Aktuelles

  1. Jugendliche suchen jüdische Spuren in Nordhessen

    Bist Du dabei? Die Jüdisch-Liberale Gemeinde „Emet weSchalom“ (Felsberg) und die „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ (Abterode) suchen etwa 30 Jugendliche im Alter von 14 bis 27 Jahren, die Lust haben, sich die wiedereröffnete Synagoge in Felsberg-Gensungen anzuschauen und die ehemalige Synagoge in Abterode zu besuchen.

    Zu den beiden Terminen, Samstag, 10. Dezember (Abterode), und Sonntag, 18. Dezember (Felsberg), werden jeweils ca. ein Dutzend Jugendlicher aus den Kreisen „Schwalm-Eder“, „Werra-Meißner“ und „Hersfeld-Rotenburg“ eingeladen. Koordinator Volker Brückner (Bebra) und die lokalen Kooperationspartner machen die Jugendlichen neugierig auf diesen wichtigen Teil der hessischen Geschichte.

    Im „Lernort Synagoge Abterode“ greifen die Teilnehmer auf vielfältige, auf sie zugeschnittene Lernangebote zu und die jüdische Geschichte, Kultur und Religion aus der Region Werra-Meißner wird – teils mit VR-Brillen und Tablets – neu erlebt. Anhand von originalen Gegenständen jüdischen Lebens aus der Region und unterstützt durch diese digitalen Medien können die Jugendlichen Entdeckungen machen über Gemeinden, Synagogen und Friedhöfe, über jüdische Feste, Diskriminierung und Emanzipation von Juden.

    Aus allen drei Kreisen nehmen auch bis zu jeweils 6 Ehrenamtliche an den Tagestouren teil. Die Neugier der Jugendlichen soll noch gesteigert werden durch das Motto der von und mit ihnen anzufertigenden Dokumentation „Jugendliche suchen Spuren in Nordhessen“, bei der sie aktiv in die Dreharbeiten des Videos eingebunden werden.

    Die Angebote sind kostenlos und beinhalten Fahrtkosten, Verpflegung und Arbeitsmaterialien. Das Projekt wird gefördert von

    Infos über die geplanten Abläufe an den beiden Aktionstagen und Anmeldungen:

    Projektkoordinator Volker Brückner, Mobil: 0157 5578 5593, Mail: volkerbrueckner@googlemail.com

  2. Musik und Lyrik jüdischer Künstlerinnen und Künstler aus dem Konzentrationslager Theresienstadt

    Drei junge Musikerinnen brachten in der Marktkirche Eschwege Musik jüdischer Komponisten aus dem Konzentrationslager Theresienstadt zu Gehör. Hanna-Maria Bormuth (Bratsche), Alma-Magdalena Staemmler (Cello) und Elsa-Johanna Staemmler (Klavier und Violine) interpretierten Kompositionen von Karel Reiner, Zikmund Schul, Gideon Klein und Ernst Toch. Ergänzt wurde die Musik durch Gedichte von Ilse Weber und Erich Fried, die Dr. Daniel Bormuth vortrug. „Sehr bewegend, berührend und ausdrucksstark“, sagte Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost in ihren Dankesworten.

    Das Lager Theresienstadt sollte der Welt vorgaukeln, dass die Juden dort ein sorgenfreies Leben führen könnten. Tatsächlich gingen etwa 155 000 Männer, Frauen und Kinder durch das Theresienstädter Ghetto. Etwa 35 000 von ihnen starben direkt in Theresienstadt, weitere 83 000 Häftlinge kamen nach der Deportation aus Theresienstadt in Vernichtungslagern, in Arbeitslagern und auf Todesmärschen gegen Ende des Krieges um. „Dennoch tat die Kultur den Häftlingen gut, weil sie dabei halfen, die Hoffnung und den Glauben an eine bessere Zukunft aufrecht zu erhalten“, so Alma Magdalena Staemmler, die sich auch in einer wissenschaftlichen Hausarbeit mit dem Thema beschäftigt hatte. Zu der Veranstaltung eingeladen hatten das Evangelische Forum Werra-Meißner und die „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“.

  3. Erinnern in Wort und Ton

    Einladung zu einem besonderen Konzert am kommenden Sonntag, dem 13. November, um 17.00 Uhr in der Marktkirche in Eschwege: Junge Künstlerinnen werden Musik und Lyrik von Künstlern und Künstlerinnen aus dem Konzentrationslager Theresienstadt vortragen.

     

  4. „Niemand hat Mitleid mit dem Judengesindel.“

    Das sagte eine Frau, die im Jahr 1938 in unmittelbarer Nachbarschaft zur Witzenhäuser Synagoge lebte und den Pogrom miterlebte. Die Aussage dürfte typisch sein für viele, die an den Pogromen gegen Juden entweder mitwirkten oder ihnen gleichgültig gegenüberstanden.

    Über den Pogrom gegen Jüdinnen und Juden in Witzenhausen am 8. und 9. November 1938 gibt es mehrere Augenzeugenberichte und viele weitere amtliche Unterlagen. Auszüge aus diesen Quellen wurden bei einem Rundgang verlesen, zu dem der Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis eingeladen hatte. Etwa 150 Menschen nahmen an der Gedenkveranstaltung teil.

    Laura Wallmann und Martin Arnold vom Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens informierten über den antisemitischen Kontext, in dem die Pogrome standen. Schülerinnen und Schüler der Johannisbergschule in Witzenhausen lasen Berichte von Personen, die die Pogrome als Augenzeugen miterlebt haben. Winfried Wolf und Patrizia Noll setzen mit sorgfältig ausgewählten musikalischen Beiträgen einen besonderen Akzent.

    Was folgt aus dem Gedenken und der Erinnerung an die Geschehnisse 1938? „Heute dürfen wir nicht schweigen“, so Martin Arnold. „Weil Rechtsextremismus, Rassismus und damit Hass gegen Jüdinnen und Juden immer wieder neu aufflammen. Ob in Anschlägen auf Synagogen, bei physischer Gewalt gegen Menschen, die sich durch ihre Kleidung als Juden zu erkennen geben, oder durch antisemitische Propaganda auf der „documenta fifteen“. Alle sind verantwortlich, konsequent dagegen anzukämpfen. Jede und jeder ist gefragt, sei es im Alltag, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Sportverein, oder in den sozialen Medien. Es ist notwendiger denn je, seine Stimme zu erheben, wo immer sich Hass äußert, egal ob gegen Jüdinnen und Juden, Christinnen und Christen oder Muslime, ob wegen Herkunft, Obdachlosigkeit oder sexueller Orientierung, aus welchem Grund auch immer.“

  5. Woher kam der Hass auf die Juden?

    Landfrauen aus Abterode besuchen die ehemalige Synagoge am Ort

    Woher kam der Hass auf die Juden? Diese Frage stand im Zentrum bei einem Besuch der Landfrauen in der ehemaligen Synagoge in Abterode. Dr. Martin Arnold, Vorsitzender der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis, informierte über die jahrhundertelange Geschichte der jüdischen Gemeinde in Abterode, die in der Zeit des Nationalsozialismus ein jähes Ende fand. Die Synagoge wurde 1938 verwüstet, die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner des Ortes vertrieben. Wer nicht fliehen konnte, wurde schließlich in ein Konzentrationslager gebracht. Nur ganz wenige, wie etwa Gisela Stern, überlebten.

    Arnold verwies auf die jahrhundertelangen christlichen Vorurteile gegen die jüdische Minderheit, etwa dass sie Jesus umgebracht hätten oder christliche Kinder töteten, um ihr Blut zu trinken. „Aus dieser schlimmen Tradition erwächst heute eine besondere Verantwortung, jüdisches Leben sachgemäß darzustellen“, so Arnold. Daneben seien auch der Neid auf den Erfolg von Juden und die Chance, sich an jüdischem Eigentum zu bereichern, wichtige Treiber des Antisemitismus gewesen.

  6. Edward und Judi Stein zu Ehrenmitgliedern berufen

    Der Vorstand der „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ hat Edward und Judi Stein (Needham / USA) zu Ehrenmitgliedern berufen. Beide hatten im September eine Woche lang Eschwege besucht. In vielen Begegnungen, unter anderem mit Schülerinnen und Schülern der Adam-von-Trott-Schule Sontra und des Oberstufengymnasiums Eschwege, kamen sie mit Menschen über jüdisches Leben ins Gespräch und lernten die Arbeit des Vereins kennen. Edward Stein hat sich auch wissenschaftlich mit dem Lager für „Displaced Persons“ in Eschwege beschäftigt, in dem er selbst im Jahr 1947 geboren wurde. „Die Ehrenmitgliedschaft soll zum Ausdruck bringen, dass wir auch über weite Entfernungen hinweg verbunden sind als Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart“, sagte Dr. Martin Arnold, der Vorsitzende des Vereins. „Wir sind zutiefst gerührt, dass uns eine solche Ehre zuteilwird“, antworteten Judi und Edward Stein. „Vielleicht werden wir eines Tages wieder den Weg nach Eschwege finden.“

  7. Konfirmandinnen und Konfirmanden entdecken jüdisches Leben

    Die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Auferstehungskirchengemeinde in Eschwege besuchten die ehemalige Synagoge in Abterode. Martin Arnold vom Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis erzählte den Jugendlichen von der Geschichte der Synagoge und der jüdischen Gemeinde in Abterode. Die Mädchen und Jungen entdeckten die Besonderheiten des Raumes im Vergleich zu einer Kirche. Im Mittelpunkt stand die Bedeutung der „Thora“ (Weisung Gottes) für das Judentum. „Uns verbindet viel mehr mit dem Judentum als viele meinen“, sagte Arnold. „Aber es gibt auch wichtige Unterschiede, etwa den Glauben an Jesus Christus, die Beschneidung der Jungen oder das koschere Essen.“

  8. Ehemalige Synagoge in Meißner-Abterode ist „Denkmal des Monats“

    Die ehemalige Synagoge in Meißner-Abterode hat eine bewegte Geschichte: Von den Nationalsozialisten wurde sie geschändet, später mehrfach umgebaut; die ursprüngliche Nutzung ging verloren. Die Vereine „Aufwind – Verein für seelische Gesundheit e.V.“ und „Freundinnen und Freunde des jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ haben aus dem Gotteshaus einen Lern- und Gedenkort für jüdisches Leben gemacht. Dieses Engagement wird nun gewürdigt: Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn hat das Haus heute als „Denkmal des Monats“ ausgezeichnet und 1.000€ Preisgeld an die Mitglieder überreicht.

    „Die jüdische Vergangenheit in Deutschland zu bewahren, ist keine einfache Aufgabe. Ihre baukulturellen Spuren gingen oft verloren, wurden zerstört oder umgenutzt und die Erinnerungen an diese Taten vergessen und verdrängt. Der Treffpunkt in der ehemaligen Synagoge macht jüdische Geschichte wieder sichtbar und verankert soziales Engagement in historischen Mauern“, so Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Mit ihrer Arbeit tragen die Mitglieder der beiden Vereine entscheidend dazu bei, ein herausragendes Zeichen gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewaltherrschaft zu setzen. Wir können und dürfen die Beschäftigung mit unserer Vergangenheit nicht für beendet erklären unter Verweis darauf, dass ja nun längst alles gesagt sei. Ganz im Gegenteil: Was historische Verantwortung bedeutet, muss auch mit Blick auf die jeweilige Gegenwart immer wieder aufs Neue erarbeitet werden. Ich danke den Vereinen herzlich für ihre Arbeit und gratuliere zur Auszeichnung.“

    Dr. Martin Arnold dankte im Namen der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis für die Auszeichnung: „Sie ist Anerkennung für unsere Arbeit und eine Ermutigung, die Spuren jüdischen Lebens zu erhalten und zugänglich zu machen.“ Konkret engagiere sich der Verein gerade für den Erhalt der vom Verfall bedrohten Synagoge in Harmuthsachsen. Er bat die Ministerin um Unterstützung für dieses Vorhaben.

    Die Synagoge in Abterode wurde 1871 erbaut. Während des Novemberpogroms 1938 vernichteten die Nazis die Inneneinrichtung. Danach diente das Haus als Lagerraum und in den 1990er Jahren als Bankfiliale. Große Teile der Baustruktur und des Raumgefühls gingen verloren, ehe sich die Vereine „Aufwind – Verein für seelische Gesundheit e.V.“ und die „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ des Gebäudes annahmen. Im Erdgeschoss richteten sie einen Laden ein, der Menschen mit Behinderungen Arbeitsplätze bietet. Im Obergeschoss konnten faszinierende Vasen- und Rankenmalereien, Davidsterne in den Deckenfeldern sowie Schablonenmalereien an den Wänden gesichert und gereinigt werden; sie vermitteln einen authentischen Eindruck der ehemaligen Synagoge. Heute entdecken die Besucherinnen und Besucher dort Schriften, Gebetbücher und rituelle Gegenstände. Zudem gibt es Lernangebote zu jüdischen Festen, Alltagsleben, Erinnerungskultur und Antisemitismus.

    Hintergrund „Denkmal des Monats“:
    Die im Juni 2018 erstmals verliehene Auszeichnung „Denkmal des Monats“, die mit
    1.000 Euro dotiert ist, können Personen, Initiativen oder Körperschaften erhalten. Sie
    sollen sich bei der Erhaltung ihrer Denkmäler in besonderer Weise verdient gemacht
    haben. Vorgestellt werden denkmalpflegerische Maßnahmen, die individuell, mit
    handwerklich-technischer Qualität und besonderem Engagement ausgeführt wurden.
    Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen wählt die Preisträgerinnen und Preisträger
    aus den Bewerbungen für den Hessischen Denkmalschutzpreis aus. Neben dem
    „Denkmal des Monats“ wird auch die Auszeichnung „Museum des Monats“ regelmäßig
    vergeben. Alle ausgezeichneten Objekte kann man auf kunst.hessen.de auf einer
    interaktiven Karte erkunden.

    Fotos: Melanie Salewski

  9. Bericht des Vorstands zur Mitgliederversammlung am 28. September 2022

    Liebe Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis,

    die Arbeit unseres Vereins konnte seit der letzten Mitgliederversammlung am 1. September 2021 erfolgreich fortgesetzt werden. Nach wie vor ist das Interesse am jüdischen Leben in unserer Region groß. Viele Gruppen besuchten der Lern- und Gedenkort in der Synagoge Abterode:

    +            Schülerinnen und Schüler des Oberstufengymnasiums in Eschwege

    +            die Frau-Holle-Schule in Abterode

    +            Konfirmandengruppen aus Eschwege

    +            die Fachkonferenzen Geschichte und Religion der Rhenanus-Schule Bad Sooden-Allendorf

    +            die Fachkonferenzen Geschichte der Friedrich-Wilhelm-Schule und des Oberstufengymnasiums in Eschwege

    +            die Lehrenden im Vorbereitungsdienst für das Lehramt

    +            die Polizei Eisenach

    +            eine Pilgergruppe vom Kloster Germerode

    +            der Rotary-Club Eschwege

    +            die drei Lions-Clubs aus Eschwege, Eschwege-Werratal und Bad Sooden-Allendorf

    +            der Turngau Werra

    +            der Werratal-Verein Sontra

    +            eine Frauengruppe aus Fulda-Bronzell

    +            der Männerkreis Hessisch-Lichtenau

    +            das ganze große Team der Ev. Familienbildungsstätte Eschwege

    +            eine Historiker-Runde

    +            der Deutsch-Israelischen Gesellschaft

    +            … und mehrere Familien und andere Kleingruppen.

    Die Veranstaltungen in der Synagoge wurden gut angenommen:

    +            Eine Szenische Lesung mit Dr. Dieter Vaupel (Gudensberg) und Alida Scheibli, Lesung und Klavier (Felsberg) in der Synagoge Abterode (26.01.2022)

    +            Eine Passionsandacht in der Synagoge Abterode (07.04.2022)

    +            Die „Lädchenfeier“ (10 Jahre Lebensmittelladen in der Synagoge) mit Öffnung des Lern- und Gedenkortes (21.05.2022)

    +            Der „Tag des offenen Denkmals“ in der Synagoge Abterode (11.09.2022)

    Auch Veranstaltungen an anderen Orten des Werra-Meißner-Kreises fanden großen Zuspruch:

    +            das Gedenken an den Novemberpogrom 1938 in Abterode in Form eines Rundgangs (08.11.2021)

    +            Öffentliche Vorstellung des Korbinan-Apfelbaums in Witzenhausen (08.05.2022)

    +            Pfännervortrag in Bad Sooden-Allendorf zur Geschichte der jüdischen Unternehmerfamilie Bodenheim (23.06.2022)

    +            80-jähriges Gedenken an die Deportation 1942 in Eschwege (05.09.2022)

    +            Ein Vortrag von Jakob Baier in der Anne-Frank-Schule Eschwege zum Thema „Antisemitismus in Jugendkulturen – Erscheinungsformen und Gegenstrategien (14.09.2022)

    Die Arbeit des Vereins fand Anerkennung durch die Verleihung des Hessischen Denkmalschutzpreises und durch den Manfred-Schaub-Ehrenamtspreis der SPD. Angesichts der Vielzahl von Veranstaltungen ist es dringend erforderlich, dass wir noch mehr Menschen finden, die uns ehrenamtlich unterstützen. Ein erster Schritt dazu ist die Erweiterung des Vorstands, über die wir nachher beraten werden.

    Die Mitgliederzahl unseres Vereins hat sich im zurückliegenden Jahr leicht erhöht. Der Verein hat jetzt 78 persönliche und 20 institutionelle Mitglieder.

    Der Vorstand des Vereins – Anna Maria Zimmer, Ludger Arnold, Dr. Lutz Bergner, Friedhelm Junghans und ich – hat sich im zurückliegenden Jahr fünf Mal getroffen. Wir versuchen, die Zahl der Sitzungen gering zu halten, weil die Zeit und die Kräfte für andere Projekte benötigt werden. Der bisherige Vorstand, der bei der Gründung im Jahr 2019 gewählt wurde, stellt sich nach drei Jahren zur Wiederwahl. Er braucht aber dringend Verstärkung. Wir schlagen Ihnen dafür heute vier Persönlichkeiten vor, die den Verein schon bisher punktuell unterstützt haben: Melanie Salewski, die dem Vorstand schon angehörte, aber ihre Mitarbeit aus persönlichen Gründen unterbrechen musste, stellt sich wieder als Schriftführerin zur Verfügung. Thomas Bartscher, Arnold Baier und Bernd Helbach kandidieren zusätzlich als Beisitzer. Sie werden sich nachher selbst vorstellen.

    Die Ausstattung des Lern- und Gedenkortes konnte weiter verbessert werden. Wir sind jetzt in der Lage, auch Hybridveranstaltungen durchzuführen, also mit Präsenz in der Synagoge und zugleich für die Teilnahme am heimischen Bildschirm. Durch Thomas Bartscher werden wir dabei technisch unterstützt. Angesichts der Corona-Pandemie, aber auch im Blick auf Interessierte, die weit weg wohnen und sonst den Weg nicht machen würden, eröffnet dies neue Möglichkeiten.

    Die Heizung des Raumes reicht im Winter nicht aus. Der Verein „Aufwind“ – nicht nur unser Vermieter, sondern auch unser engagiertes Mitglied – wird sobald wie möglich eine neue Heizung installieren lassen. Ein Fachrestaurator hat uns eine Fußleistenheizung empfohlen, die den Raum so ausreichend erwärmen kann, dass wir dort auch im Winter Veranstaltungen durchführen können.

    Der Verein ist jedoch nicht auf Abterode begrenzt. Er möchte regelmäßig im ganzen Werra-Meißner-Kreis präsent sein. Deshalb haben wir auch Veranstaltungen in Eschwege, in Witzenhausen oder – am 17. Januar, dem Holocaust-Gedenktag – in Herleshausen.

    Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt war im zurückliegenden Jahr die Frage, wie die ehemalige Synagoge in Harmuthsachsen erhalten werden kann. In jeder Vorstandssitzung haben wir darüber beraten. Leider gibt es noch keinen Durchbruch. Die Synagoge und die ehemalige jüdische Schule in Harmuthsachsen gehören nach wie vor einem privaten Eigentümer, der nichts für die Erhaltung tut und das Betreten des Grundstücks untersagt. Es ist die einzige noch erhaltene Dorfsynagoge im Werra-Meißner-Kreis, die nicht für andere Zwecke genutzt wird. Deshalb appellieren wir an alle Verantwortlichen, mit ihren Möglichkeiten zum Erhalt der Synagoge und des zugehörigen Schulgebäudes beizutragen. Wir haben wiederholt das Gespräch gesucht mit dem Werra-Meißner-Kreis, der Stadt Waldkappel (beide auch institutionelle Mitglieder in unserem Verein), dem Regierungspräsidium, dem Landesamt für Denkmalpflege und Politikerinnen und Politikern aller Parteien. Obwohl unser Anliegen viel Verständnis und Unterstützung findet, konnte bisher noch keine Lösung erzielt werden. Es geht nicht nur um den Erwerb der Synagoge, sondern auch um ihre dauerhafte Unterhaltung. Auf sich allein gestellt wäre unser Verein damit überfordert. Deshalb suchen wir weiter nach einer gemeinsamen Lösung mit Kreis und Stadt.

    Zu den Aufgaben unseres Vereins gehört auch die wissenschaftliche Erforschung jüdischen Lebens im Gebiet des heutigen Werra-Meißner-Kreises. Dankenswerterweise haben wir dabei große Unterstützung durch eine ganze Reihe von Fachleuten der Regionalgeschichte und der Judaistik. Stellvertretend für viele möchte ich hier nur nennen Dr. Karl Kollmann, Hans Isenberg, Thomas Beck, Helmut Schmidt, Mathias Roeper, Dr. Antje Laumann-Kleineberg, Dr. Elisabetta Abate und Prof. Dr. Hans-Jürgen Becker. Mit ihrer Hilfe konnten unsere bisherigen Kenntnisse bedeutend erweitert werden:

    +            Hans Isenberg hat die Quellen zu allen jüdischen Schulen der Region gesucht, ausgewertet und Darstellungen verfasst, die über unsere Datenbank zugänglich sind. Wenn man weiß, dass die jüdischen Lehrer in der Regel auch Vorbeter in der Synagoge, manchmal auch Schächter und Rabbiner waren, ist damit eine einzigartige Übersicht über jüdisches Leben in der Region entstanden.

    +            In den USA haben wir Video-Interviews mit Holocaust-Überlebenden aus Eschwege und Abterode entdeckt, die Aufschluss darüber geben, wie Jüdinnen und Juden die Nazizeit erlebt haben. Einige berichten auch von ihren Erfahrungen, als sie nach der Nazizeit ihre Geburtsorte besuchten.

    +            Das Staatsarchiv in Marburg hat Dokumente (sog. „Ortsbeschreibungen“) aus dem Jahr 1854 digital zugänglich gemacht, die eine vergleichende Betrachtung aller jüdischen Gemeinden in der Region ermöglichen. Es wäre sehr reizvoll, daraus interaktive digitale Karten zu den jüdischen Gemeinden im Gebiet des heutigen Werra-Meißner-Kreises herzustellen.

    Vielleicht gelingt uns das sogar mit Hilfe eines jugendlichen „Digital-Coaches“. Die Landesstiftung „Miteinander in Hessen“ und die Freiwilligenagentur „Omnibus“ fördern das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen, indem diese eine kostenlose Fortbildung zum Umgang mit digitalen Werkzeugen erhalten. Bisher haben sich zwei Jugendliche für die Fortbildung angemeldet. Wir sind ja ein überwiegend digitaler Lern- und Gedenkort in Abterode, mit Datenbank, Tablets, Großbildschirm und virtuellen Brillen. Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Die Technik macht große Fortschritte, die wir für unsere Arbeit nutzen wollen. Auch die Mitarbeit von Erwachsenen ist uns sehr willkommen.

    Bei aller Offenheit für die Nutzung moderner Technik geht es doch immer wieder um Menschen und ihre Lebenswege. Schon 1988 hatte Anna Maria Zimmer eine große Zahl von Holocaust-Überlebenden zu einem Besuch nach Eschwege eingeladen. Seither kommen immer wieder jüdische Überlebende und jetzt auch ihre Kinder zu Besuch. Vor ein paar Tagen besuchte uns Edward Stein mit seiner Frau Judi. Er ist 1947 in Eschwege geboren, in dem Lager für „Displaced Persons“, und dann mit seinen Eltern in die USA ausgewandert. Eigentlich wollte er nie wieder nach Deutschland zurückkehren. Dass er es nun doch getan hat, ist ein mutiger Schritt. Er kam, weil er die Gewissheit hatte, dass wir uns ehrlich der Vergangenheit stellen und dass wir inzwischen „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens“ geworden sind. Das ist ein großes Geschenk und eine wunderbare Erfahrung.

    Ein besonderes Anliegen ist uns die Vernetzung mit anderen Akteuren. Die Unterstützung durch den Verein „Aufwind“ ist nach wie vor großartig. Wir arbeiten gut mit den Schulen und dem Staatlichen Schulamt zusammen. Wir erhalten finanzielle Projektförderungen durch die „Partnerschaft für Demokratie“ im Werra-Meißner-Kreis. Der Lern- und Gedenkort Synagoge Abterode wurde von der „Bundeszentrale für politische Bildung“ in ein Verzeichnis aller deutschen Erinnerungsorte aufgenommen. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Kassel hat unseren Verein als Mitglied aufgenommen. Erwähnen möchte ich auch, dass die Polizeidirektion Eschwege unsere Veranstaltungen begleitet und schützt. Nur gemeinsam mit vielen anderen kann es uns gelingen, Respekt und Toleranz für jüdisches Leben zu bestärken und allen Formen des Antisemitismus entschieden entgegenzutreten.

    Wir möchten den Bericht nicht zu lang ausdehnen. Selbstverständlich können Sie Rückfragen stellen, weitere Themen ansprechen oder Anregungen geben. Doch zunächst: Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

  10. Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens mit verstärktem Vorstand

    Über zahlreiche Besucherinnen und Besucher in der Synagoge Abterode, viele Veranstaltungen und neue Pläne konnte der Vorstand des Vereins der „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ in seiner diesjährigen Mitgliederversammlung berichten. „Dafür brauchen wir mehr Menschen, die im Vorstand mitarbeiten“, sagte Dr. Martin Arnold, der Vorsitzende des Vereins. Der bisherige Vorstand mit Ludger Arnold, Dr. Lutz Bergner, Anna Maria Zimmer, Friedhelm Junghans und Dr. Martin Arnold wurde für die nächsten drei Jahre wiedergewählt. Darüber hinaus werden auch Melanie Salewski, Thomas Bartscher, Bernd Helbach und Arnold Baier dem neuen Vorstand angehören. Der Vorstand möchte künftig die digitalen und kulturellen Angebote des Vereins ausbauen. Auch die Erhaltung der ehemaligen Synagoge in Harmuthsachsen wird ein Schwerpunkt der Arbeit sein.

    Auf dem Foto von links nach rechts: Thomas Bartscher, Arnold Baier, Dr. Martin Arnold, Ludger Arnold, Friedhelm Junghans, Melanie Salewski, Dr. Lutz Bergner und Bernd Helbach. Es fehlt Anna Maria Zimmer.

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