Aktuelles

  1. Gegen Faschismus und für ein solidarisches Miteinander

    Nicola Mai bei ihrem Redebeitrag

    Am 10. Februar 2024 demonstrierten in Witzenhausen etwa 450 Menschen gegen Faschismus und für eine solidarische Gesellschaft. Die Demonstration wurde von einem breiten Bündnis aus der Zivilgesellschaft getragen. Auch die Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens waren beteiligt. Laura Wallmann und Nicola Mai erinnerten daran, dass schon einmal in der Nazizeit Menschen ausgegrenzt, deportiert und vernichtet wurden. Die Correctiv-Recherche hätten gezeigt, dass dieses Denken und Kategorisieren auch in der AfD verbreitet sei und planerisch vorangetrieben werde. Sie riefen dazu auf, es nie wieder dazu kommen zu lassen.

  2. „Bufdis“ von Burg Ludwigstein tauchen ein in jüdische Geschichte

    „Sehr interessante Geschichten und coole VR-Brille!“ „Ich fands super interessant und hab ungelogen eine Menge gelernt!“ „Danke für den tollen Tag heute!“ Das waren einige der Rückmeldungen von Jugendlichen, die auf der Burg Ludwigstein ihren Bundesfreiwilligendienst leisten. Sie hatten sich vier Stunden Zeit genommen, um den Lern- und Gedenkort in der Synagoge Abterode kennenzulernen. „Lernorte, wie diese sind besonders wertvoll, weil es den Zugang über tatsächlich Erlebtes ermöglicht- gerade junge Menschen, die in ihrem Freiwilligendienst aus ganz Deutschland in den Werra-Meißner-Kreis kommen, erfahren so eine Menge über die Orte, die sie umgeben und hinterlassen bleibenden Eindruck“, fügt Katharina Feldmann, Jugendbildungsreferentin der Jugendbildungsstätte Ludwigstein, hinzu.

    Arnold Baier und Martin Arnold von den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens informierten sie über die lange Geschichte der jüdischen Gemeinde in Abterode, die wie so viele andere in der Zeit des Nationalsozialismus ausgelöscht wurde. Woher kommt der Hass auf Juden? Woran erkennt man Antisemitismus? Was können wir dagegen tun? Eine spannende Entdeckungsreise in der Synagoge und anschließend auf dem jüdischen Friedhof in Abterode mündete ein in das Thema Rechtsradikalismus und Verteidigung der Demokratie heute.

    Besuche und Führungen können vereinbart werden unter info@synagoge-abterode.de und Tel. 05651-339281.

  3. 27. Januar 2024 – Der Blick zurück zeigt uns den Weg nach vorn

    Im Anschluss an die Kundgebung „Nieder wieder 1933 – Nie wieder Faschismus“ fand am Samstag, den 27. Januar – dem internationalen Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus – eine von langer Hand geplante und bewegende Gedenkveranstaltung in Erinnerung an die deportierten jüdischen Witzenhäuserinnen und Witzenhäuser zwischen 1941 und 1942 statt. 

    Im Zentrum der Gedenkveranstaltung des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis standen eben jene Menschen mit jüdischem Hintergrund, die 1941 und 1942 aus Witzenhausen nach Riga und Theresienstadt deportiert worden waren. Um an sie zu erinnern, brachten Ilan Matoff, Susanne Weise und Hans-Eberhard Fritsch abwechselnd ihre Namen zum Erklingen. Um ihnen – zumindest kurzzeitig – ein Denkmal zu setzen, standen 68 Stühle auf dem Marktplatz von Witzenhausen. Jeder Stuhl war mit dem Namen einer deportierten Person und dem Alter bei der Deportation versehen. Laura Wallmann zitierte Marga Griesbach, eine der wenigen Überlebenden: „Am 8.Dezember [1941] um vier Uhr in der Frühe versammelten wir uns auf dem Marktplatz. Der Gang zum Treffpunkt war der letzte, den wir ohne bewaffnete Wachen antraten.“ Auf sie und drei weitere Personen ging Laura Wallmann näher ein, um einige Facetten der damaligen Gewalt in der nationalsozialistischen Gesellschaft gegen ihre Mitbürger:innen mit jüdischen Hintergrund näher zu beleuchten. Beendet wurde die Veranstaltung mit einem Appell: „Nach dem Gedenken kommt das Handeln: Was kann ich, was können wir tun, damit „Nie wieder!“ wirklich „Nie wieder“ ist? Damit wir nie wieder Stühle als Platzhalter für Menschen nutzen müssen?“ fragte Benjamin Matoff, der die Gedenkveranstaltung gemeinsam mit Laura Wallmann organisiert hatte.

    Laura Wallmann

  4. Holocaust-Gedenktag in Herleshausen

    Schon früh man Morgen des Holocaust-Gedenktages (27. Januar) wurden in Herleshausen am Zaun des Grundstückes Lauchröder Str. 3, auf dem sich früher die Synagoge und die jüdische Schule befand, und in Nesselröden in der Ortsdurchfahrt am Dorfgemeinschaftshaus die Banner (180×80 cm) gut sichtbar angebracht. Markus Müller in Herleshausen und Lothar Bierschenk in Nesselröden danke ich herzlich für die tatkräftige Unterstützung, den Grundstückseigentümern für die Erlaubnis.

    Es symbolisiert eine „stille“ Mahnung der Holocaust-Opfer aus Herleshausen, damit wir ihr Schicksal nicht zu vergessen und uns antisemitischen Gedanken vehement entgegen stellen sollen. Am späten Abend haben wir die Banner wieder abgenommen. Gut verpackt warten sie nun darauf, sich künftig immer am 27. Januar der Öffentlichkeit zeigen zu können.

    Die Erinnerung an die Shoah bleibt wichtig,
    … in Zukunft mehr denn je!
    Vielleicht hat es am vergangenen Samstag, dem Holocaust-Gedenktag, nicht jeder
    bemerkt: Auch in Herleshausen und Nesselröden gab es „Stillen Protest“ gegen Ten-
    denzen, die uns derzeit bewegen und inzwischen viele Menschen zu Demonstrationen
    auf die Straße rufen.
    Bereits im vergangenen Jahr war im AK „Stolpersteine“ die Idee geboren, jeweils am
    27. Januar an die Opfer aus unserer Gemeinde mit deren Namen zu erinnern. Ihr
    Schicksal und die Ursachen dazu sollten nicht vergessen werden. Zwei Banner (180 x
    80 cm) reihten sich in Herleshausen und Nesselröden stumm, aber mahnend in die
    deutschlandweit aktuelle Diskussion mit ein.
    Erst seit 1996 ist der 27. Januar ein offizieller Gedenktag. Bundespräsident Roman
    Herzog erklärte damals: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige
    Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“ Und sie müsse, so Herzog, „… jeder Gefahr
    der Wiederholung entgegenwirken“.

    In einem Beitrag von Gudrun Büscher in der TLZ-Eisenacher Presse vom 27.01.2029
    mit der Überschrift: „Verantwortung endet nicht“ begründet sie, warum die Erinne-
    rung an die Shoah wichtig bleibt – in Zukunft mehr denn je. Es gäbe Menschen, die
    die Erinnerung wachhalten und dem antisemitischen Wüten in diesen Tagen ein „Nie
    wieder“ entgegenhalten, aber es gäbe auch alle jene, die glauben, die Verantwortung,
    die aus der Geschichte erwächst, abschütteln zu können – alles viel zu lange her. Drit-
    tes Reich, Holocaust – was habe ich damit zu tun? Dazu befürchtet die Autorin: „Die-
    ser Geschichtsvergessenheit und Gleichgültigkeit in Deutschland kraftvoll entgegenzu-
    treten, wird in Zeiten des wachsenden Antisemitismus immer schwerer.“

    In einem Beitrag von Gudrun Büscher in der TLZ-Eisenacher Presse vom 27.01.2029
    mit der Überschrift: „Verantwortung endet nicht“ begründet sie, warum die Erinne-
    rung an die Shoah wichtig bleibt – in Zukunft mehr denn je. Es gäbe Menschen, die
    die Erinnerung wachhalten und dem antisemitischen Wüten in diesen Tagen ein „Nie
    wieder“ entgegenhalten, aber es gäbe auch alle jene, die glauben, die Verantwortung,
    die aus der Geschichte erwächst, abschütteln zu können – alles viel zu lange her. Drit-
    tes Reich, Holocaust – was habe ich damit zu tun? Dazu befürchtet die Autorin: „Die-
    ser Geschichtsvergessenheit und Gleichgültigkeit in Deutschland kraftvoll entgegenzu-
    treten, wird in Zeiten des wachsenden Antisemitismus immer schwerer.“

    Es gibt eine Verantwortung, die niemals endet, schreibt sie weiter: „Der Holocaust, die
    systematische, massenhafte, industrielle Vernichtung von Jüdinnen und Juden in ei-
    gens dafür gebauten Todesfabriken, ist in seiner Monstrosität etwas so Unfassbares,
    dass sich nicht nur Vergleiche verbieten. Für Deutschland und die Deutschen und für
    alle, die es werden wollen, erwächst daraus kein Schuldkomplex, sondern die Pflicht,
    sich zu erinnern. „Nie wieder“ darf keine ritualisierte Floskel, kein leeres Versprechen
    sein. … Dieser Kampf darf nicht verloren gehen! …

    Helmut Schmidt

  5. Das ging unter die Haut

    Die Volksbühne Bad Emstal zeigte in einer szenischen Lesung in der Klosterkirche Germerode Kressmann Taylors Briefroman „Empfänger unbekannt“. Das Werk handelt vom Ende einer Freundschaft zweier deutsch-amerikanischer Geschäftsleute zu Beginn der Nazizeit. Während der Jude Max Eisenstein in den USA die Machtergreifung Adolf Hitlers mit Sorge betrachtet, macht sein Freund Martin Schulze Karriere in der NSDAP. Als Schulze die Bitte von Eisenstein, seiner Schwester Gisela in Berlin beizustehen, ablehnt und Gisela von der SA ermordet wird, schreibt Max Briefe nach Deutschland. Max geht davon aus, dass die Briefe von der Gestapo geöffnet werden und verwendet deshalb darin vermeintliche Geheimcodes und Andeutungen, die Martin Schulze dem Nazi-Regime verdächtig machen. Am Ende kommt der letzte Brief, den Max an Martin Schulze im Frühjahr 1934 geschrieben hat, mit dem Vermerk zurück: „Empfänger unbekannt“. So kann man vermuten, dass Schulze als vermeintlicher Feind der NS-Herrschaft in Haft genommen wurde. Sehr dicht, einfühlsam auf der Gitarre begleitet von Fabian Hörl und beklemmend aktuell. Die Volksbühne Bad Emstal wies darauf hin, dass der AfD-Politiker Björn Höcke an den Nationalsozialismus anknüpft. Es war kalt in der Klosterkirche, nicht nur wegen des Wetters.

  6. Die schlaue Ester

    Kinder der Frau-Holle-Schule Abterode entdecken die Synagoge

    26 Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen besuchten mit ihrer Schulleiterin Frau Freiheit und ihrer Lehrerin Frau Christl die Synagoge in Abterode. Im Zusammenhang mit dem Thema „Weltreligionen“ stand das Thema „Judentum“ auf dem Programm. Arnold Baier und Martin Arnold von den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens erläuterten anhand der Ester-Geschichte aus dem Alten Testament, dass die jüdische Gemeinschaft schon im Persien des 5. Jahrhunderts vor Christi Geburt von Gewalt bedroht war. Der Pogrom konnte jedoch durch Ester, eine mutige jüdische Frau, abgewendet werden. Dies feiern Jüdinnen und Juden alljährlich mit dem Purim-Fest. In der Synagoge Abterode ist eine Pergamenthandschrift aus dem 18. Jahrhundert mit dem hebräischen Text des Buches Ester erhalten, die von den Kindern bestaunt wurde. „Der Hass auf Juden ist kein neues Phänomen“, so Martin Arnold, „aber die schlaue Ester zeigt, dass man sich dagegen wehren kann!“

  7. Vom Unvorstellbaren erzählen

    Abterode – Als sie in die Güterwaggons gen Osten steigen mussten, waren sie ihrer bürgerlichen Existenz bereits beraubt: Doch auf die 163 jüdischen Frauen, Männer und Kinder, die am 9. Dezember 1941 von den Nazis aus den Landkreisen Eschwege und Witzenhausen über Kassel in das Ghetto nach Riga gebracht wurden, wartete nach dem Verlust ihres gesamten Hab und Guts, ihres Zuhauses, ja ihrer Identität, das Unvorstellbare.

    Mit der Ankunft in der von deutschen Truppen besetzten lettischen Stadt begann für sie alle ein im höchsten Maße grausamer, menschenverachtender Leidensweg, den nur drei der Deportierten überleben sollten.

    Genau diesem Thema widmete sich jetzt eine Veranstaltung des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens Werra-Meißner in der Synagoge in Abterode. Vorsitzender Dr. Martin Arnold und Vereinsmitglied Laura Wallmann führten die Teilnehmenden mit Daten und Fakten aus der Region fachkundig in den historischen Kontext der Deportationen ein und zeigten dann Ausschnitte aus der Riga-Dokumentation „Wir haben es doch erlebt“ von Filmemacher Jürgen Hobrecht.

    Darin berichten Zeitzeugen vom Leben im Ghetto und vom Überleben mit dem Trauma. Zu Wort kommt auch Marga Steinhardt, die als 17-Jährige laut NS-Anordnung gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder aus Witzenhausen zum Arbeitseinsatz nach Riga „evakuiert“ wurde – eine zynische Umschreibung für die systematische Ausbeutung und Ermordung der jüdischen Menschen.

    „Ich musste einfach überleben, um zu erzählen, was damals geschehen ist“, so Marga Steinhardt, „ich wusste, dass die Vorstellungskraft der Menschen nicht ausreichen würde, um diese schrecklichen Verbrechen auch nur erahnen zu können.“

    Was sie und die anderen Überlebenden zu berichten haben, ist wie so viele Schilderungen der Gräueltaten der Nationalsozialisten tatsächlich einfach nur unfassbar: Sie erzählen etwa davon, wie die SS innerhalb von zwei Tagen fast 27 000 lettische Jüdinnen und Juden erschoss, um für die Ankunft der Juden aus Deutschland Platz im Ghetto zu schaffen: „Die Menschen wurden eilig aus den Häusern getrieben, teilweise waren die Tische noch gedeckt, die Gabeln steckten noch in den Kartoffeln“, erinnert sich Marga Steinhardt, „der Boden im Ghetto war bedeckt mit rot gefrorenem Eis.“

    Kaum angekommen, wurden die „brauchbaren“ Menschen in Arbeitskommandos eingeteilt, mussten etwa in bitterer Kälte stundenlang Torf stechen oder Schnee schaufeln und Eis hacken, um die Straßen für die SS freizuhalten. Außerdem wurden die Jüdinnen und Juden in den in Riga ansässigen Institutionen der Wehrmacht und der Waffen-SS eingesetzt, packten Transporte mit Nahrung oder Kleidung für die Soldaten. „Dabei hielten uns stets SS-Leute ihre Maschinengewehre unter die Nase und drohten uns damit, uns beim kleinsten Vergehen einfach zu erschießen“, so Marga Steinhardt.

    Die Abschreckung spielte im Ghetto eine große Rolle, auf dem sogenannten Blechplatz, auf dem die Kommandos sich zum Appell zusammenzufinden hatten, wurden Menschen, die aus Sicht der Nazis etwas verbrochen hatten, am Galgen hingerichtet oder erschossen – und alle mussten dabei zusehen. „Manchmal hingen die Menschen da mehrere Tage“, erzählt Marga Steinhardt im Film.

    Das Ghetto konnte gleichzeitig teilweise in jüdischer Selbstverwaltung geführt werden, ein Ältestenrat bemühte sich um die Verteilung von Lebensmitteln und Wohnraum, organisierte sogar Schulunterricht für die Kinder und auch ein minimales kulturelles Leben war möglich. Ab März 1942 änderte sich die Vorgehensweise der Nazis, immer mehr Juden und Jüdinnen wurden in den nahe gelegenen Wald transportiert und dort erschossen, insgesamt über 35 000 Menschen wurden in Massengräbern verscharrt, die sie vor ihrer Tötung teilweise selbst ausheben mussten.

    1943 wurde die Auflösung der Ghettos angeordnet und die Deportation in Konzentrationslager begann. Der Albtraum setzte sich für all jene, die bisher irgendwie noch am Leben geblieben waren, fort. „Gott sei Dank haben einige Menschen den Holocaust überlebt und uns von den Geschehnissen berichtet“, so Dr. Martin Arnold nach dem Film, „unser Verein möchte dazu beitragen, die Erinnerung wachzuhalten und gleichzeitig den Respekt vor dem Judentum stärken.“ Es sei sehr traurig, dass auch heute noch Judenhass existiere und sich sogar wieder steigere, und das in vielen unterschiedlichen Formen.

    Melanie Salewski

    Werra-Rundschau, 11. Dezember 2023

  8. 43 Jüdinnen und Juden von Witzenhausen nach Riga deportiert

    Am 8. Dezember 1941 begann die erste Deportation von Jüdinnen und Juden in das Ghetto nach Riga in Lettland. Es war der letzte Schritt der Nationalsozialisten mit dem Ziel, Deutschland „judenfrei“ zu machen. Die Witzenhäuser Jüdin Marga Steinhardt hat als eine der wenigen die Deportation überlebt. Bei einer Veranstaltung der „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ im „Haus ZundA“ in Witzenhausen wurde jetzt ein Dokumentarfilm von Jürgen Hobrecht gezeigt, in dem sie ausführlich vom Ablauf der Deportation und vom Leben im Ghetto erzählt. Laura Wallmann informierte zuvor über die Vorbereitung der Deportation in Witzenhausen, die dann mit Sonderzügen über Kassel nach Riga erfolgte. Die Erzählungen von Marga Steinhardt und die Bilder aus dem Ghetto gingen den etwa 30 Besucherinnen und Besuchern sichtlich unter die Haut. Im Gespräch über den Film wurde auch die Frage gestellt, ob es Widerstand der nichtjüdischen Bevölkerung gegen die Deportationen gegeben habe. „Leider haben wir dafür bisher kein einziges Beispiel gefunden“, sagte Martin Arnold, „aber vielleicht gibt es ja solche Geschichten und wir haben sie noch nicht entdeckt, wir würden sie gern erzählen.“ Am Freitag, dem 8. Dezember, wird der Dokumentarfilm um 19.00 Uhr noch einmal in der Synagoge Abterode (Vorderweg 1) gezeigt. An dieser Veranstaltung kann man auch online teilnehmen. Ein Zugangslink kann unter info@synagoge-eschwege.de angefordert werden.

  9. Ein Gruß zum Chanukka-Fest von Rabbi Joseph Edelheit

    Rabbi Prof. Dr. Joseph Edelheit

    Zu den besonderen Freunden unseres Vereins gehört Rabbi Joseph Edelheit. Er lebt in Rio de Janeiro (Brasilien). Dr. Edelheit ist emeritierter Professor für Religionswissenschaft und Judaistik an der St. Cloud State University (St. Cloud, Minnesota). Als Rabbiner hat Dr. Edelheit in reformjüdischen Gemeinden in Michigan City (Sinai Temple), Chicago (Emanuel Congregation) und Minneapolis (Temple Israel) gedient. Er ist Autor zahlreicher Zeitschriftenartikel, Vorträge und Abhandlungen zu Fragen der jüdischen Praxis und des jüdischen Glaubens, dem Werk von Paul Ricoeur, dem Holocaust und der Religion im öffentlichen Denken und Gedenken. In seinem Ruhestand unterstützt er Gemeinden ohne Rabbiner und auch unseren Verein. Der Kontakt zu den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens kam durch Pfarrer i.R. Rolf Hocke (Waldkappel) zustande. In seiner Video-Botschaft erläutert er die Entstehung des Chanukka-Festes und seine gegenwärtige Bedeutung. Sie können seinen Gruß hören und sehen auf https://www.youtube.com/watch?v=pJag8nAhqsI.

  10. Alter Hass in neuen Kleidern? Podiumsdiskussion mit dem Bundestagsabgeordneten Michael Roth

    Auf dem Podium diskutierten (von links nach rechts) Fiona Schott, Ann-Kathrin Mogge, Michael Roth und Arnold Baier. Foto: Melanie Salewski

    Hass auf Juden ist kein neues Phänomen. Schon im Mittelalter gab es einen Pogrom gegen die jüdische Gemeinde in Eschwege. Die nationalsozialistischen Pogrome gegen Juden im Jahr 1938 waren Ausdruck einer antisemitischen Ideologie. Relativ neu ist hingegen, dass sich der Antisemitismus jetzt auch als Hass auf den Staat Israel zeigt. Ausdruck gefunden hat er kürzlich im Pogrom der Terrororganisation Hamas gegen Israel.

    Michael Roth war gerade von einer Reise nach Israel zurückgekehrt. Dort hatte er unter anderem das Kibbuz Kfar Aza besucht. „Erst kamen die Hamas-Terroristen, um kaltblütig und bestialisch zu morden“, so Roth, „dann folgte ein palästinensischer Mob, der vielen Toten ihre Würde nahm und hemmungslos plünderte.“ Dieser Pogrom sei ein riesiges Trauma für Israel. Er beklagte, dass es in Deutschland viele Zerrbilder und Vorurteile gegen Israel gebe. „Dabei ist Israel die einzige Demokratie und der einzige liberale Rechtsstaat im Nahen Osten“, so Roth. Er forderte dazu auf, gegen Antisemitismus Flagge zu zeigen und Partei zu ergreifen.

    Etwa 60 Personen verfolgten die Podiumsdiskussion im Eschweger Rathaussaal

    Arnold Baier vom Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens, der zu der Veranstaltung eingeladen hatte, konnte neben Michael Roth auch Ann-Kathrin Mogge und Fiona Schott begrüßen. Die Historikerin Ann-Kathrin Mogge engagiert sich bei dem Verein „Kopiloten“ in Kassel, indem sie unter anderem Antisemitismus in den sozialen Netzwerken dokumentiert. „Der Israel-bezogene Antisemitismus wird zu wenig wahrgenommen“, so Mogge. In den Schulen werde oft nur der nationalsozialistische Antisemitismus behandelt. Fiona Schott, Schülerin am Oberstufengymnasium in Eschwege, konnte berichten, dass der Hamas-Überfall auf Israel durchaus im Unterricht zur Sprache komme. Der Lehrplan sei sehr vollgestopft mit Inhalten. Die Schule könne jedoch dazu anregen, kritisch mit Internetinhalten umzugehen, und Medienkompetenz vermitteln.

    MdB Michael Roth (links) und Arnold Baier von den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis

    Michael Roth begrüßte, dass alle staatlichen Institutionen in Deutschland den Antisemitismus ablehnten. Dies sei keineswegs überall in Europa der Fall. In Israel werde diese Haltung gesehen und gewürdigt. Leider gebe es jedoch in der Gesellschaft ein großes Schweigen über den Terror der Hamas. Er dankte den Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens für ihr Engagement. „Kein Kind wird als Antisemit geboren“, so Roth. Deshalb gelte es, weiter am Ball zu bleiben. Arnold Baier dankte den Mitwirkenden auf dem Podium und auch Tadeusz Piskorz, der am Flügel und am Marimbaphon musikalische Akzente setzte. Die etwa 60 Besucherinnen und Besucher hatten im Eschweger Rathaussaal eine spannende Veranstaltung erlebt.

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