen Friedhof in Abterode. Mit seinen 494 Grabsteinen ist er einer der größten und ältesten in ganz Nordhessen. Dr. Martin Arnold zeigte den Gästen den ältesten Grabstein von 1660, den jüngsten von 1992 und einen besonderen Grabstein, der mit der Lebensgeschichte des jüdischen Unternehmers Gumpert Bodenheim verbunden ist. Die unterschiedlich gestalteten Grabsteine legen Zeugnis ab von der Lebenssituation der jüdischen Bürger in der jeweiligen Zeit. Bürgermeister Friedhelm Junghans erläuterte, wie die Pflege und der Schutz der jüdischen Friedhofsanlagen in Hessen organisiert ist, sind doch die jüdischen Friedhöfe „für die Ewigkeit“ angelegt und in vielen Gemeinden zudem das letzte sichtbare Zeichen der ehemals lebendigen jüdischen Kultur.

    Zum Abschluss legten die Besucher kleine „Steine der Erinnerung“ auf Grabsteine als Zeichen der wertschätzenden Erinnerung.

    Ludger Arnold

  5. Bericht an die Mitgliederversammlung am 1. September 2021

    Liebe Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens,

    unser Verein wurde am 21. Oktober 2019 gegründet. In der Präambel der Satzung heißt es über die Aufgaben und Zwecke des Vereins:

    + Er pflegt die Erinnerung an jüdisches Leben in der Region Werra-Meißner

    + Er setzt sich ein für den Erhalt und die Nutzung von Synagogen und anderen jüdischen Einrichtungen

    + Er stellt sich dem Hass und den Ressentiments gegenüber Juden entgegen und wirbt für ein   friedliches Miteinander

    Diese recht allgemein gehaltene Zweckbestimmung gilt es mit Leben zu füllen. Der Gründungsvorstand hat versucht, in diesem Sinne zu wirken. Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten wegen der Corona-Pandemie konnten insgesamt 13 verschiedene Kleingruppen den Lern- und Gedenkort in der Synagoge Abterode besuchen, darunter Lerngruppen aus Kirchengemeinden, aus Schulen und Menschen mit einem besonderen Interesse an jüdischem Leben:

    +            Die Schulleiterdienstversammlung des Werra-Meißner-Kreises am 16.12.2019

    +            Eine Lerngruppe der Anne-Frank-Schule Eschwege am 05.02.2020

    +            Ein Besuch der Bezirksdenkmalpflegerin Rebekka Schindehütte am 06.08.20

    +            Ein Besuch von Jugendlichen aus dem Küsterdienstteam und Mitgliedern der Gottesdienstgruppe der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Eschwege am 08.08.2020

    +            Eine Besuchergruppe aus der Kirchengemeinde Sontra am 15.08.2020

    +            Ein Besuch des Leitungsteams vom Archiv der Jugendbewegung am 26.08.2020

    +            Ein Besuch von Rob Ariens und mit Freunden am 12.10.20

    +            Ein Besuch der Fachkonferenz Religion aus der Johannisbergschule Witzenhausen am 23.10.2020

    +            Ein Besuch von Konfirmandinnen und Konfirmanden aus der Stadtkirchengemeinde Eschwege am 10.07.2021

    +            Ein Besuch der Jury für den Hessischen Landesdenkmalschutzpreis am 13.07.2021

    +            Ein Besuch von Konfirmandinnen und Konfirmanden aus dem Kirchspiel Germerode am 04.08.2020

    +            Ein Besuch der Konfirmandinnen und Konfirmanden aus dem Kirchspiel Waldkappel am 07.07.2021

    +            Der Besuch einer Wandergruppe am 22.08.2021

     

    Darüber hinaus wurden einige besondere Veranstaltungen vorbereitet und durchgeführt, etwa zum Holocaust-Gedenktag oder zum „Tag des offenen Denkmals“. Ferner gab es eine ganze Reihe von Vorträgen und Dialogveranstaltungen, die auf großes Interesse stießen:

    +            Eine Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag am 27.01.2020 mit Annamaria Zimmer und York Egbert König

    +            Ein digitaler Workshop mit dem Landtagsabgeordneten Felix Martin zum Umgang mit

    Verschwörungsmythen und rechter Hetze am 27.02.2020

    +            Eine Veranstaltung zum Thema „Wie lebt es sich als Jude in Deutschland?“ Evangelisches Forum Werra-Meißner am 28.02.2020 mit Manuel Pelz, Mitglied der jüdischen Gemeinde Felsberg, und Dr. Michael Dorhs, Leiter des Referates für Schule und Unterricht im Landeskirchenamt Kassel

    +            Eine Youtube-Andacht in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Kirchenkreis Werra-Meißner am 16.08.2020

    +            Ein digitales Angebot am „Tag des offenen Denkmals“ am 13.09.2020. Toni Trebing und Walter Junghans erzählten, wie sie die Synagoge in Abterode in ihrer Kindheit erlebt haben

    +            Eine Veranstaltung für zugewanderte russische Jüdinnen und Juden am 22.09.2020 in Zusammenarbeit mit dem Verein „Interkulturelles Miteinander im Werra-Meißner-Kreis

    +            Ein Vortrag von Annamaria Zimmer, Martin Arnold und Melanie Salewski über das Jahr 1933 aus jüdisch-regionaler Perspektive am 28.04.2021

    Auch einige Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien, darunter Mandatsträger aus Kreis und Land, besuchten die Synagoge Abterode, um sich über die Arbeit des Vereins zu informieren. Alle zeigten sich beeindruckt von unserer Arbeit und sicherten ihre weitere Unterstützung zu:

    +            Ein Besuch von Staatsminister Michael Roth mit den beiden Landtagsabgeordneten Karina Fissmann und Knut John am 03.08.2020

    +            Der Landtagsabgeordnete Felix Martin am 14.08.2020

    +            Ein Besuch des Landtagsabgeordneten Stefan Naas am 08.10.2020

    +            Ein Besuch der SPD-Kreistagsfraktion am 24.11.2020

    +            Die Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn am 05.03.2021

    Da die Möglichkeiten zur Durchführung von Veranstaltungen seit Beginn der Pandemie sehr beschränkt waren, haben wir ergänzend zum Internetauftritt des Vereins auch Socialmedia-Kanäle bei Facebook, Instagram, Twitter und Youtube eingerichtet. Über diese Wege konnten wir auch während der starken Einschränkungen viele Menschen erreichen und ansprechen. Auf „Facebook“ hat der Verein insgesamt 611 Freundinnen und Freunde, auf Instagram 122 Abonnenten und auf dem ersten kürzlich eingerichteten Twitter-Account neun Personen, die unsere Nachrichten verfolgen. Der Youtube-Kanal des Vereins hat zwar nur acht Abonnenten, aber einzelne Beiträge wurden mehr als 80mal aufgerufen. Viele Informationen werden auch auf der Internetseite des Vereins www.synagoge-abterode.de zur Verfügung gestellt.

    Auch die Ausstattung des Lern- und Gedenkortes in der Synagoge Abterode wurde verbessert. Dazu gehören zum einen 30 Klappstühle mit Kissen und entsprechende Transportwagen. Es wurden auch eine Kamera installiert und eine sogenannte „Spinne“ angeschafft, die es ermöglichen, in der Synagoge auch Hybridveranstaltungen durchzuführen. Und ganz neu ist eine App mit der Software „Actionbound“, mit der man einen Rundgang durch das jüdische Abterode machen kann. Unser Vereinsmitglied Marie-Christin Krüger hat diese App entwickelt. Künftig können sich Interessierte mit einem Tablet oder einem Smartphone auf den Weg machen, um die jüdische Schule, das jüdische Tauchbad oder den jüdischen Friedhof in Abterode zu entdecken.

    Alle diese Projekte konnten nur realisiert werden, weil wir finanzielle Unterstützungen erhielten, u.a. von der Belegschaft des Volkswagenwerks in Baunatal, dem Verein „Andere Zeiten“, der „Partnerschaft für Demokratie im Werra-Meißner-Kreis“, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und viele Einzelspendern.

    Auch auf ein ganz besonderes Projekt möchte ich hinweisen. Es gelang die virtuelle Rekonstruktion des Innenraums der Eschweger Synagoge. Die Eschweger Synagoge, deren Innenraum während des Pogroms 1938 zerstört wurde, ist nun wieder mit Hilfe von drei virtuellen Brillen begehbar. Gefördert wurde diese anspruchsvolle und neuartige Technik durch den Verein für Regionalentwicklung, die Stadtstiftung Eschwege und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

    Mittlerweile hat der Verein 65 persönliche und 18 institutionelle Mitglieder. Er ist als gemeinnützig anerkannt. Über weitere Mitglieder und auch über ehrenamtliche Mitarbeit würden wir uns sehr freuen. So suchen wir dringend noch weitere Personen, die Führungen im Lern- und Gedenkort übernehmen könnten. Eine eingehende Schulung wird dazu selbstverständlich angeboten.

    Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem jüdischen Leben in der Region Werra-Meißner konnte stark gefördert werden durch ein Themenheft der Eschweger Geschichtsblätter zum jüdischen Leben in der Region. Darin finden sich unter anderem Beiträge von Prof. Andreas Lehnardt (Universität Mainz) über die Abteröder „Genisa“ und Dr. Karl Kollmann über die jüdische Gemeinde Abterode im 17. und 18. Jahrhundert. Ferner wurde die digitale Datenbank im Lern- und Gedenkort auf inzwischen 265 Beiträge erweitert.

    Um unsere Anliegen zu verwirklichen, ist die Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Akteuren sehr wichtig. Zu allererst möchte ich dabei den Verein „Aufwind“ nennen, der die Lern- und Gedenkstätte in der Synagoge Abterode realisiert und unseren Verein sozusagen „aus der Taufe gehoben“ hat und der uns auch weiterhin nach Kräften unterstützt. Eine gute Zusammenarbeit gibt es mit der Liberalen jüdischen Gemeinde „Ehmet we Schalom“ in Felsberg. Kontakt aufgenommen haben wir auch zu der jüdischen Gemeinde in Kassel und sie zu einem Besuch nach Abterode eingeladen. Beantragt wurde die Mitgliedschaft in der Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit in Kassel. In guter Verbindung stehen wir auch zu vielen Schulen in der Region und zum Staatlichen Schulamt, zu Kirchengemeinden und zum Evangelischen Kirchenkreis, zu einigen Kommunen und zum Landkreis. Im Blick auf die weitere Erforschung von Lebenswegen ehemaliger jüdischer Mitbürger konnten wir zahlreiche Entdeckungen machen durch die Zusammenarbeit mit den Archiven von Yad Vashem in Israel und mit „Arolsen Archives“, in denen die Lebens- und Leidenswege von über 17,5 Millionen von den Nazis verfolgten Menschen dokumentiert werden.

    Die Einrichtung des Lern- und Gedenkortes in der Synagoge Abterode wurde in diesem Jahr nominiert für den Hessischen Denkmalschutzpreis. Schon darin drückt sich eine große Anerkennung für unser Projekt aus. Am 15. September werden wir erfahren, ob wir eine Auszeichnung erhalten.

    Im Rahmen des Jubiläumsjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ planen wir für den Herbst diesen Jahres Schulprojekttage an der Anne-Frank-Schule und an der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege, an der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf, an der Johannisberg-Schule in Witzenhausen und an der Adam-von-Trott-Schule in Sontra.

    Ferner laden wir für den 12. September – den „Tag des offenen Denkmals“ – ein, den Lern- und Gedenkort Synagoge Abterode zu besuchen. Er wird von 11.00 bis 16.00 Uhr geöffnet sein. Außerdem laden wir für Montag, den 8. November 2021, zu einem Gedenken an die Novemberpogrome 1938 nach Abterode ein. Bei einem Rundgang, der um 17.00 Uhr an der ehemaligen Synagoge beginnt und zu verschiedenen Orten des Geschehens führt, werden die gewaltsamen Aktionen anhand der vorhandenen Quellen nachgezeichnet und es wird der Opfer gedacht.

    Abschließend möchten wir eine Frage ansprechen, mit der sich der Vorstand immer wieder intensiv beschäftigen musste: Wie kann die Synagoge Harmuthsachsen gerettet werden? In Harmuthsachsen ist die einzige Dorfsynagoge im Werra-Meißner-Kreis erhalten, die heute nicht für andere Zwecke genutzt wird. Sie wurde bei den Pogromen 1938 nur deshalb nicht zerstört, weil die sehr klein gewordene jüdische Gemeinde in Harmuthsachsen sie bereits 1928 verkauft hatte. Die Synagoge wurde viele Jahre über als Stall und Scheune genutzt, bis der Förderverein für die Synagoge Harmuthsachsen (der sich inzwischen unserem Verein angeschlossen hat) erreichen konnte, dass sie mit Hilfe des Landesamtes für Denkmalpflege baulich saniert wurde. Im Jahr 2004 wurde das Projekt sogar mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet. Die Gebäude stehen wegen ihrer besonderen Bedeutung unter Denkmalschutz.

    Doch seither verfallen die Gebäude leider wieder. Der private Eigentümer hat ein Betreten des Grundstücks und der Gebäude untersagt. Er unternimmt nichts, um die Gebäude zu erhalten. Wenn es so weiter geht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Gebäude einstürzen. Der Vorstand hat – in Absprache mit dem Werra-Meißner-Kreis und der Stadt Waldkappel, die auch beide Mitglieder unseres Vereins sind – Gespräche geführt mit dem Hessischen Landesamt für Denkmalschutz, mit der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst (die auch für den Denkmalschutz zuständig ist), mit verschiedenen Abgeordneten des Hessischen Landtages und dem Regierungspräsidium in Kassel.

    Der Verein bittet die Untere Denkmalschutzbehörde, in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege kurzfristig geeignete bauliche Maßnahmen zu ergreifen, um die vom Verfall bedrohte Synagoge in Harmuthsachsen und das Nebengebäude zu sichern.

    Perspektivisch hoffen wir, dass die Synagoge und das zugehörige Nebengebäude in öffentliches Eigentum überführt werden können. Der Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens könnte es übernehmen, die Synagoge für kulturelle Zwecke (Führungen, Ausstellungen, Lesungen, Sommerkonzerte) öffentlich zugänglich zu machen. Mit Hilfe der Arbeitsgemeinschaft Archäologie im Werra-Meißner-Kreis könnte dann eventuell auch die darin verborgene Mikwe (jüdisches Tauchbad) freigelegt werden. Er könnte ferner die ehemalige jüdische Lehrerwohnung erschließen (Entrümpelung durch freiwillige Arbeitseinsätze) und für Führungen herrichten.

    Die Stadt Waldkappel wäre dann bereit, künftig auf die Grundsteuer und sämtliche anfallende Gebühren für die ehemalige Synagoge und das angrenzende Gebäude zu verzichten. Der Bauhof der Stadt könnte sich um kleinere Unterhaltungs- und Pflegemaßnahmen kümmern.

    Das Landesamt für Denkmalpflege hat für den Fall eines Eigentümerwechsels zugesagt, den Verein in fachlicher Hinsicht und bei der Akquise von Fördermitteln kräftig zu unterstützen. Es bestünde die Chance, das jüdische Ensemble in Harmuthsachsen baulich zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

    Doch kann unser noch junger und kleiner Verein ein solches Projekt schultern? Dabei geht es nicht nur um die finanziellen Möglichkeiten, sondern auch um die personellen Ressourcen, die für die Baumaßnahmen und für die Realisierung des angedachten Nutzungskonzeptes nötig sind. Darüber möchten wir nachher – der Punkt steht ja auf der Tagesordnung – gern mit Ihnen ins Gespräch kommen.

     

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

  6. Trotz Corona-Pandemie große Wirksamkeit entfaltet

    25 Mitglieder konnte Dr. Martin Arnold, der Vorsitzende des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis, zur diesjährigen Mitgliederversammlung begrüßen. Die Versammlung fand bei gutem Wetter im Freien auf dem Pfarrhof in Abterode statt. Der Vorstand des Vereins berichtete ausführlich über die Entwicklung des jungen Vereins, der erst im Jahr 2019 gegründet wurde. Inzwischen hat er bereits 65 persönliche und 18 institutionelle Mitglieder. Unter den institutionellen Mitgliedern sind unter anderem der Werra-Meißner-Kreis, der Evangelische Kirchenkreis, zahlreiche Kommunen und Kirchengemeinden, Schulen und der Verein Aufwind, der in der Synagoge Abterode ein „Lädchen für alles“ betreibt. Schatzmeister Friedhelm Junghans konnte auch von einer guten finanziellen Situation berichten. Zahlreiche Zuschüsse, Kollekten und Spenden ermöglichen die Realisierung verschiedener Projekte.

    Trotz der Corona-Pandemie besuchten im zurückliegenden Jahr viele Kleingruppen und interessierte Gäste den Lern- und Gedenkort in der Synagoge Abterode. Die Ausstattung des Lern- und Gedenkortes konnte verbessert werden. So gibt es dort inzwischen virtuelle Brillen, mit denen der Innenraum der ehemaligen Eschweger Synagoge wieder besichtigt werden kann. Über seine Aktivitäten berichtet der Verein auch mit eigenen Seiten auf Facebook, bei Instagram, Youtube und Twitter sowie über die Internetseite www.synagoge-abterode.de. Ganz neu: Marie-Christin Krüger hat mit Hilfe der App „Actionbound“ eine virtuelle „Schnitzeljagd“ durch das jüdische Abterode entwickelt. Ausführlich diskutiert wurde über die Möglichkeiten zur Erhaltung der Synagoge in Harmuthsachsen, die leider vom Verfall bedroht ist. Die Mitgliederversammlung ermutigte den Vorstand, weiter am Ball zu bleiben und sich für die Rettung der Synagoge einzusetzen.

  7. Einladung zu einer Mitgliederversammlung am 1. September

    Liebe Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis,

    im Namen des Vorstands lade ich Sie ein zu einer Mitgliederversammlung unseres Vereins am Mittwoch, dem 1. September 2021, um 18.00 Uhr auf den Pfarrhof in Abterode (Platz zwischen Kirche, Pfarrhaus und Gemeindehaus). Sollte das Wetter eine Veranstaltung im Freien nicht zulassen, können wir kurzfristig in die geräumige Kirche nebenan ausweichen. Im Freien ist wegen der Corona-Situation auf Abstand zu achten. Am Platz ist jedoch keine Maske erforderlich.

    Auf der Tagesordnung stehen folgende Themen:

    1. Bericht über die Arbeit des Vereins (Vorstandsmitglieder)
    1. Kassenbericht (Friedhelm Junghans)
    1. Prüfung und Genehmigung des Rechnungsabschlusses für das Rechnungsjahr 2020 und Entlastung des Vorstandes
    1. Erhaltung der Synagoge in Harmuthsachsen
    1. Verschiedenes

    Der Vorstand bittet um eine Anmeldung zur Mitgliederversammlung, damit wir entsprechend viele Sitzplätze vorhalten und die Versammlung vorbereiten können.

    Abterode ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Um 17.32 Uhr fährt Bus 290 (Richtung Hessisch Lichtenau) von Busbahnsteig D am Eschweger Stadtbahnhof ab und kommt um 17.43 Uhr in Abterode (Haltestelle Sparkasse) an. Für die Rückfahrt besteht eine Mitfahrgelegenheit.

    Mit freundlichem Gruß

    Dr. Martin Arnold

  8. Von Jerusalem nach Abterode

    Ophir Münz-Manor, außerordentlicher Professor für Geschichte, Philosophie und Judaistische Studien an der Open University of Israel in Jerusalem, besuchte im Rahmen eines Deutschlandaufenthalts auch den Lern- und Gedenkort für jüdisches Leben im Werra-Meißner-Kreis in der Synagoge Abterode. Er ist Spezialist für jüdische Liturgie und liturgische Poesie der Spätantike und des frühen Mittelalters. Unter anderem hat er sich mit der berühmten „Geniza“ der Ben-Esra-Synagoge in Kairo beschäftigt, die rund 200.000 Schriftstücke aus der Geschichte des Judentums seit dem 9. Jahrhundert enthält. Dort hatte man während Renovierungsarbeiten in einem abgesonderten Hohlraum unter dem Dach, der nur über eine Leiter zu erreichen war, rund 200.000 Schriftstücke aus der jüdischen Geschichte entdeckt. Auch in Abterode war 1988 auf dem Dachboden der Synagoge eine „Geniza“ entdeckt worden, die Prof. Münz-Manor nun in Augenschein nahm. Er zeigte sich beeindruckt von den Funden in der Dorfsynagoge Abterode, insbesondere von einer Pergamenthandschrift des Buches Esther und einem Thora-Wimpel aus dem 18. Jahrhundert. Die zahlreichen Bücher, die in der „Geniza“ gefunden worden, konnte er trotz des schlechten Erhaltungszustandes schnell identifizieren und zuordnen. Dr. Martin Arnold konnte ihm auch berichten, dass jüdische Gelehrte aus Abterode im 17. und 18. Jahrhundert theologische Bücher in Frankfurt und Amsterdam veröffentlichten. Für den Gast aus Jerusalem war es eine besondere Freude, auch ein Plakat mit dem bekannten Segensspruch „Nächstes Jahr in Jerusalem“ mit Abbildungen des Felsendoms und des Davidgrabes zu sehen. Das Plakat stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert.

     

  9. Die Zehn Thesen von Seelisberg aus dem Jahr 1947: Eine Neubestimmung des Verhältnisses von Christen und Juden

    Das Erschrecken über den Holocaust und die Mitverantwortung der Kirchen für den Antisemitismus veranlasste eine Internationale Konferenz von Christen und Juden, die vom 30.07. bis 05.08.1947 in Seelisberg (Schweiz) stattfand, eine „Botschaft an die Kirchen“ zu richten. Darin wird das Verhältnis von Christen und Juden neu bestimmt.

    1. Es ist hervorzuheben, dass ein und derselbe Gott durch das Alte und das Neue Testament zu uns allen spricht.
    2. Es ist hervorzuheben, dass Jesus von einer jüdischen Mutter aus dem Geschlechte Davids und dem Volke Israels geboren wurde, und dass seine ewige Liebe und Vergebung sein eigenes Volk und die ganze Welt umfasst.
    3. Es ist hervorzuheben, dass die ersten Jünger, die Apostel und die ersten Märtyrer Juden waren.
    4. Es ist hervorzuheben, dass das höchste Gebot für die Christenheit, die Liebe zu Gott und zum Nächsten, schon im Alten Testament verkündigt, von Jesus bestätigt, für beide, Christen und Juden, gleich bindend ist, und zwar in allen menschlichen Beziehungen und ohne jede Ausnahme.
    5. Es ist zu vermeiden, dass das biblische und nachbiblische Judentum herabgesetzt wird, um dadurch das Christentum zu erhöhen.
    6. Es ist zu vermeiden, das Wort „Juden“ in der ausschließlichen Bedeutung „Feinde Jesu“ zu gebrauchen oder auch die Worte „die Feinde Jesu“, um damit das ganze jüdische Volk zu bezeichnen.
    7. Es ist zu vermeiden, die Passionsgeschichte so darzustellen, als ob alle Juden oder die Juden allein mit dem Odium der Tötung Jesu belastet seien. Tatsächlich waren es nicht alle Juden, welche den Tod Jesu gefordert haben. Nicht die Juden allein sind dafür verantwortlich, denn das Kreuz, das uns alle rettet, offenbart uns, dass Christus für unser aller Sünden gestorben ist.
    8. Es ist zu vermeiden, dass die Verfluchung in der Heiligen Schrift oder das Geschrei einer rasenden Volksmenge: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“ behandelt wird, ohne daran zu erinnern, dass dieser Schrei die Worte unseres Herrn nicht aufzuwiegen vermag: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, Worte, die unendlich mehr Gewicht haben.
    9. Es ist zu vermeiden, dass der gottlosen Meinung Vorschub geleistet wird, wonach das jüdische Volk verworfen, verflucht und für ein ständiges Leiden bestimmt sei.
    10. Es ist zu vermeiden, die Tatsache unerwähnt zu lassen, dass die ersten Mitglieder der Kirche Juden waren.

     

  10. Synagoge Abterode in der engeren Auswahl für den Hessischen Denkmalschutzpreis 2021

    Eine 14 Mitglieder umfassende Jury mit Fachleuten aus dem Bereich des Denkmalschutzes besuchte die ehemalige Synagoge in Abterode. Sie wollte sich einen unmittelbaren Eindruck verschaffen von den Restaurationsarbeiten in der Synagoge und der Einrichtung eines Lern- und Gedenkortes für jüdisches Leben dort. Andrea Röth berichtete, dass der Verein „Aufwind“ mit der Einrichtung eines Lebensmittelladens in der Synagoge nicht nur die Nahversorgung im Meißnervorland sichergestellt habe, sondern auch einige Arbeitsplätze für Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen entstanden seien. Martin Arnold von den „Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ hob die Verantwortung hervor, die mit der Nutzung einer ehemaligen Synagoge verbunden sei. Die Synagoge sei inzwischen nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch der Begegnung mit heutigem jüdischem Leben geworden. Bürgermeister Friedhelm Junghans erinnerte daran, dass es einst 14 jüdische Gemeinden in der Region Werra-Meißner gegeben habe. Die Synagoge Abterode sei zu einem zentralen Lern-, Gedenk- und Begegnungsort für die Region geworden. Der Pädagoge Ludger Arnold stellte die Kooperation mit den Schulen in der Region vor. Es gelte, insbesondere Kindern und Jugendlichen Respekt vor jüdischem Leben zu vermitteln und dem wachsenden Antisemitismus zu begegnen. Schließlich erläuterten Architekt Hans-Peter Schubert und der Geschäftsführer der „stellenwert.gmbh“ Rolf Eckhardt, der das Projekt von Anfang an begleitet hat, die Bau- und Restaurationsarbeiten in der Synagoge.

    Die Jury unter Leitung von Prof. Dr. Markus Harzenetter zeigte sich beeindruckt von der geleisteten Arbeit. Sie ist auf einer zweitägigen Rundreise durch ganz Hessen zu beispielhaften Projekten des Denkmalschutzes. Der Hessische Denkmalschutzpreis wird am 15. September in Wiesbaden verliehen.

     

    Der Hessische Denkmalschutzpreis wird seit 1986 jährlich vergeben. Er wird Privatpersonen, bürgerschaftlichen Initiativen oder Körperschaften verliehen. Mit der Auszeichnung würdigt die Hessische Landesregierung vorbildliches Engagement in der Denkmalpflege.

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