Aktuelles

  1. Jüdisches Leben im Meißnervorland

    Die Landfrauen aus Frankenhain besuchten die Synagoge in Abterode. Arnold Baier und Martin Arnold von den „Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens“ informierten über die Geschichte und das Leben der jüdischen Gemeinden in Frankershausen und in Abterode. Beide Gemeinden entstanden im 17. Jahrhundert und teilten sich einen gemeinsamen Friedhof. Nach jahrhundertelanger Diskriminierung erlangten sie im 19. Jahrhundert gleiche Rechte. Es entstanden öffentliche Synagogen und Schulen, Juden wurden Mitglieder in den Gemeindeparlamenten und Vereinen, waren beruflich sehr erfolgreich und konnten sich ihren Wohnort frei wählen. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich überrascht von der noch original erhaltenen Bemalung der Wände und der Decke in der prächtigen Abteröder Synagoge. Auch besondere Ausstattungsstücke wie eine Pergamentrolle, Thora-Mäntel und ein Thora-Wimpel fanden großes Interesse. Zur Sprache kam aber auch der Antisemitismus in den Dörfern, der auf die Vertreibung der Juden abzielte. Erschüttert waren die Besucherinnen und Besucher von der langen Liste der 40 Menschen aus Frankershausen, die im Holocaust ums Leben kamen. Wie konnte es dazu kommen? „Gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Menschen andere ausgrenzen, verfolgen und gegen sie hetzen, ist es uns wichtig, ein Zeichen unserer Solidarität zu setzen“, sagte die Vorsitzende Susanne Schäfer. „Nur wenn Menschen einander respektieren, vertrauen und wertschätzen, kann eine Gesellschaft sich gegenseitig bereichern.“ Mit einer Spende unterstützen die Landfrauen die Arbeit der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens.

  2. Jüdische Schicksale der kleinen Leute

    Tewje lebt als armer, aber gottesfürchtiger Milchmann mit seiner Frau Golde und ihren sieben Töchtern im Dorf Anatevka im zaristischen Russland. Er ist ein einfacher Jude ohne höhere Bildung, dennoch bewandert in Tora, Talmud und Midrasch. Er schmückt seine Erzählungen ständig – oft komisch verballhornt – mit passenden Bibelzitaten und führt ein permanentes, respektvoll-freches Zwiegespräch mit Gott, hadert mit seinem Schicksal, bleibt aber trotz aller Schicksalsschläge fest im Glauben verwurzelt.

    Tewje ist die zentrale Figur einer Serie von acht Erzählungen, die Scholem Alejchem (1859–1916) zwischen 1894 und 1916 verfasste. Ihn wählte der Pianist, Dirigent und Musikwissenschaftler Dr. Roman Salyutov als ein jüdisches Beispiel für das Schicksal der kleinen Leute im zaristischen Russland. Die Lesungen wurden vertieft durch Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Gustav Mahler und Viktor Ullmann mit Roman Salyutov am Klavier und Agnes Grube an der Oboe. Im Gespräch mit dem Publikum ergaben sich interessante Einblicke in das Leben des osteuropäischen Judentums, mit dem in Deutschland nur wenige vertraut sind. Dr. Martin Arnold dankte den beiden Musikern im Namen der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens für die gelungene Verbindung von Literatur und Musik. „Danke auch dem Werra-Meißner-Kreis, der die Veranstaltung durch das Programm ‚AllerLand‘ gefördert hat“, so Arnold. „So können wir jüdische Kultur auch wieder in Harmuthsachsen erleben.“ Mit etwa 70 Besucherinnen und Besuchern war die Synagoge bis auf den letzten Platz besetzt. Die Reihe der Konzerte in der Synagoge wird am 21. August mit einer weiteren Veranstaltung fortgesetzt.

  3. Erst Synagoge, dann Mohnblüte

    Werner Ewald ist evangelischer Pfarrer in Niederaula und Kerspenhausen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg). Doch aufgewachsen ist er in Harmuthsachsen. Dort engagierten sich schon seine Eltern sehr früh für den Erhalt der Synagoge. Und sie pflegten Kontakte mit den Überlebenden des Holocaust.

    Jetzt war Ewald mit einer großen Gemeindegruppe zu Besuch in Harmuthsachsen. Dr. Martin Arnold, Ludger Arnold und Arnold Baier informierten die Besucherinnen und Besucher über die jüdische Geschichte Harmuthsachsens und die Bemühungen um den Erhalt der Synagoge und ihrer Nebengebäude. Die Gäste zeigten sich beeindruckt von der Initiative und von der neuen Innengestaltung der Synagoge. Ludger Arnold erläuterte die gerade neu erfolgte Rekonstruktion des Fußbodens im Tora-Bereich der Synagoge.

    Der Besuchergruppe angeschlossen hatte sich auch Ruth Bar-Ilan aus Israel, deren Vorfahren aus Eschwege stammen. Sie ist gerade zu Besuch in Deutschland und verfolgt die Arbeit der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens mit großem Interesse. Nach dem Besuch der Synagoge ging es weiter zu den Mohnfeldern nach Germerode.

  4. Klezmer-Festival in Blankenbach

  5. Jüdisches Leben heute

    Sie studieren Geschichte und möchten Lehrer werden. An diesem Tag sind sie aber nicht an der Uni, sondern in der Kleinstadt Felsberg im Schwalm-Eder-Kreis. Die Luft duftete nach Lindenblüten, nach Sommer, nach Leben und Frieden. Eine Gruppe von Studierenden der Universität Kassel besuchte mit ihren Dozenten Dr. Luigi de Ambrosia und Dr. Martin Arnold die Synagoge in Felsberg. Dort wurden sie von Annette und Christopher Willing als Gäste begrüßt. Annette Willing ist Kantorin der liberalen Gemeinde in Felsberg, Christopher Vorsitzender des Vereins zur Rettung der Synagoge Felsberg. Beide informierten die Studenten nicht nur über die wechselvolle Geschichte der Felsberger Synagoge, sondern auch über die jüdische Gemeinde, die dort heute ihre Gottesdienste feiert. Anhand zweier Thora-Rollen erläuterte Annette Willing die Praxis der Lesung aus der Thora im Gottesdienst. „Judentum hat eben nicht nur eine lange Geschichte, sondern ist auch lebendige Gegenwart“, sagte Martin Arnold. Die Studenten waren begeistert: „Solche außerschulischen Lernorte bieten besondere Lernmöglichkeiten.“

  6. Einer der ältesten jüdischen Friedhöfe in Hessen

    Trotz regnerischen Wetters waren 43 Personen zu einer Führung über den jüdischen Friedhof in Wanfried erschienen. „Es ist einer der ältesten Friedhöfe in Hessen“, erläuterte Dr. Martin Arnold von den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis. In Wanfried entstand schon um das Jahr 1600 eine jüdische Gemeinde, die zeitweise fast 7% der Wanfrieder Bevölkerung ausmachte. In dieser Zeit wurde auch der Friedhof angelegt, weit abgelegen von der Stadt. Arnold informierte über Besonderheiten der jüdischen Bestattungskultur und ihre Veränderung im 19. Jahrhundert, über Emanzipation, Assimilation und Ausgrenzung. Die letzte Bestattung fand im Jahr 1936 statt. Das jüdische Leben in Wanfried wurde durch den Nationalsozialismus ausgelöscht. „Wir können die Taten früherer Generationen nicht ungeschehen machen“, so Arnold, „doch wir müssen die Erinnerung bewahren und dafür sorgen, dass Ausgrenzung und Diskriminierung nie wieder unser Zusammenleben bestimmen.“

  7. Jugendliche arbeiten an der ehemaligen Synagoge in Harmuthsachsen

    „Man sieht, dass man was Vernünftiges gemacht hat!“, sagte ein Jugendlicher erschöpft, aber zufrieden am Ende des Vormittags. Sechs Jugendliche waren mit ihrem Lehrer Hendrik Vogt  nach Harmuthsachsen gekommen, um dort kräftig mit anzupacken.  Im Rahmen der entstehenden Kooperation zwischen der Anne-Frank-Schule in Eschwege und dem Verein der „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ bot dieser Arbeitseinsatz den Hauptschülern die Möglichkeit, Geschichtsunterricht einmal anders zu erleben.

    Ludger Arnold, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, führte die Gruppe durch die Synagoge, das ehemalige Lehrerhaus und das Vorderhaus, erläuterte die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Harmuthsachsen und gab er einen Ausblick, wie die Gebäude einmal genutzt werden sollen.

    Kraftvoll und mit Elan machten sich die Jugendlichen daran, große herumliegende Sandsteine ordentlich aufzusetzen, Gras zu mähen, eine Hecke zu schneiden und einen wuchernden Efeu deutlich zurückzuschneiden. Daneben wurde auch noch Bauschutt aus dem Vorderhaus entsorgt. Schnell war eine deutliche Veränderung zu sehen! Der Arbeitseinsatz der Jugendlichen half, die nächsten Maschineneinsätze vorzubereiten. Mit kleinen Schritten, aber kontinuierlich geht die Wiederherrichtung des gesamten Komplexes weiter.

    Mit einem kleinen Imbiss endete der Vormittag. „Das hat richtig Spaß gemacht!“, fasste einer der Jungen die Meinung der Gruppe zusammen.

  8. Tanztheater zum Leben Anne Franks in Harmuthsachsen

    „Das ging unter die Haut“, sagte eine Besucherin nach der Aufführung des Tanztheaters „Laborinth“. Unter dem weit ausladenden Blätterdach der Linden auf dem Dorfanger in Harmuthsachsen hatten sich rund 80 Menschen versammelt, um eine außergewöhnliche Tanzperformance zu erleben. Im Mittelpunkt stand das Schicksal des jungen jüdischen Mädchens Anne Frank – eine Darbietung, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer tief berührte und noch lange nachwirken wird.

    Anne Frank, 1929 in Frankfurt am Main geboren, floh 1933 mit ihrer Familie vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Amsterdam. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande lebte die Familie ab 1942 im Versteck eines Hinterhauses an der Prinsengracht. Dort entstand ihr weltberühmtes Tagebuch, in dem Anne ihre Gedanken, Ängste, Hoffnungen und Erlebnisse im Untergrund festhielt. Im August 1944 wurde das Versteck entdeckt; die Familie wurde deportiert. Anne Frank starb Anfang 1945 im Alter von nur 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihr Tagebuch, nach dem Krieg von ihrem Vater veröffentlicht, wurde zu einem der eindringlichsten Zeugnisse der nationalsozialistischen Judenverfolgung.

    Dieser bewegenden Lebensgeschichte widmete sich das Tanztheater „Laborinth“ in einer ebenso sensiblen wie eindrucksvollen Inszenierung. Jugendliche und Erwachsene hatten das anspruchsvolle Stück gemeinsam unter der Leitung der Tanzpädagogin Christina Aehle entwickelt. „Wir möchten Anne Frank als Menschen zeigen“, erklärte sie. „Uns Heutigen stellt sich die Frage: Was für ein Mensch will ich sein?“

    Mit ausdrucksstarken Choreografien, berührenden Textpassagen, stimmungsvoller Musik, Puppenspiel (Steven Ritz-Barr) und eindrucksvollen Bildsequenzen schuf die Gruppe ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk. Besonders die junge Mathilda verlieh der kindlichen Anne Frank eine beeindruckende Präsenz und ließ ihre Lebensfreude, Neugier und Verletzlichkeit auf bewegende Weise sichtbar werden.

    Zum Abschluss dankte Dr. Martin Arnold von den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens der Tanzgruppe für ihren eindrucksvollen Auftritt. Sein Dank galt ebenso dem Heimatverein sowie der Kirchengemeinde Harmuthsachsen, die die Veranstaltung organisatorisch und logistisch unterstützt hatten. So wurde der Dorfanger an diesem Abend zu einem Ort des Erinnerns, des Nachdenkens und der Begegnung.

  9. Weidenhäuser Vereine wanderten zur Synagoge in Abterode

    Weidenhausen ist ein Nachbarort von Abterode. Mitglieder verschiedener Weidenhäuser Vereine nutzten nun das gute Wetter für eine Wanderung nach Abterode. Die ehemalige Synagoge in Abterode hatte bis dahin noch niemand besucht. „Sie ist auch erst seit 2019 öffentlich zugänglich“, sagte Dr. Martin Arnold, der gemeinsam mit Arnold Baier die Wandergruppe begrüßte. Die Gäste informierten sich über die lange Geschichte jüdischen Lebens in Abterode. „Warum gab es eine jüdische Gemeinde in Abterode, aber nicht in Weidenhausen?“ Die Ansiedlung von Juden wurde im 17. Jahrhundert durch die Landesherrschaft gesteuert, die sogenannte „Schutzbriefe“ nur für einige wenige Orte ausstellte. Die Besuchergruppe war beeindruckt von den Spuren jüdischen Lebens in der ehemaligen Synagoge. Ein besonderes Erlebnis waren die virtuellen Brillen, die Einblicke in die Eschweger Synagoge und die ehemalige Abteröder Mikwe ermöglichen. Die Zeit verging wie im Flug. „Kommen Sie gern wieder“, so Martin Arnold, „es gibt hier noch viel zu entdecken.“

  10. Juden und Christen aus Fulda besuchen Synagoge Abterode

    Die „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ aus Fulda ging auf eine ganztägige Entdeckungsreise. Am Vormittag besuchte sie die liberale Jüdische Gemeinde in Felsberg (Schwalm-Eder-Kreis), am Nachmittag die ehemalige Synagoge in Abterode. Zur Gruppe gehörten auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Fulda, deren Muttersprache Russisch ist und die erst vor einigen Jahrzehnten nach Deutschland gekommen waren. Dr. Martin Arnold und Arnold Baier informierten über die lange und wechselvolle Geschichte der jüdischen Gemeinde und der Synagoge in Abterode, aber auch über die Arbeit der „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“. Die Gäste waren beeindruckt von den zahlreichen Zeugnissen jüdischen Lebens aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als Juden noch keine Bürgerrechte hatten. Auch die Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus kam zur Sprache. „Nach jahrhundertelangem Gegeneinander und Nebeneinander brauchen wir jetzt ein von Respekt und Toleranz geprägtes Miteinander“, sagte Martin Arnold. Wolfgang Link dankte im Namen der Fuldaer Gäste für einen interessanten Nachmittag.

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