Jugendliche arbeiten an der ehemaligen Synagoge in Harmuthsachsen
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„Man sieht, dass man was Vernünftiges gemacht hat!“, sagte ein Jugendlicher erschöpft, aber zufrieden am Ende des Vormittags. Sechs Jugendliche waren mit ihrem Lehrer Hendrik Vogt nach Harmuthsachsen gekommen, um dort kräftig mit anzupacken. Im Rahmen der entstehenden Kooperation zwischen der Anne-Frank-Schule in Eschwege und dem Verein der „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ bot dieser Arbeitseinsatz den Hauptschülern die Möglichkeit, Geschichtsunterricht einmal anders zu erleben.
Ludger Arnold, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, führte die Gruppe durch die Synagoge, das ehemalige Lehrerhaus und das Vorderhaus, erläuterte die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Harmuthsachsen und gab er einen Ausblick, wie die Gebäude einmal genutzt werden sollen.
Kraftvoll und mit Elan machten sich die Jugendlichen daran, große herumliegende Sandsteine ordentlich aufzusetzen, Gras zu mähen, eine Hecke zu schneiden und einen wuchernden Efeu deutlich zurückzuschneiden. Daneben wurde auch noch Bauschutt aus dem Vorderhaus entsorgt. Schnell war eine deutliche Veränderung zu sehen! Der Arbeitseinsatz der Jugendlichen half, die nächsten Maschineneinsätze vorzubereiten. Mit kleinen Schritten, aber kontinuierlich geht die Wiederherrichtung des gesamten Komplexes weiter.
Mit einem kleinen Imbiss endete der Vormittag. „Das hat richtig Spaß gemacht!“, fasste einer der Jungen die Meinung der Gruppe zusammen.
„Das ging unter die Haut“, sagte eine Besucherin nach der Aufführung des Tanztheaters „Laborinth“. Unter dem weit ausladenden Blätterdach der Linden auf dem Dorfanger in Harmuthsachsen hatten sich rund 80 Menschen versammelt, um eine außergewöhnliche Tanzperformance zu erleben. Im Mittelpunkt stand das Schicksal des jungen jüdischen Mädchens Anne Frank – eine Darbietung, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer tief berührte und noch lange nachwirken wird.

Weidenhausen ist ein Nachbarort von Abterode. Mitglieder verschiedener Weidenhäuser Vereine nutzten nun das gute Wetter für eine Wanderung nach Abterode. Die ehemalige Synagoge in Abterode hatte bis dahin noch niemand besucht. „Sie ist auch erst seit 2019 öffentlich zugänglich“, sagte Dr. Martin Arnold, der gemeinsam mit Arnold Baier die Wandergruppe begrüßte. Die Gäste informierten sich über die lange Geschichte jüdischen Lebens in Abterode. „Warum gab es eine jüdische Gemeinde in Abterode, aber nicht in Weidenhausen?“ Die Ansiedlung von Juden wurde im 17. Jahrhundert durch die Landesherrschaft gesteuert, die sogenannte „Schutzbriefe“ nur für einige wenige Orte ausstellte. Die Besuchergruppe war beeindruckt von den Spuren jüdischen Lebens in der ehemaligen Synagoge. Ein besonderes Erlebnis waren die virtuellen Brillen, die Einblicke in die Eschweger Synagoge und die ehemalige Abteröder Mikwe ermöglichen. Die Zeit verging wie im Flug. „Kommen Sie gern wieder“, so Martin Arnold, „es gibt hier noch viel zu entdecken.“
Die „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ aus Fulda ging auf eine ganztägige Entdeckungsreise. Am Vormittag besuchte sie die liberale Jüdische Gemeinde in Felsberg (Schwalm-Eder-Kreis), am Nachmittag die ehemalige Synagoge in Abterode. Zur Gruppe gehörten auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Fulda, deren Muttersprache Russisch ist und die erst vor einigen Jahrzehnten nach Deutschland gekommen waren. Dr. Martin Arnold und Arnold Baier informierten über die lange und wechselvolle Geschichte der jüdischen Gemeinde und der Synagoge in Abterode, aber auch über die Arbeit der „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“. Die Gäste waren beeindruckt von den zahlreichen Zeugnissen jüdischen Lebens aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als Juden noch keine Bürgerrechte hatten. Auch die Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus kam zur Sprache. „Nach jahrhundertelangem Gegeneinander und Nebeneinander brauchen wir jetzt ein von Respekt und Toleranz geprägtes Miteinander“, sagte Martin Arnold. Wolfgang Link dankte im Namen der Fuldaer Gäste für einen interessanten Nachmittag.
Sie studieren Geschichte an der Universität Kassel und möchten Lehrer werden. In diesem Semester gehen sie mit ihrem Dozenten Dr. Luigi de Ambrosia der Frage nach, wie außerschulische Lernorte in den Geschichtsunterricht einbezogen werden können. Ein solcher Lernort ist die ehemalige Synagoge in Harmuthsachsen. Im Rahmen eines siebenstündigen Projekttages lernten die Studierenden die Synagoge, das Dorf und die Geschichte der jüdischen Minderheit im Dorf kennen. Dr. Martin Arnold stellte ihnen dafür geeignete Dokumente vor. Dazu gehört etwa ein Interview mit der in Harmuthsachsen geborenen und aufgewachsenen Rosa Katz. Sie überlebte den Holocaust und konnte nach Israel fliehen. 1979 teilte sie mit Schülerinnen der Waldkappeler Realschule ihre Kindheitserinnerungen. Oder eine „Staatsteuerrolle“ aus Harmuthsachsen, aus der die Einkommen der Harmuthsächser Juden und Nichtjuden zu entnehmen sind. Besonderes Interesse fand auch das neue Gedenkzeichen in der Synagoge für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Wie kann dieses Kunstwerk für den Geschichtsunterricht fruchtbar gemacht werden?
Die Seminargruppe reinigte auch sogenannte „Stolpersteine“, die eine andere Form des Gedenkens darstellen. „Das war ein intensiver und spannender Tag“, so Martin Arnold. Am 18. Juni wird die Seminargruppe die Synagoge in Felsberg besuchen, die nun wieder von einer jüdischen Gemeinde als Gotteshaus genutzt wird.
Einmal im Monat treffen sie sich unter Leitung von Christoph Dahl und Ute Pobering zu besonderen Unternehmungen. Diesmal führte sie der Weg nach Abterode. Dort wollten sie etwas erfahren über die Spuren jüdischen Lebens in der Region. Dr. Martin Arnold informierte über die lange Geschichte der jüdischen Gemeinde in Abterode, die durch den Nationalsozialismus ein gewaltsames Ende fand. Besonderes Interesse fand aber die Geschichte der Juden in dem Waldkappeler Stadtteil Harmuthsachsen. Auch dort hatte sich schon im 17. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde gebildet, die sich in der Zeit des Nationalsozialismus auflöste. Die ehemalige Synagoge und mehrere Nebengebäude sind jedoch erhalten. Seit 2023 haben die Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens die Synagoge zu einem Kultur- und Begegnungsort umgestaltet. „Wir haben aber noch viel vor“, so Martin Arnold. Es sollen nicht nur die Gebäude erhalten werden. Im ehemaligen Lehrerhaus soll ein Museum für jüdische Regionalgeschichte entstehen. „Das war ein besonderes Erlebnis“, sagte Christoph Dahl, bevor sich die Gruppe auf den weiteren Weg zu Kaffee und Kuchen nach Vierbach aufmachte.
Ein Experiment, eine neue Begegnung, solche Klänge hat es an diesem Ort noch nie gegeben.
Wer begeht eine so schändliche Tat? Das ist kein „Dummer-Jungen-Streich“. Die Polizei ermittelt wegen des „Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen“. Es ist wichtig, dass die Polizei ermittelt. Genauso wichtig ist aber die Bildungsarbeit. Wer den Nationalsozialismus durchschaut und seine Folgen für Juden und andere Minderheiten, aber auch für eine freie Gesellschaft insgesamt vor Augen hat, wird wachsam sein, die Demokratie verteidigen und sich auch den neuen Formen des Antisemitismus entgegenstellen.

Mit dem Verhältnis von Jüdinnen und Juden zur Mehrheitsgesellschaft beschäftigten sich 24 Schülerinnen und Schüler der Johannisbergschule, die im Rahmen des Religions- und Ethikunterrichts mit ihrer Lehrerin Luisa Amlung den Lern- und Gedenkort Synagoge Abterode besuchten. Für die jüdische Minderheit war das Zusammenleben mit Nichtjuden nie unkompliziert. In manchen Zeiten lebte man in einer Art Parallelgesellschaft. Man feierte eigene Gottesdienste und Feste, heiratete nur untereinander und hatte fast nur beruflich mit Nichtjuden Kontakt. Im 19. Jahrhundert konnten Jüdinnen und Juden gleiche Rechte erlangen, fanden Aufnahme in Vereinen und wurden Mitglieder in politischen Gremien. Mit dem Nationalsozialismus wurde diese Entwicklung jedoch durch einen entfesselten Antisemitismus abgelöst. Alle Jüdinnen und Juden wurden vertrieben, deportiert und viele ermordet. Das jüdische Leben in der Region Werra-Meißner wurde ausgelöscht. „Wie konnte es dazu kommen?“, fragten Arnold Baier und Martin Arnold. Eine einfache Antwort gibt es nicht. Die Schulklasse war jedoch sensibilisiert für Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus. „Es kann wieder passieren. Wir haben Verantwortung, dass es nicht wieder passiert“, so Martin Arnold.
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