Author Archives: martin.arnold

  1. Junges Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft besucht Eschwege und Abterode

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    Eine Gruppe junger Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet besuchte die Ben-Gurion-Gedenktafel am Preußenplatz in Eschwege und anschließend die ehemalige Synagoge in Abterode. Ihr besonderes Interesse galt dabei dem Lager für „displaced persons“, das zwischen 1946 und 1949 auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes an der Niederhoner Straße untergebracht war. Bis zu 3.000 Menschen, die den Holocaust und die Konzentrationslager überlebt hatten, verbrachten dort eine Übergangszeit, um sich auf die Auswanderung nach Palästina, in die USA oder in andere Länder vorzubereiten. Am 15. Oktober 1946 besuchte David Ben Gurion, der Vorsitzende der „Jewish Agency“ und spätere erste Ministerpräsident des 1948 gegründeten Staates Israel, das Lager in Eschwege. Mehrere tausend Menschen versammelten sich, um ihn zu sehen und zu hören. Ben Gurion lud ein zur Auswanderung nach Israel. Martin Arnold von den „Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ informierte über die Einrichtung und Organisation des Lagers. In der Synagoge Abterode zeigte sich die Gruppe erstaunt über das jahrhundertelange jüdische Leben in der Region Werra-Meißner. „Die Geschichte“, so ein Mitglied der Gruppe, „veranlasst uns zu verantwortlichem Handeln gegen die Benachteiligung von Minderheiten, gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus und dem Einsatz für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte – Prinzipien, die Deutschland und Israel teilen.“

  2. Gedenken an den 8. November: Die Pogromnacht in Abterode 1938

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    Im November 1938 wurden in Abterode – wie an vielen anderen Orten in Deutschland – die Synagoge, jüdische Geschäfte und Wohnhäuser verwüstet. SA-Leute und eine aufgebrachte Menge bedrohten und misshandelten jüdische Männer und Frauen. Jüdische Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht.

    Am Montag, dem 8. November 2021, wollen wir an diese Geschehnisse erinnern. Bei einem Rundgang, der um 18.00 Uhr an der ehemaligen Synagoge beginnt und zu verschiedenen Orten des Geschehens führt, werden die gewaltsamen Aktionen anhand der vorhandenen Quellen nachgezeichnet und es wird der Opfer gedacht.

    Der Verein der Freundinnen und Freundinnen jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis möchte mit dieser Aktion an das dunkelste Kapitel jüdischen Lebens in Deutschland erinnern. Er möchte damit aber auch ein Zeichen setzen gegen neu aufkeimenden Antisemitismus und ein gutes Miteinander von Christen und Juden bei uns fördern.

    Treffpunkt:

    Synagoge Abterode (Vorderweg 1), 18.00 Uhr

    Bei der Veranstaltung beachten wir die Schutzbestimmungen gegen die Corona-Pandemie. Bitte melden Sie sich zu der Veranstaltung an (martin.arnold@posteo.de; Tel. 05651-339281).

  3. Juden bitten um Solidarität gegen Antisemitismus

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    Einen Schulprojekttag über „Jüdisches Leben und Antisemitismus“ erlebten die Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe sowie einige aus der 9. Klasse an der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege. Dazu konnte Schulleiterin Ute Walter unter anderem den jüdischen Rapper Ben Salomo und den jüdischen Studenten Frederic Willing begrüßen. Ben Salomo berichtete von persönlichen Erfahrungen mit Antisemitismus, besonders in der Rap-Szene. Er wird auch aktuell bedroht, weil er immer wieder öffentlich auf den Hass gegen Juden hinweist. „Was ist eigentlich Antisemitismus?“, fragte er die Jugendlichen. Die Antwort habe schon vor Jahrzehnten der Sozialphilosoph Theodor W. Adorno gegeben: „Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“ Ben Salomo bat die Schulgemeinde, gemeinsam gegen jede Form von Diskriminierung, auch gegenüber anderen Minderheiten, zusammenzustehen. In einem Workshop informierte Annamaria Zimmer über die durch den Holocaust ausgelöschte Geschichte der jüdischen Gemeinde in Eschwege. Frederic Willing, der zur jüdischen Gemeinde in Felsberg gehört, gab Einblick in den Alltag heutigen jüdischen Lebens. Die Food-Journalistin Sabine Knappe bereitete in der Schulküche mit den Jugendlichen „Haroset“ zu. Dies ist ein Fruchtmus, das am jüdischen Pessach-Fest im Rahmen des Sedermahls gegessen wird. Es erinnert in seiner Farbe und Konsistenz an den Lehm, aus dem die Israeliten während der Sklaverei in Ägypten Ziegelsteine herstellen mussten. Ludger Arnold vom Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis zog eine positive Bilanz des Tages: „Wir haben aus der Geschichte gelernt. Wir haben den Antisemitismus durchschaut. Deshalb seid solidarisch mit Jüdinnen und Juden, die unter uns leben.“

  4. Mazel Tov Cocktail

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    Zu einer intensiven Auseinandersetzung mit jüdischem Leben und Antisemitismus kam es jüngst an der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf. Im Rahmen von Schulprojekttagen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen mit jüdischer Geschichte, aber auch mit jüdischem Alltag heute. Steffi Hoffmann, die sich seit langem mit dem Antisemitismus beschäftigt, hatte den preisgekrönten Film „Mazel Tov Coctail“ mitgebracht. Darin wird die Geschichte von Dimitrij erzählt, einem Sohn russischer Einwanderer, der als Jude an seiner Schule antisemitisch beleidigt wird. Der Jugendliche wehrt sich, indem er dem Mitschüler, der ihn provoziert hat, mit einem Faustschlag die Nase bricht. Der vielschichtige Film bot viele Ansatzpunkte, um die Lebenswelt heutiger jüdischer Jugendlicher zu entdecken und über den Umgang mit Antisemitismus ins Gespräch zu kommen.

    Die Jugendlichen hatten sich im Unterricht zuvor mehrere Tage lang mit jüdischer Geschichte und Religion beschäftigt. Frederic Willing, Student und Mitglied der Liberalen Jüdischen Gemeinde Felsberg, und Steffi Hoffmann stellten sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler. In verschiedenen Workshops wurden weitere Aspekte jüdischen Lebens beleuchtet. Steffi Hoffmann sprach mit den Jugendlichen über das Konzentrationslager Auschwitz und die unterschiedlichen Beweggründe, den Ort heute zu besuchen. Martin Arnold zeichnete am Beispiel der jüdischen Familie Bodenheim aus Bad Sooden-Allendorf die Diskriminierung, Emanzipation, Assimilation und Zerstörung jüdischen Lebens im 19. und 20. Jahrhundert nach. Annamaria Zimmer berichtete eindrücklich über jüdisches Leben in Eschwege, insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus. In einer von Ludger Arnold moderierten Schlussrunde zeigten sich die Jugendlichen von einigen Dingen überrascht. „Ich habe gar nicht gewusst, dass es heute Juden unter uns gibt“, bekannte eine Schülerin. Und ein anderer sagte: „Krass, was damals im Nationalsozialismus passiert ist.“ Martin Arnold, der Vorsitzende der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens, rief die Schülerinnen und Schüler zum Respekt vor jüdischer Geschichte, Kultur und Religion auf, denn der Hass auf Juden sei bis heute nicht verschwunden. Martin Herrmann, der die Projekttage an der Rhenanus-Schule vorbereitet und koordiniert hat, regte an, die Auseinandersetzung mit dem Thema fortzusetzen. Ein Besuch im Lern- und Gedenkort für jüdisches Leben in der Synagoge Abterode ist schon geplant.

  5. Gemeinsam gegen Diskriminierung

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    Über einen ganzen Vormittag hinweg setzten sich die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen der Johannisberg-Schule in Witzenhausen mit dem Thema „Jüdisches Leben und Antisemitismus“ auseinander. Das Besondere: Sie hatten dabei jüdische Gesprächspartner. Der bekannte jüdische Rapper Ben Salomo berichtete, dass insbesondere im Gangsta-Rap Vorurteile und Hass gegen Juden verbreitet sind. Auch in seinem eigenen Leben ist er schon oft mit Antisemitismus konfrontiert worden. „Ich hätte nicht gedacht, wie extrem der Hass auf Juden in der Musikszene ist“, bekannte ein Schüler. Der jüdische Student Frederic Willing stellte sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler. Was bedeutet Jude-sein im Alltag? Wie stehen die Juden zu anderen Weltreligionen? Welche Regeln gibt es im Judentum? Die Food-Journalistin Sabine Knappe bereitete in der Schulküche mit den Schülerinnen und Schülern leckeres jüdisches Essen vor. Und Martin Arnold informierte über die jahrhundertelange Geschichte der jüdischen Gemeinde in Witzenhausen und ihre Auslöschung durch den Nationalsozialismus. „Seid wachsam gegenüber jeder Form von Diskriminierung“, ermahnte Schulleiter Andreas Hilmes, „insbesondere auch gegen die Diskriminierung von Juden.“ Er dankte den Lehrkräften Luisa Amlung und Philip Ernst für die Vorbereitung des Tages, auch den jüdischen Gästen und anderen Mitwirkenden. Der Projekttag wurde durch den Verein „1.700 Jahr in Deutschland“ und die Friedrich-Naumann-Stiftung gefördert.

  6. Weitere Schritte zur wissenschaftlichen Erforschung der Abteröder „Genisa“

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    Sie hat an der Universität Venedig über zwei Traktate aus der Mischna promoviert. Von 2017 bis 2019 war sie Mitarbeiterin am Qumran-Wörterbuch in Göttingen. Dr. Elisabetta Abate ist eine vielseitig interessierte Wissenschaftlerin, die sich insbesondere mit verschiedenen Aspekten der jüdischen Kultur beschäftigt. Jetzt besuchte sie den Lern- und Gedenkort für jüdisches Leben in der ehemaligen Synagoge Abterode. Ihr besonderes Interesse galt dabei der dort gefundenen „Genisa“, einem Depot von verschlissenen Schriften und beschädigten rituellen Gegenständen aus der Abteröder jüdischen Gemeinde. Die Abteröder Genisa wurde in der Pogromnacht 1938 nicht entdeckt und hat deshalb die Zerstörungen überlebt. 1988 wurde sie von Dr. Karl Kollmann und Dr. Thomas Wiegand wiederentdeckt, geriet jedoch bald wieder in Vergessenheit. Eine erste Sichtung der Funde erfolgte erst im Jahr 2020 durch den Judaisten Prof. Dr. Andreas Lehnardt aus Mainz.

    Elisabetta Abate möchte den umfangreichen Fund nun erstmals ordnen und mit anderen Funden vergleichen. Ihr besonderes Interesse gilt dabei einem bestickten Tora-Wimpel aus dem Jahr 1725. Interessant ist dabei ein Vergleich mit 18 historischen Tora-Wimpeln, die zurzeit im Städtischen Museum Göttingen ausgestellt werden. Ähnlichkeiten springen sofort ins Auge. Gab es Vorlagen für die Bildmotive? Was verraten die Wimpel über ihre ursprünglichen Träger? Die Erforschung des Abteröder Wimpels steht noch am Anfang.

  7. Verein für Jüdisches Leben in der Region und Schulen setzen Zeichen gegen Antisemitismus

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    Gemeinsam mit fünf großen Schulen im Kreisgebiet veranstaltet der Verein der Freundinnen und Freunde Jüdischen Lebens in der Region Werra-Meissner vor dem Hintergrund des Festjahres „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ in diesem Herbst eine Reihe von Projekttagen für Schülerinnen und Schüler. Eines der wichtigsten Ziele hierbei ist es, Lernenden in der persönlichen Begegnung mit Juden und Jüdinnen Einblicke in die vielfältige Kultur gegenwärtigen jüdischen Lebens in Deutschland zu ermöglichen und damit Antisemitismus entgegenzuwirken.

    Der erste Projekttag fand jetzt an der Anne-Frank-Schule in Eschwege statt. Weitere folgen an der Brüder-Grimm-Schule Eschwege, der Adam-von-Trott-Schule-Sontra, der Johannisberg-Schule Witzenhausen sowie der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf. Der Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens in der Region Werra-Meissner ist mit dem Angebot, einen Projekttag zu veranstalten, auf gerade diese Schulen zugegangen, weil sie zuvor alle bereits die Zusammenarbeit gesucht hatten. Sie haben etwa Lerngruppen in die Synagoge entsendet, Experten aus dem Verein in den Unterricht eingeladen oder gemeinsame Projekte initiiert, um die Auseinandersetzung mit jüdischem Leben, jüdischer Kultur und jüdischer Geschichte in verschiedenen, auch fachübergreifenden Lernvorhaben zu bereichern. Für die Umsetzung des Projekttages an den Schulen im Werra-Meissner-Kreis hat der Vorstand wiederum bei der Initiative „1700 Jahre Jüdisches Leben“ Fördergelder beantragt.

    Mit den Veranstaltungen soll aus Sicht des Vereins Folgendes erreicht werden:

    „Schülerinnen und Schülern sollen Zugänge eröffnet werden zu jüdischer Kultur sowie zu lokaler und regionaler jüdischer Geschichte. Das Judentum soll als vielfältige lebendige Kultur in unserer Gesellschaft erlebbar werden. Im Gespräch mit Juden soll es um die Frage gehen, wie Jüdinnen und Juden heute in unserer Gesellschaft leben. Mit einem vertieften Wissen über die jüdische Kultur und durch die Begegnung mit Juden soll dem Antisemitismus entgegengewirkt werden.“

    Jede Schule hat für den Projekttag ein eigenes Programm zusammengestellt, es sind Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 8 bis 10 dabei. Sie erhalten Gelegenheit, mit Jüdinnen und Juden aus der jüdischen Gemeinde in Felsberg direkt ins Gespräch zu kommen, außerdem bietet der bekannte jüdische Rapper Ben Salomo an einigen Schulen verschiedene Workshops zu jüdischer Rap-Musik und Antisemitismus an. Er performt auch einige seiner Songs für die Jugendlichen. Verschiedene lokalgeschichtliche Workshops zum jüdischen Leben in Eschwege, Witzenhausen und Bad Sooden-Allendorf mit den Vereinsmitgliedern Annamaria Zimmer und Dr. Martin Arnold bereichern das Angebot ebenfalls. Zudem bereiten die Schülerinnen und Schüler in der Schulküche mit Sabine Knappe jüdische Speisen zu und beschäftigen sich mit deren Ursprung und Bedeutung im Judentum.

    Mit Julio Rosenblatt wird in Sontra ein Nachfahre einer jüdischen Familie aus Beiseförth erwartet. Die Familie konnte während der NS-Zeit noch rechtzeitig aus Deutschland nach Uruguay fliehen. Dort lebt Julio Rosenblatt heute noch. Er wird mit den Schülerinnen und Schülern über die Fluchterfahrungen, den Umgang damit und sein gegenwärtiges Leben als Jude in Südamerika ins Gespräch kommen.

    Natürlich gehören auch die Vor- und Nachbereitung des Projekttages zu den Aufgaben der Schulen. Diese erfolgt jeweils im Unterricht. Auch eine Reflexion gehört unbedingt dazu. Geplant sind nach dem jeweiligen Projekttag zudem weitere Veranstaltungen mit dem Verein für Jüdisches Leben in der Region, die in besonderer Weise an den sich aus den Erkenntnissen des Projekttages ergebenden Interessen und Fragen der Schülerinnen und Schüler orientiert sein werden.

    Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe an der Anne-Frank-Schule in Eschwege gab es zunächst eine  offizielle Begrüßung in besonderer Runde: Landrat Stefan Reuß, Karsten Vollmar vom Staatlichen Schulamt, Frederic Willing von der jüdischen Gemeinde in Felsberg, der jüdische Rapper Ben Salomo, Dr. Martin Arnold, Ludger Arnold und Annamaria Zimmer vom Verein für Jüdisches Leben in der Region sowie die Schulleitungen aller teilnehmenden Schulen, Kerstin Ihde (Anne-Frank-Schule Eschwege und Wanfried), Ute Walter (Brüder-Grimm-Schule Eschwege), Susanne Herrmann-Borchert (Adam-von-Trott-Schule Sontra), Dr. Jörg Möller (Rhenanus-Schule Bad Sooden-Allendorf) und Andreas Hilmes (Johannisberg-Schule Witzenhausen) kamen zusammen, um die Projekttage gemeinsam zu eröffnen. Dabei machte Schulleiterin Kerstin Ihde deutlich, dass die Anne-Frank-Schule stolz und dankbar sei, einen solch außergewöhnlichen Projekttag für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 8 und 9 anbieten zu können.

    „Wir wollen unseren Lernenden heute die Möglichkeit geben, Menschen jüdischen Glaubens persönlich zu begegnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, sagte sie, „für uns als Schule, die nach einem jüdischen Mädchen, das Opfer der Nazis wurde, benannt ist, ist das eine besondere Verpflichtung.“ Der Vorsitzende des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens in der Region, Dr. Martin Arnold, machte deutlich, dass er sich von der Veranstaltungsreihe vor allem erhoffe, dass die Jugendlichen vertiefte Einblicke in die jüdische Geschichte, Kultur und Religion erhielten und damit ein Impuls gegen Antisemitismus gesetzt werde. Das unterstrich auch Landrat Stefan Reuß, der allen teilnehmenden Schulen und dem Verein seinen Dank für den Einsatz gegen Hass, Ausgrenzung und Diskriminierung aussprach. „Leider müssen wir beobachten, dass es in unserem Land wieder vermehrt zu antisemitischen Vorfällen kommt und es ist von besonderer Bedeutung, dass wir gemeinsam ein Zeichen setzen: Unser Kreis steht für Offenheit und Toleranz.“ Karsten Vollmar vom Staatlichen Schulamt in Bebra brachte den Initiatoren der Veranstaltungsreihe ebenfalls seine Anerkennung und Unterstützung entgegen: „Dass Menschen jüdischen Glaubens den Schülerinnen und Schülern individuelle Einblicke in die Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland geben, trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen und Stereotypen aufzubrechen. Die Projekttage stellen da zweifelsohne ein bedeutsames Angebot dar und ich bin mir sicher, dass die beteiligten Schülerinnen und Schüler viel lernen werden.“

    Damit sollte Karsten Vollmar genau richtig liegen, wie sich schon während der ersten Workshops herausstellte: Der jüdische Rapper Ben Salomo übernahm den Auftakt des Projekttages in der Eingangshalle. Er erzählte von seiner Kindheit in Berlin, wo er schon früh erlebte, was Antisemitismus bedeutet: Als sein bester Freund erfuhr, dass er Jude ist, griff dieser ihn an, die Freundschaft zerbrach. „Als ich fragte, warum er was gegen Juden hat, konnte er mir keine wirkliche Antwort geben“, so Ben Salomo vor den interessiert zuhörenden Acht- und Neuntklässlern. Zeitweise leugnete Ben Salomo, der eigentlich Jonathan Kalmanovich heißt, sogar seinen jüdischen Glauben. Das belastete ihn aber zu sehr, so dass er schließlich in die Offensive ging und beschloss, zu seinem Judentum zu stehen. So sei er nun auch an Schulen in Deutschland unterwegs, um von seinen Erfahrungen und von seinem Leben als jüdischer Rapper in Deutschland zu erzählen. Gerade der Rap habe ein strukturelles Problem mit Antisemitismus. Es gehe nicht um einzelne Rapper, es handele sich um ein breites Phänomen. Er spielte dann verschiedene Clips anderer Künstler ein, um die Schülerinnen und Schüler für versteckte, aber teilweise auch offene antisemitische Codes in Songs und Videos seiner Rap-Kollegen zu sensibilisieren und ihnen bewusst zu machen, wie wichtig es ist, sich wirklich damit zu beschäftigen, was man sich anhört und ansieht. Er selbst performte ebenfalls einige seiner Songs, die von seinem Glauben und seinem Leben als Jude in Deutschland erzählen.

    Im Workshop „Fragen an einen Juden“ beantwortete Frederic Willing von der jüdischen Gemeinde in Felsberg derweil im direkten Gespräch ganz unterschiedliche Fragen zu seinem Leben und zu seinem Glauben. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich gut auf die Begegnung vorbereitet. Sie wollten etwa wissen, ob Frederic Willing schon einmal selbst antisemitische Übergriffe erlebt habe, ob er offen zu seinem Glauben steht oder wie dieser sich auf die Gestaltung seines Alltags auswirkt. „Ich bevorzuge ein freies Verständnis des Judentums“, sagte Willing, „bei uns in der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Felsberg haben Frauen und Männer zum Beispiel die gleichen Rechte.“

    In der Schulküche bereiteten Schülerinnen und Schüler mit Food-Journalistin Sabine Knappe eine besondere jüdische Speise zu: Charosset ist ein süßes Fruchtmus, das zum Pessach-Fest gereicht wird. Äpfel, Nüsse und Mandeln werden mit Honig und Saft vermischt und mit Zimt und Zucker verfeinert. „Diese Speise gehört zum Sedermahl, mit dem das Pessachfest beginnt“, erklärte Sabine Knappe den Schülerinnen und Schülern, „mit seiner Farbe und Konsistenz erinnert Charosset symbolisch an Lehm, aus dem die Israeliten in Ägypten Ziegelsteine herstellten.“ „Ganz schön lecker, unser Lehm“, befanden die Lernenden augenzwinkernd beim Probieren des Fruchtmuses, das sie auf Matzen gestrichen hatten.

    Um die jüdische Kultur und wie sie in Eschwege gelebt wurde und gelebt wird, ging es im Workshop von Annamaria Zimmer. Sie ist Mitglied im Vorstand des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens in der Region und Expertin für die jüdische Gemeinde der Kreisstadt. Sie berichtete den Jugendlichen von der Zeit vor dem Nationalsozialismus, als die Mitglieder der jüdischen Gemeinde voll integrierte und angesehene Bürgerinnen und Bürger der Eschweger Stadtgesellschaft waren und erklärte auch, wie sich das Leben der jüdischen Menschen aus der Region ab 1933 wandelte, wie sie schrittweise entrechtet und schließlich verfolgt und ermordet wurden, wenn ihnen zuvor nicht die Flucht aus Deutschland geglückt war. Ausführlich schilderte sie die Deportationen der letzten in Eschwege verbliebenen Juden in den Jahren 1941/42, an die ein Bronzekoffer am Eschweger Stadtbahnhof erinnert. Auch auf das Schicksal verschiedener jüdischer Kinder aus der Region ging sie beispielhaft ein. Schließlich berichtete sie davon, dass es auch heute einige Juden in Eschwege gebe, die ihren Glauben aber nicht immer offen zeigten.

    Zum Abschlussplenum, das mit Ludger Arnold ein weiteres Vorstandsmitglied des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens in der Region gemeinsam mit Joachim Geiger von der Friedrich-Naumann-Stiftung moderierte, formulierten die Jugendlichen dann, was sie aus dem Projekttag mitnehmen werden: „Mir war nicht klar, dass ich auch schon Songs gehört habe, in denen jüdische Menschen diffamiert werden“, so eine Aussage aus den Reihen der Schülerinnen und Schüler, „ich werde mich damit auf jeden Fall weiter auseinandersetzen.“  „Es war sehr spannend, zu erfahren, wie es ist, heute als Jude in Deutschland zu leben“, sagte ein anderer Schüler, „ich konnte mir das gar nicht vorstellen, weil ich gar keinen Juden kennen.“

    Diese Aussage griff der Rapper Ben Salomo schließlich für sein abschließendes Statement auf: „Der Grund, warum so wenige einen Juden oder eine Jüdin kennen, ist, dass es nur rund 200 000 in Deutschland davon gibt“, sagte er, „das sind nicht viele.“ Es sei also umso wichtiger, sich zu Wort zu melden und Juden zu helfen, wenn diese angegriffen oder beschimpft würden: „Lasst uns gemeinsam gegen Antisemitismus, gegen jegliche Form von Rassismus, Ausgrenzung und Hass kämpfen.“

    Melanie Salewski

  8. Männer auf den Spuren jüdischen Lebens

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    Foto: Jürgen Vollgraff

    Der Männerkreis der Evangelischen Kirchengemeinde Hessisch Lichtenau besuchte die ehemalige Synagoge in Abterode. Dr. Martin Arnold, Vorsitzender des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis, begrüßte Pfarrer Dr. Marcus Meier und elf weitere Männer sowie zwei Frauen in dem neu gestalteten Lern- und Gedenkort. Er informierte über die wechselvolle Geschichte der Synagoge und der jüdischen Gemeinde in Abterode. Besonderes Interesse fand die Lebensgeschichte von Rozsi Rosenthal, einer ungarischen Jüdin. Sie kam 1944 als Zwangsarbeiterin in die Sprengstofffabrik Hirschhagen, einem Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen dort waren gefährlich. Dennoch überlebte sie die Zeit dort und wanderte nach Israel aus. Dr. Arnold zeigte Abbildungen verschiedener religiöser Gegenstände, die Rozsi Rosenthal in Hessisch Lichtenau heimlich bei sich trug. Sie werden heute in Yad Vashem aufbewahrt.

  9. Auszeichnung mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis

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    Foto: Christine Krienke

    Am 15. September wurden der Verein „Aufwind“ und die Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet. Das Jurymitglied Christian Bührmann (Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst) hob in seiner Laudatio hervor, dass die Synagoge Abterode „nach ihrer Sanierung wieder voller Leben steckt. Neben der Qualität der restauratorischen Maßnahmen ist insbesondere die Zusammenarbeit der beiden Vereine und deren Engagement für den Erhalt und die öffentlich Nutzung des Objekts hervorzuheben.“

    Mit der Auszeichnung verbunden sei nicht nur die Botschaft, „dass Jüdinnen und Juden ein Teil von uns sind, ein Teil unseres gemeinsamen Wir, sondern dass wir denen entschieden entgegentreten, die das noch oder wieder in Frage stellen.“

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