Author Archives: martin.arnold

  1. Korbiniansapfel erinnert an Witzenhäuser Synagoge

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    Ein buntes Publikum hatte sich bei herrlichem Sonnenschein in Witzenhausen eingefunden, um sich an einem blühenden Apfelbäumchen zu erfreuen. Das Apfelbäumchen erinnert sowohl an Korbinian Aigner, der diese Apfelsorte als Gefangener im Konzentrationslager Dachau züchtete, als auch an die jüdische Gemeinde in Witzenhausen und ihre Synagoge. Benjamin Matoff und Max Dilger erinnerten an den 8. Mai 1945 als den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Bürgermeister Daniel Herz betonte die Wichtigkeit einer Erinnerungskultur in der Stadt. Michael Rimbach, Verwaltungsdirektor des Klinikums Werra-Meißner, erinnerte daran, dass sich das Klinikum heute auf dem Platz der ehemaligen Synagoge befinde. Um diese Geschichte im Bewusstsein zu halten, übernehme das Klinikum mit dem Betriebsrat gern die Pflege des Bäumchens. Musikalisch wurde die Veranstaltung durch Birthe Heinz (Flöte) und Manfred Gorr (Gitarre) mitgestaltet. Dr. Martin Arnold dankte im Namen des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis allen Mitwirkenden: „Dieser Korbiniansapfelbaum ist ein Zeichen des Lebens. Er steht für Hoffnung und Zuversicht in einer Welt, in der Gewalt und Antisemitismus leider noch immer verbreitet sind.“

  2. Rotary Club Eschwege besucht die Synagoge Abterode

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    Etwa 20 Mitglieder des Rotary Clubs Eschwege besuchten den Lern- und Gedenkort in der ehemaligen Synagoge in Abterode. Dr. Martin Arnold, der Vorsitzende des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis, erläuterte am Beispiel der jüdischen Gemeinde Abterode die wechselvolle Geschichte jüdischen Lebens im 19. und 20. Jahrhundert. Er informierte über die Arbeit des Vereins, die sich insbesondere an Kinder und Jugendliche richtet. „Die junge Generation soll jüdisches Leben kennenlernen, ihm mit Respekt und Toleranz begegnen.“ Er rief dazu auf, die Arbeit des Vereins zu unterstützen und allen Formen von Rassismus und Antisemitismus entgegenzutreten. Dr. Uwe Ellringmann, Incoming-Präsident des Rotary Clubs Eschwege, bedankte sich und wünschte dem Verein viel Erfolg bei seiner Arbeit.

  3. Landrätin Nicole Rathgeber besucht Synagoge Abterode

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    14 jüdische Gemeinden mit eigenen Synagogen, Schulen und Friedhöfen gab es bis 1933 im Gebiet des heutigen Werra-Meißner-Kreises. Seit dem 17. Jahrhundert lebte eine starke jüdische Minderheit im Werraland. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Jüdinnen und Juden jedoch entrechtet und vertrieben. Wer nicht fliehen konnte oder wollte, wurde in Konzentrationslager deportiert und umgebracht. Heute gibt es keine jüdische Gemeinde mehr im Werra-Meißner-Kreis.

    Landrätin Rathgeber informierte sich in der ehemaligen Synagoge in Abterode ausführlich über die jüdische Geschichte in der Region. Dort hat der Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens einen Lern- und Gedenkort eingerichtet. Dr. Martin Arnold, Ludger Arnold, Dr. Lutz Bergner und Friedhelm Junghans berichteten über die Arbeit des Vereins, der seit 2019 das jüdische Leben in der Region dokumentiert und die Erinnerungskultur pflegt. „Wir wenden uns besonders an Kinder und Jugendliche“, erläuterte Ludger Arnold, „um sie widerstandsfähig zu machen gegen das Gift des Antisemitismus.“ Dazu verwendet der Verein vor allem digitale Medien, etwa eine „Actionbound“-App für einen Rundgang durch das jüdische Abterode oder eine virtuelle Brille, mit der man das Innere der ehemaligen Synagoge Eschwege vor der Zerstörung erkunden kann. „Wir arrangieren aber auch Begegnungen mit Jüdinnen und Juden“, ergänzte Martin Arnold, „denn Gott sei Dank gibt es auch heute wieder jüdisches Leben.“ Friedhelm Junghans informiere über die Entwicklung des noch jungen Vereins, der inzwischen 73 persönliche Mitglieder hat, dem aber auch viele Institutionen angehören wie etwa der Werra-Meißner-Kreis, der Evangelische Kirchenkreis, der Verein Aufwind, sechs Kommunen, sechs Kirchengemeinden und drei Schulen. Lutz Bergner bat Landrätin Rathgeber insbesondere um Unterstützung bei den Bemühungen des Vereins, die ehemalige Synagoge in Harmuthsachsen vor dem Verfall zu retten. „Ich danke dem Verein für seine wichtige Arbeit, die wirklich Unterstützung verdient“, so Rathgeber. Insbesondere das Thema Antisemitismus liege ihr sehr am Herzen.

  4. Das Leiden Jesu und das Leiden der Juden

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    „Orte der Passion“ war das Thema einer Reihe von Andachten, zu denen die evangelischen Kirchengemeinden der Region Meißner-Berkatal eingeladen hatten. Ist die Synagoge Abterode ein Ort der Passion? „Ja natürlich“, sagte Ludger Arnold, Präses der evangelischen Kreissynode, „insofern Juden viel erleiden mussten.“ Auch in Abterode kam es zur Diskriminierung und Vertreibung von Juden. Allein 77 in Aberode geborene oder dort länger wohnhafte Jüdinnen und Juden wurden während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet. Aber darf man in einer ehemaligen Synagoge, einem jüdischen Gotteshaus, eine christliche Andacht halten? „Darf man“, sagte Dr. Martin Arnold, ehemaliger Dekan des Evangelischen Kirchenkreises Eschwege. „Jesus war Jude. Er ist als Jude geboren, hat als Jude gelebt und ist als Jude gestorben. Auch seine Jünger waren Juden. Aber wir können es nur im Respekt vor jüdischem Leben und im Wissen um das, was Juden zu erleiden hatten.“

    Ludger Arnold wies darauf hin, dass die Kirchen ihre Haltung zum Judentum nach dem Holocaust verändert haben. „Wir haben verstanden, wohin der Hass gegen Juden führen kann, und dass wir in der Vergangenheit auch Hass auf Juden geweckt und verstärkt haben.“ Nun habe aber auf allen Ebenen ein Lernprozess begonnen. „Wir beten zu einem Gott“, so Martin Arnold, „und uns verbindet die Hoffnung, dass Gott seine Schöpfung zur Vollendung führen wird.“ Etwa 20 Männer und Frauen waren gekommen, um die Andacht mitzufeiern. Sie sammelten Spenden für die Menschen in der Ukraine und für alle, die von dort wegen dem Krieg geflohen sind. Die Andacht schloss mit dem Segen, der jüdischen und christlichen Gottesdiensten gemeinsam ist: „Der HERR segne dich und behüte dich. Er lass Sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er erhebe Sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

  5. Kinder entdecken jüdisches Leben in Abterode

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    25 Jungen und Mädchen aus der 4. Klasse der Frau-Holle-Schule in Abterode besuchten die dortige Synagoge. Noch keines der Kinder hatte die Synagoge von innen gesehen. Mit großem Interesse hörten sie, wie Dr. Martin Arnold vom Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens ihnen von dem jahrhundertelangen jüdischen Leben in Abterode, aber auch von der Vertreibung und Auslöschung der Gemeinde in der Zeit des Nationalsozialismus erzählte. Am Beispiel einer Pergament-Rolle des biblischen Buches Ester, die in der Synagoge gefunden wurde, hörten die Kinder, wie die schlaue Ester ihr Volk vor einem Pogrom in der Perserzeit rettete. Diese Geschichte steht im Mittelpunkt des Purim-Festes, das alljährlich im Frühjahr in den jüdischen Gemeinden gefeiert wird. Auch viele andere Fotos und Gegenstände im Lern- und Gedenkort Synagoge Abterode weckten das Interesse der Kinder. „Dann müsst Ihr noch mal wieder kommen“, sagte Arnold. Schulklassen, Konfirmandengruppen, aber auch sonstige Gruppen können sich unter info@synagoge-abterode.de oder Tel. 05651-339281 zu einer Führung anmelden.

  6. Paul Lieberknecht stand in der NS-Zeit verfolgten Christen jüdischer Herkunft bei

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    Ein „Paul-Lieberknecht-Weg“ erinnert neuerdings in Kassel an einen aus Eschwege stammenden Pfarrer, der in der NS-Zeit Christen jüdischer Herkunft unterstützte. Im NSDAP-Hetzblatt „Der Stürmer“ wurde Lieberknecht in Verunglimpfung seines Namens auch als „Judenknecht“ bezeichnet, weil er im Jahr 1938 zwei Kinder einer in Kassel bekannten „nichtarischen“ Familie konfirmiert hatte.

    Lieberknecht war im Jahr 1886 in Eschwege geboren. Sein Vater hatte es dort mit einem Kolonialwarengeschäft zu Wohlstand gebracht. Nach dem Abitur an der Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege studierte Lieberknecht evangelische Theologie in Berlin und in Marburg. Von 1925 bis 1941 war er Gemeindepfarrer an der Kreuzkirche in Kassel. Dort engagierte er sich mit der „Bekennenden Kirche“ gegen das Vordringen völkischer Umformungen des christlichen Glaubens durch nationalsozialistisch eingestellte Amtskollegen. Dort war er auch „Vertrauensmann“ der „Kirchlichen Hilfsstelle für evangelische Nichtarier“. Deswegen wurde er auch von der Geheimen Staatspolizei überwacht. Als er wegen Ehescheidung das Pfarramt niederlegen musste, trat er aus der Evangelischen Kirche aus, führte aber seine seelsorgerliche Arbeit fort. Nach Kriegsende bemühte er sich um den Wiedereintritt in die Evangelische Kirche und um die Fortsetzung seines Pfarrdienstes. Dies wurde ihm jedoch verwehrt. Er starb am 1. April 1947, also vor fast genau 75 Jahren.

    Die Evangelische Kreuzkirchengemeinde in Kassel ehrt Paul Lieberknecht mit einer Gedenktafel. Im Namen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck würdigte Dr. Michael Dorhs sein mutiges Eintreten gegen den Nationalsozialismus und für die verfolgten Christen jüdischer Herkunft. Zugleich bedauerte er die harte und unbarmherzige Haltung der Kirchenleitung gegenüber Lieberknecht. Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle begrüßte die Initiative der Kreuzkirchengemeinde und des Stadtteiles, mit einem öffentlichen Zeichen an Paul Lieberknecht zu erinnern.

  7. Was hat es mit diesem Apfelbaum auf sich?

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    Der Korbiniansapfel wurde am 13. Mai 2020 in Gedenken an die Witzenhäuser Synagoge gepflanzt, die in unmittelbarer Nähe stand und am 8. November 1938 – schon einen Tag vor der sogenannten Reichspogromnacht – zerstört und am darauffolgenden Tag niedergebrannt wurde.

    Was wissen wir über die ehemalige Synagoge in Witzenhausen?

    Auch in Witzenhausen ging im Nationalsozialismus eine Welt unter: Die jüdische Gemeinde, die dort seit dem frühen 17. Jahrhundert bestand. Die Synagoge wurde 1938 demoliert und angezündet, die Mitglieder der jüdischen Gemeinde zur Auswanderung gezwungen oder deportiert und umgebracht.

    Eine jüdische Gemeinde bestand in Witzenhausen seit dem frühen 17. Jahrhundert. Erstmals wird eine Synagoge im Jahr 1622 erwähnt. Überregionale Bedeutung erlangte die Gemeinde im 17. und 18. Jahrhundert als Sitz des Landrabbinats (1625-1772), das als Rechtsinstanz über innerjüdische Streit- und Zeremonialfragen entschied. Dem Rabbinat war eine Talmudschule angeschlossen. Witzenhausen galt damals als „Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit“ in Hessen (Herbert Reyer).

    Eine erste Synagoge wird schon 1622 erwähnt. Nachdem im Jahr 1809 eine Synagoge in der heutigen Carl-Ludwig-Straße 11 einem Stadtbrand zum Opfer gefallen war, wurde 1810 eine neue Synagoge an der Ecke Steinstraße / Gelsterstraße errichtet.

    Über diese Synagoge schreibt Fritz Epstein im Jahr 1906: „Sie ist durch die klare, klassische Einfachheit des Grundrisses bemerkenswert. Die Anordnung ist eine durchaus symmetrische, Almemor und im Osten der Aron Hakodesch in einer Achse, seitlich davon das Gestühl, die Emporen an drei Seiten. Sie ist etwa 100 Jahre alt und unter französischer Herrschaft an einer Hauptstraße erbaut. Es war damals das Anbrechen einer freieren Zeit, deshalb wagt sich wohl auch das pyramidenförmige Dach, gar noch mit einem Dachreiter gekrönt, so stolz heraus. Eine schlichte Einfachheit ist innen und außen zu finden. Ein Baldachin, der über dem Allerheiligsten – einem einfachen Schrank – steht, ist wegen der sechs mit Palmenkapitäl geschmückten Holzstützen bemerkenswert. Die Frauenemporen sind von dem an einer Ecke anstoßenden Schulhaus zugänglich, getrennt von denen der Männer. Diese Absonderung wird noch dadurch charakterisiert, daß auf der Brüstung der Frauenempore ein hübsches Holzgitterwerk aufgesetzt ist. Die originellen Opferstöcke, einer neben dem Eingang im Erdgeschoß und einer auf der Empore, sind bereits in den Mitteilungen erwähnt und abgebildet. Es sei noch angeführt, dass links vom Allerheiligsten ein Waschgerät auf einem Holzpiedestal und rechts ein großer messingener Chanukkaleuchter steht. Unter den Silbergerätschaften ist einiges Hübsches …“ (Kultusbauten und Kultusgegenstände in der Provinz Hessen, S.9f).

    Neben der Synagoge lag das Schulhaus, in dem sich auch die Mikwe, ein Tauchbad zur rituellen Reinigung, befand.

    1932/33 hatte die Gemeinde 135 Mitglieder (= 2,7% der Bevölkerung). Es bestand eine jüdische Volksschule, an der Hugo Blumenfeld 12 Kinder unterrichtete. Blumenfeld war zugleich auch Schächter. In der Gemeinde gab es unter anderem einen Literatur-Verein und einen jüdischen Jugendbund.

    Die Synagoge wurde am 8. November 1938 demoliert und am Tag darauf niedergebrannt. „Bewaffnete Schlägerbanden von SA und SS drangen gewaltsam in jüdische Wohnungen und Geschäfte ein und trieben die jüdischen Bewohner unter Verhöhnungen und Misshandlungen durch die Straßen. Die Wohnungen wurden geplündert, das Mobiliar aus den Fenstern geworfen und zerstört. Viele der jüdischen Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt.“ (Alemannia Judaica). Ein Teil der Gemeinde wurde zur Auswanderung gezwungen, ein anderer großer Teil in Konzentrationslagern umgebracht. Mindestens 55 Witzenhäuser Juden wurden auf dem Transport oder durch die Vernichtung in den Konzentrationslagern umgebracht.

    Was hat es mit dem Korbiniansapfel auf sich?

    Der Korbiniansapfel ist nach dem katholischen Pfarrer, Pomologen (Apfelwissenschaftler) und Antifaschist Korbinian Aigner (1885 – 1961) benannt.

    Aigner bezog schon ab 1923, nach dem er eine Rede Adolf Hitlers hörte, öffentlich Stellung gegen den Nationalsozialismus. Nach dem gescheiterten Attentat von Georg Elser auf Hitler am 8. November 1939 kam Aigner im Religionsunterricht auf das Fünfte Gebot (Du sollst nicht töten) zu sprechen. Dabei soll er gesagt haben: „Ich weiß nicht, ob das Sünde ist, was der Attentäter im Sinn hatte. Dann wäre halt vielleicht eine Million Menschen gerettet worden“. Wegen dieser Aussage wurde er angezeigt (vermutlich von einem seiner Schüler), verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Im Juni 1941 wurde er in das KZ Dachau gebracht. Dort wurde er zur Arbeit im Kräutergarten eingeteilt, einem Wirtschaftsbetrieb und Versuchsanstalt der SS, innerhalb derer auch Rudolf Steiners organisch-dynamische Landwirtschaft praktiziert wurde. Zwischen den Wohnbaracken züchtete er Äpfel.

    Im April 1945 wurde Aigner mit 10.000 anderen Häftlingen auf einen sogenannten „Todesmarsch“ nach Südtirol geschickt. Gleich zu Beginn des Marschs konnte Aigner fliehen und in einem Kloster bis Kriegsende Zuflucht finden.

    Nach dem Krieg arbeitete der „Apfelpfarrer“ wieder in seiner alten Gemeinde und beschäftigte sich bis zu seinem Tode mit seiner Leidenschaft für Äpfel.

    Von den, in seiner Zeit im KZ Dachau gezüchteten, Apfelsorten KZ1, KZ2, KZ3 und KZ4 existiert heute nur noch die Sorte KZ3, welche nach ihm benannt wurde und heute als „Korbiniansapfel“ bekannt ist.

    Martin Luther hat man das Wort zugeschrieben: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Dieses Zitat stammt jedoch nicht von Luther, sondern ist zum ersten Mal im Jahr 1944 in einem Rundbrief der „Bekennenden Kirche“ belegt. In der dunklen Zeit des Nationalsozialismus wollte man damit zum Ausdruck bringen, dass das Leben stärker ist als Unmenschlichkeit, Gewalt und Tod.

    Der jüdische Religionswissenschaftler und Schriftsteller Schalom ben Chorin brachte seine Hoffnung durch einen Mandelzweig zum Ausdruck. In einem Gedicht, das später vertont wurde heißt es: „Freunde, dass der Mandelzweig / wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt? Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering, in der trübsten Zeit.

    Weitere Quellen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Korbinian_Aigner#cite_note-2 (Stand: 4.3.22)

    https://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/ns-ernaehrungspolitik-bio-gemuese-im-zeichen-des-hakenkreuzes-1.2419852 (Stand:4.3.22)

  8. Schülerinnen und Schüler des OG Eschwege forschen zum Antisemitismus

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    Im Rahmen eines berufsvorbereitenden Praktikums besuchte jetzt eine Schülergruppe vom Oberstufengymnasium Eschwege den Lern- und Gedenkort in der ehemaligen Synagoge Abterode. In zwei Kleingruppen stöberten die Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe in der umfangreichen, gut strukturierten Datenbank, die eine Fülle von Text-, Audio- und Videodateien zum jüdischen Leben in der Region Werra-Meißner bereit hält. Dabei untersuchten die Schülerinnen und Schüler die Ereignisse rund um die Pogromnacht in Eschwege 1938 sowie Herkunft und Ausdrucksformen des Antisemitismus. Ihre Ergebnisse präsentierten sie anschließend der jeweils anderen Gruppe.

  9. Holocaust-Gedenken in der Synagoge Abterode

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    Dieter Vaupel und Alida Scheibli lasen aus der Lebensgeschichte von Blanka Pudler

    Emotional aufwühlend und erschütternd war, was Dieter Vaupel und Alida Scheibli aus dem Leben von Blanke Pudler geborene Adler erzählten. Blanka wurde als 15-jähriges jüdisches Mädchen aus Ungarn in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort musst sie erleben, wie den Häftlingen mit immer neuen Erniedrigungen ihre Würde genommen wurde. Nur wegen ihrer Arbeitsfähigkeit und weil sie sich für älter ausgab, als sie war, entkam sie dort der Vernichtung. Im Jahr 1944 wurde sie mit 1000 anderen Frauen ausgesondert zur Zwangsarbeit in der Sprengstofffabrik Hirschhagen bei Hessisch Lichtenau. Auch in Hirschhagen waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen äußerst schlecht. Hunger, Kälte und lange Fußmärsche machten ihr zu schaffen. Zehneinhalb Stunden täglich und sieben Tage in der Woche musste sie Granaten mit Sprengstoff befüllen. Für diese gefährliche Arbeit hatte sie keine Schutzkleidung.

    Dennoch überlebte sie das Nazi-Regime und wurde befreit. Mit der Erzählung ihrer Lebensgeschichte wollte sie dazu beitragen, „dass so etwas wie Auschwitz nie wieder passiert.“ Gegen die verantwortlichen SS-Leute wurde nach 1945 zwar ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zu einer Anklage kam es jedoch nicht, weil die Identität der Verantwortlichen nicht ermittelt werden konnte.

    Dieter Vaupel berichtete, dass sich die Schulen in Hessisch Lichtenau sehr engagiert mit den Geschehnissen in der Nazi-Zeit befassen. Es gebe sogar Überlegungen, eine Schule nach Blanka Pudler zu benennen. „Tragen Sie weiter, was Sie heute gehört haben“, bat er. Alida Scheibli las nicht nur den O-Ton von Blanka Pudler, sondern ergänzte die Lesungen auch durch sehr einfühlsame musikalische Beiträge am E-Piano.

    Ludger Arnold dankte Dieter Vaupel und Alida Scheibli für ihren engagierten und berührenden Vortrag. Er dankte auch den 15 Personen, die wegen der Corona-Schutzbedingungen in der Synagoge teilnehmen konnten, und weiteren 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die online zugeschaltet waren. Eine Teilnehmerin schrieb in den Chat: „Vielen Dank, dass Sie die Lesung auf Zoom zugänglich gemacht haben, so dass ich aus der Nähe von Fulda auch daran teilnehmen konnte.“

    Das Buch von Blanka Pudler und Dieter Vaupel mit dem Titel „Auf einem fremden und unbewohnbaren Planeten“ ist für 10€ unter der ISBN-Nr. 978-3-8012-0530-0 im Buchhandel erhältlich.

  10. Einladung zu einer Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag

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    Auf einem fremden unbewohnbaren Planeten

    Die Geschichte von Blanka Pudler: Wie ein 15-jähriges Mädchen Auschwitz und Zwangsarbeit überlebte

    Szenische Lesung mit Dr. Dieter Vaupel (Gudensberg) und Alida Scheibli, Lesung und Klavier (Felsberg)

    am Mittwoch, 26. Januar 2022

    um 19.00 Uhr

    in der ehemaligen Synagoge in Abterode

    Veranstalter: Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis

    Blanka Pudler ist noch ein Kind, als sie von den Nazis verfolgt und mit ihrer ganzen Familie 1944 deportiert wird. Nach sieben schrecklichen Wochen in Auschwitz selektiert man sie zur Zwangsarbeit. In der Sprengstofffabrik Hessisch Lichtenau muss sie mit ihrer älteren Schwester Aranka Bomben und Granaten befüllen. Als die beiden Mädchen nach dem Krieg nach Ungarn zurückkommen, erfahren sie, dass sie nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihre Eltern im Holocaust verloren haben.

    Dieter Vaupel lernte Blanka Pudler 1986 in Budapest kennen und organisierte gemeinsam mit ihr jahrelang Zeitzeugengespräche vor Tausenden von Schülern. Gemeinsam begannen sie, Blankas Geschichte aufzuschreiben. Blanka Pudler (1929-2017) blickt mit den Augen eines Kindes auf die unmenschliche, bedrohliche Welt um sich herum. Trotz allem gibt sie die Hoffnung nicht auf. Nach ihrem Tod stellte Dieter Vaupel das Buch fertig. Die bewegende subjektive Zeitzeugenerzählung ist verknüpft mit zahlreichen historischen Dokumenten. Die 20-jährige Alida Scheibli liest die Rolle von Blanka und begleitet mit drei selbst komponierten Stücken am Stage-Piano den Abend.

    Dr. Dieter Vaupel, geb. 1950, war als Lehrer und Schulleiter tätig. Er ist Lehrbeauftragter für Geschichtsdidaktik an der Universität Kassel sowie Autor von Büchern und Fachbeiträgen zur Zeitgeschichte und zu pädagogisch-didaktischen Themen.

    Alida Scheibli studiert Soziologie und Germanistik an der Universität Kassel. Zusammen mit Dieter Vaupel hat sie bereits in mehreren Lesungen, die sie auch musikalisch begleitete, Blanka Pudler ihre Stimme geliehen.

    Bitte melden Sie sich zu der Veranstaltung an (info@synagoge-abterode.de). An der Veranstaltung können bis zu 20 Personen in Präsenz teilnehmen (2G, Abstand, Maske) und darüber hinaus alle online über Zoom (Link wird nach Anmeldung übersandt).

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